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Leitartikel

Kampf ohne Logik

Wenn uns jahrtausendelange Erfahrungen mit Drogen eines gelehrt haben, dann dies: Der Mensch will auf den Rausch nicht verzichten.

06.11.2017
  • MATHIAS PUDDIG

Ob nun Marco Polo, Charles Baudelaire oder die alten Griechen, zu allen Zeiten wurden Drogen konsumiert. Kein Verbot und kein abschreckendes Vorbild haben daran etwas ändern können – und doch halten Politiker in Deutschland unbeirrt an einer von Repression geprägten Drogenpolitik fest. Dass diese weder logisch noch hilfreich ist, ändert daran nichts. Dass sie im Extremfall sogar kontraproduktiv sein kann, sehen wir derzeit in den Vereinigten Staaten.

In den USA grassiert seit einigen Jahren eine Opioid-Krise. Hunderttausende sind abhängig von den Schmerzmitteln. Viele greifen ersatzweise zum günstigeren Heroin. Im vergangenen Jahr starben 64 000 Menschen an Opioiden und Ersatzstoffen. Das sind mehr Tote als durch Waffen und mehr als durch Verkehrsunfälle. Im Wesentlichen hat die Krise zwei Ursachen: Die erste ist ein fehlgeleitetes Gesundheitssystem, das die Patienten als Kunden betrachtet. Und ein süchtiger Patient ist ein treuer Kunde. Die zweite ist der Krieg gegen die Drogen, der seit mehr als 50 Jahren so geführt wird, als könnte er tatsächlich gewonnen werden. Dieser „Krieg“ hat die Drogenkonsumenten kriminalisiert, die Gefängnisse gefüllt und die organisierte Kriminalität erst so richtig groß werden lassen. Nur den Drogenkonsum konnte er nicht einschränken.

Die Gefahr, dass die Opioid-Krise auch Deutschland erfasst, ist zum Glück denkbar gering. Sicher, auch hierzulande werden Opioide gegen Schmerzen verschrieben. Allerdings werden sie äußerst kontrolliert abgegeben – das deutsche Gesundheitssystem funktioniert. Für die deutsche Drogenpolitik gilt das allerdings nicht. Denn sie ist von Unvernunft geprägt, kriminalisiert die Konsumenten ebenfalls und setzt sie so unnötigen Risiken aus. Ein Beispiel: Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler, selbst Tochter eines Hopfenbauern, erklärt das Cannabis-Verbot damit, dass „Cannabis eine illegale Droge ist. Punkt“.

So lustig der Zirkelschluss auch klingt, bessere Argumente hat Mortler nicht. Es lässt sich einfach nicht begründen, warum jeder Kiffer hierzulande jederzeit mit einer Anzeige rechnen muss und sich die Polizei im vergangenen Jahr mit 145 000 solcher Verfahren herumschlagen musste. Es ist nicht zu erklären, warum Drogenpolitiker zugleich mit der Alkohol- und Tabakindustrie vergleichsweise lax umgehen und so suggerieren, dass diese beiden Alltagsdrogen weniger gefährlich sind als Cannabis. Dabei sehen die Zahlen ganz anders aus: Keine Droge führt zu mehr Todesfällen als Zigaretten, doch im internationalen Vergleich ist Deutschland Rauchern gegenüber großzügig wie kaum ein zweites westliches Land. Es wird Zeit, dass in die Drogenpolitik Vernunft und Maß einziehen. Denn dass plötzlich alle Menschen vernünftig werden und komplett auf Rausch und Drogen verzichten, damit ist auch in Zukunft nicht zu rechnen.

leitartikel@swp.de

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06.11.2017, 06:00 Uhr
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