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Suche nach der Zukunft der Mobilität in San Francisco

Kalifornien kämpft gegen Verkehrsprobleme. Kann Baden-Württemberg vom US-Bundesstaat lernen?

Der Konkurrent von Uber sei nicht der öffentliche Nahverkehr, sagt Damian Kassabgi, der Forschungsdirektor des Fahrdienstvermittlers, der mit Privatleuten am Steuer den US-Verkehrsmarkt revolutioniert hat. Der Konkurrent sei das allein privat genutzte Auto.

10.07.2018

Von ROLAND MUSCHEL

Starker Verkehr bei Los Angeles. 2030 soll es in Kalifornien fünf Millionen Null-Emissionsfahrzeuge geben. Foto: Mark Ralston/AFP

1,2 Milliarden Pkw gebe es weltweit. 95 Prozent davon bewegten sich nicht, weil sie ungenutzt rumstehen, die anderen fünf Prozent würden in der Mehrzahl von nur einer Person genutzt. Die Zukunft des Autos aber sieht der Fahrdienstvermittler in autonom fahrenden, elektrisch betriebenen und von mehreren Personen geteilten Autos – und sich selbst als breit aufgestellten Mobilitätsanbieter, der auch Fahrräder, Mietautos, klassische Taxis und irgendwann Flugtaxis via App vermittelt und per eigenem Bezahlsystem abrechnet. Und so nicht nur gute Geschäfte machen, sondern laut Kassagbi auch zur Reduzierung des Stadtverkehrs und zur Verbesserung der Luftqualität beitragen will.

Es ist eine schöne neue Mobilitätswelt, die Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und die Mitglieder des von Karl Rombach (CDU) geleiteten Verkehrsausschusses des Landtags an diesem Vormittag in der Uber-Zentrale in San Francisco präsentiert bekommen. Auch in Deutschland hat Uber versucht, mit Privatleuten als Fahrer Geschäfte zu machen, ist aber an rechtlichen Hürden, allgemeinen Bedenken und der Taxi-Lobby gescheitert. Weltweit aber sind in über 600 Städten in 60 Ländern rund drei Millionen Privatleute als Fahrer unterwegs. Allein in San Francisco zählt das Unternehmen 30.000 private Fahrer, die mindestens vier Mal im Monat für Uber Taxi spielen. Wer wissen will, wie die Mobilität der Zukunft aussieht, kann die Pläne des Unternehmens mit Sitz in San Francisco so wenig ignorieren wie die Aktivitäten der Technologiefirmen im nahen Silicon Valley und die politischen Pläne des mächtigen US-Staats Kalifornien.

Wie Baden-Württembergs Städte und Verkehrsachsen haben auch San Francisco und das Silicon Valley mit Staus zu kämpfen, wie der Südwesten sucht Kalifornien nach Auswegen und der Mobilität von morgen. Können beide Seiten voneinander lernen?

Senator Jim Beall empfängt die Gäste aus Stuttgart in der Lounge des Senats der kalifornischen Hauptstadt Sacramento. „Ich repräsentiere das Silicon Valley“, stellt sich der sympathische Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Senat selbstbewusst vor. An der Zimmerdecke ist ein früher Siedler des Wilden Westens, der das Land umpflügt. Nun sind es die Technologiefirmen in Bealls Wahlbezirk – Apple, Google, Tesla und Co. – die die Welt mit ihren Erfindungen umpflügen.

Wirtschaftlich geht es Kalifornien prächtig. Aber die Nebenwirkungen des Booms sind gewaltig. Wohnen ist für viele nicht mehr bezahlbar; Servicekräfte pendeln stundenlang zur Arbeit. Die Region versinkt im Stau. In San Francisco, sagt Beall, gebe es im Sommer Verkehrsprobleme, weil Uber-Fahrer nach Kunden Ausschau halten. In Sacramento erwägt die Politik deshalb ein Gesetz, das Uber und Co. dazu verpflichtet, ihre Geschäfte auf E-Autos zu beschränken. Bealls größte Sorge aber ist eine für November terminierte Abstimmung, die Gegner von Steuererhöhungen zugunsten des Ausbaus der Verkehrsinfrastruktur haben sie initiiert. Der Termin treibt auch Kaliforniens Verkehrsminister Brian Annis um: „Wenn das durchgeht, wird es in Zukunft sehr schwer werden, unsere Ziele zu erreichen“, sagt Annis in einem Besprechungsraum im kalifornischen Kapitol.

Experimente in der Boomphase

Die Gründer und die großen Firmen richten ihre Geschäfte längst auf die neue Zeit aus. „Die großen Unternehmen pushen die E-Mobilität, bei den Start-ups dreht sich vieles ums autonome Fahren und darum, wie das selbstfahrende Auto innen aussehen wird“, berichtet Johannes Rott, Manager in der Zentrale von Plug and Play im Silicon Valley, dem größten Start-up-Investor, der Gründer und Großfirmen zusammenbringt. Der Autoexperte und Stanfort-Dozent Sven Beiker rät daher auch der baden-württembergischen Autoindustrie, „jetzt, wo es gut läuft, zu experimentieren“. In Sunnyvale tüftelt Daimler an einem Roboter-Taxi. Der Testwagen hat zu Forschungszwecken noch sieben Personalcomputer im Kofferraum und einen siebenstelligen Wert.

Auf Gegenkurs zu Präsident Trump

In der Verkehrs- und Umweltpolitik fährt Kalifornien einen Gegenkurs zu US-Präsident Donald Trump. Bis 2030 sollen im Sonnenstaat fünf Millionen Null-Emissionsfahrzeuge rollen. Derzeit sind es 400.000. Die Politik subventioniert den Kauf emissionsfreier Fahrzeuge und investiert kräftig in die Infrastruktur für Elektro- wie auch für Wasserstoffautos. San Franciscos Bus- und Straßenbahnflotte soll bis 2035 emissionsfrei sein, Kaliforniens Straßen durch den Bau neuer Zugstrecken entlastet werden. Beim öffentlichen Nah- und Fernverkehr gilt Deutschland als Vorbild. ⇥rol

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Erstellt:
10. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2018, 06:00 Uhr

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