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Umwelt

Kampf gegen Diesel-Abgase zeigt Wirkung

In 13 Städten sinkt die Belastung mit Stickstoffdioxid unter den EU-Grenzwert, in fünf steigt sie. Stuttgart bleibt Spitzenreiter vor Darmstadt und München.

18.06.2019

Von   Teresa Dapp und Sascha Meyer

Die Messstation am Neckartor in Stuttgart, wo die Feinstaubbelastung am höchsten ist. Foto: Arnulf Hettrich/imago images

Die Luftverschmutzung durch Diesel-Abgase ist im vergangenen Jahr in 57 Städten höher als erlaubt gewesen. Im Jahr davor waren es noch 65 Städte gewesen, in denen der EU-Grenzwert für gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) überschritten wurde. Das zeigt eine Auswertung des Umweltbundesamt (UBA). Im Durchschnitt lagen die Jahresmittelwerte an verkehrsnahen Messstationen rund 1,5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft niedriger als 2017.

Der Trend gehe in die richtige Richtung, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger, aber die bisherigen Maßnahmen für saubere Luft reichten nicht aus. Nötig sei eine schnelle Nachrüstung älterer Dieselautos mit wirksamen Katalysatoren, um den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel überall einzuhalten.

Überhöhte NO2-Werte sind der Grund für Fahrverbote für ältere Diesel in Stuttgart, Hamburg und Darmstadt. Andere Städte – etwa Berlin – könnten folgen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte die Einschränkungen vor Gericht erzwungen, es laufen noch Verfahren.

NO2 in Städten stammt zu einem großen Teil aus Diesel-Abgasen. Die höchste Belastung im Jahr 2018 hatte Stuttgart mit 71 Mikrogramm vor Darmstadt mit 67 und München mit 66 Mikrogramm.

Weiterhin 15 „Intensivstädte“

In 13 Städten, die 2017 im Jahresmittel noch über dem Grenzwert gelegen hatten, wurde dieser nun eingehalten. Dafür sind aber fünf Städte zurück in den problematischen Bereich gerutscht, teilt das UBA mit: Leipzig, Ulm, Koblenz, Eschweiler in Nordrhein-Westfalen sowie Sindelfingen bei Stuttgart.

Wie schon im Vorjahr lag die Belastung auch 2018 in 15 Städten bei mehr als 50 Mikrogramm. Sie gelten als „Intensivstädte“, für die es besondere Hilfen gibt. Dortmund und Berlin sind neu dabei, Backnang (Baden-Württemberg) und Bochum liegen nun mit 49 beziehungsweise 48 Mikrogramm unter der Marke.

Wenn eine Stadt den Grenzwert überschreitet, bedeutet das nicht, dass die Luft überall schlecht ist. Es zählt die Messstation mit dem höchsten Jahresmittelwert. Die EU hat Deutschland und fünf andere Staaten vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt, weil die Grenzwerte nicht eingehalten werden.

Bereits Ende Januar hatte das UBA auf Basis erster Daten mitgeteilt, dass die Belastung zurückgehe. Das sei die Folge von Tempolimits, Verkehrsbeschränkungen, mehr neuen Autos, Software-Updates zur besseren Abgasreinigung bei älteren Diesel, aber auch des Wetters. Was wie viel zur Minderung beigetragen hat, lasse sich allein anhand der Messdaten nicht bestimmen.

Für Nachrüstungen der Abgasreinigung direkt am Motor hat die große Koalition die rechtlichen Grundlagen gelegt, sie sind an Personenwagen aber noch nicht angelaufen. Nachrüstunternehmen hätten erste Anträge auch für Personenwagen gestellt, sagte Krautzberger. „Nun kommt es darauf an, dass der Genehmigungsprozess rasch durchlaufen wird.“ Alle Autobauer seien dazu aufgerufen, „die Nachrüstunternehmen technisch und die Kunden beim Kauf der Systeme finanziell zu unterstützen“.

WHO strenger als EU

Das UBA bekommt die NO2-Daten von den Umweltbehörden der Länder. Im November hatte das Bundesumweltministerium angekündigt, über den Tüv die Standorte der Stationen prüfen zu lassen. Diese Checks seien inzwischen abgeschlossen. Der Bericht werde voraussichtlich noch im Juni vorgestellt. Die EU-Richtlinie zum Aufstellen der Messstationen gibt einen Spielraum. Kritiker meinen, in Deutschland werde zu streng gemessen.

Der Grenzwert an Feinstaub (MP10) wurde 2018 nur an einer industrienahen Messstation überschritten. Dennoch sei die Belastung zu hoch und ein Risiko für die Gesundheit, teilte das UBA mit. Wenn man die strengeren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Maßstab nehme, werde an 78 Prozent aller 374 Messstellen zu viel Feinstaub gemessen. Betroffen seien auch Kleinstädte und ländliche Gebiete.

An 35 Tagen im Jahr darf die Belastung bei mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen. Die WHO empfiehlt aber maximal drei Tage mit Werten oberhalb von 50 Mikrogramm.                

Grafik: SWP

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Erstellt:
18. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 06:00 Uhr

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