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Lebensmittel

Kampf der Giganten

Streit um günstigere Einkaufspreise: Der deutsche Handelskonzern Edeka boykottiert den Schweizer Hersteller Nestlé.

20.02.2018

Von DIETER KELLER

Im Konflikt: Edeka verlangt von Nestlé bessere Einkaufskonditionen. Foto: ©nitpicker/Shutterstock.com

Berlin. Noch stehen Maggi-Tütensuppen, Thomy-Ketchup und Pizzen von Wagner bei den meisten Edeka-Supermärkten im Regal, genauso wie Mineralwasser von San Pellegrino und Babycreme von Bübchen. Doch das könnte sich in wenigen Tagen ändern. Denn alle diese Marken gehören zu Nestlé, und Edeka will sie auslisten, weil der Schweizer Konzern Edeka-Konkurrenten bessere Einkaufskonditionen bietet. Diesen Bericht der „Lebensmittel Zeitung“ wollten die beiden Kontrahenten nicht kommentieren.

Spektakulärer könnte der Machtkampf kaum sein: Nestlé ist der größte Lebensmittelproduzent der Welt, der im letzten Jahr fast 78 Mrd. EUR umsetzte. Edeka ist mit Abstand der größte deutsche Lebensmittelhändler. Er agiert im Rahmen des europäischen Einkaufsverbunds Agecore, an dem auch etwa die französische Intermarché und Coop Schweiz beteiligt sind. Zusammen kommen die Partner auf 140 Mrd. EUR Umsatz.

Im Prinzip ist Edeka immer noch eine Genossenschaft von 4000 selbständigen Einzelhändlern. Sie bekamen in diesen Tagen laut „Lebensmittel Zeitung“ eine Liste von 163 Produkten, die sie aussortieren sollen.

Das Pikante daran: Chef von Agecore ist seit 2015 Gianluigi Ferrari. Er war zuvor sieben Jahre lang Chef des Einkaufsverbunds Coopernic, an dem der Edeka-Konkurrent Rewe beteiligt ist. Ferrari soll festgestellt haben, dass Edeka teilweise deutlich schlechtere Einkaufskonditionen als Rewe hat. Im Handel gilt die Regel, dass sich Geld hauptsächlich im Einkauf verdienen lässt. Nestlé will nicht nachgeben.

Die Marktmacht des Handels bekommen immer wieder mittelgroße Produzenten zu spüren, weshalb das Bundeskartellamt schon mehrfach eingegriffen hat. So verbot es „Hochzeitsrabatte“ , die Edeka nach der Übernahme der Plus-Märkte 2009 von Lieferanten verlangt hatte; der Bundesgerichtshof hatte dies vor wenigen Wochen bestätigt. Im Streit mit Nestlé sehen die Wettbewerbshüter allerdings derzeit keinen Grund einzugreifen, sagte ein Sprecher der SÜDWEST PRESSE. Schließlich stehen sich da zwei starke Konkurrenten gegenüber. Da gibt es keinen rechten Anknüpfungspunkt.

Nestlé trifft der Konflikt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: 2017 ging der weltweite Gewinn um 16 Prozent auf 6,2 Mrd. EUR zurück, der Umsatz stagnierte. Der Konzern soll allein mit den Agecore-Händlern mehr als 10 Prozent seines Europa-Umsatzes machen.

Edeka kann die Machtprobe auch wagen, weil der Konzern wie die anderen großen Händler immer mehr Eigenmarken verkauft. 2017 stieg ihr Marktanteil auf den Rekordwert von 37,4 Prozent, schätzt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Sie versprechen eine deutlich höhere Gewinnspanne. Zudem sind sie zu einem wichtigen Instrument der Profilierung geworden. Allerdings haben sie bisher weniger den bekannten Marken wie Nestlé oder Dr. Oetker geschadet, sondern eher den „Mittelmarken“ weniger bekannter Hersteller. Die meisten Konsumenten bescheinigen den Produkten der Handelsketten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. (mit dpa)

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Erstellt:
20. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2018, 06:00 Uhr

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