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Kakteen stellen eigene Kandidatin
Feinkosthändlerin Martina Ueberschaar will IHK-Präsidentin werden und die Kammer reformieren. Foto: Foto: Ferdinando Iannone
Wahl bei der Stuttgarter IHK

Kakteen stellen eigene Kandidatin

Martina Ueberschaar kämpft für die Kammerrebellen um das höchste Amt bei der Stuttgarter IHK. Damit haben es nun zwei Frauen auf den Präsidenten-Posten abgesehen.

06.03.2017
  • JÜRGEN SCHMIDT

Stuttgart. Wenn am morgigen Dienstag die neue Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart zum ersten Mal seit der Wahl im Sommer 2016 zusammentritt, besetzt die kammerkritische Kaktus-Initiative fast ein Drittel der 100 Sitze. Das ist rund die Hälfte mehr als bei ihrem ersten Einzug ins Kammerparlament vor vier Jahren. Und die IHK-interne Opposition wird sich erneut um das höchste Ehrenamt der Kammer bewerben: Die Stuttgarter Feinkosthändlerin Martina Ueberschaar hat wenige Tage vor der konstituierenden Sitzung ihre Kandidatur für den Präsidentenposten angekündigt – der bisherige Amtsinhaber Georg Fichtner und seine beiden Strellvertreter ziehen sich zurück. Ueberschaar tritt gegen Marjoke Breuning an, die ebenfalls aus dem Einzelhandel kommt und als Vertreterin des etablierten IHK-Lagers gilt. Es dürfte damit sicher sein, dass erstmals seit der Kammergründung im Jahr 1855 eine Frau an der Spitze steht.

Trotz der gestiegenen Stimmenanteile der Kaktus-Initiative in der Vollversammlung sieht Ueberschaar ihre Wahlchancen realistisch. „Wenn so viele kommen, wie wir vermuten, wird es wohl schwer zu gewinnen“, sagt sie. Die 50-Jährige hofft aber auf einige Stimmen aus dem „anderen Lager“. Als völlig aussichtslos schätzt sie ihre Bewerbung gleichwohl nicht ein: „In der Vollversammlung sind einige Neue dabei. Da weiß man nie, was passiert.“

Den letzten Ausschlag, sich um das Präsidentenamt zu bewerben, hat ausgerechnet ihre Gegenkandidatin gegeben. Breuning, Mitgeschäftsführerin des Stuttgarter Traditions-Wäschegeschäftes Maute-Benger hatte sich am Dienstag vergangener Woche bei der Kaktus-Initiative vorgestellt und dabei als „Kandidatin der Mitte“ bezeichnet, wie es aus den Reihen der Kammer-Kritiker heißt. Das aber ist Ueberschaar und der Kaktus-Initiative insgesamt zu wenig. Die Unternehmerin plädiert für einen radikalen Wandel. „Demokratische Mitbestimmung und Selbstverwaltung müssen von den Mitgliedern ausgehen und können nicht von einigen großen Industriebetrieben und dem Hauptgeschäftsführer diktiert werden“, betont Ueberschaar.

Mehr kammerinterne Demokratie und Transparenz der Entscheidungsprozesse ist auch eine der Kernforderungen der Kaktus-Initiative, seit sich die Kritiker 2012 vor den vergangenen IHK-Wahlen zusammengeschlossen haben. Sie treten darüber hinaus für eine Senkung der Mitgliedsbeiträge ein, unter anderem, weil die Kammer über eine Ausgleichsrücklage von mehr als 20 Millionen Euro verfüge. Und die Kakteen fordern, wie andere Kammerkritiker in Deutschland auch, eine Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft. Ihren Unmut über die Verhältnisse haben Mitglieder der Initiative in mehreren Klagen ausgedrückt. Mehr als ein Dutzend zu verschiedenen Streitpunkten – dabei geht es unter anderem um die Beitragshöhe – sind inzwischen anhängig.

Die Initialzündung für die Gründung der Kaktus-Initiative hatte allerdings die politische Positionierung der IHK zu Stuttgart 21 gegeben. S-21-Gegner unter den heimischen Unternehmern um den Ditzinger Call-Center-Betreiber Clemens Morlok wehrten sich dagegen, dass die Kammer eindeutig zugunsten des Bahnhofsprojektes Stellung bezog. Auch Martina Ueberschaar, die ihr Feinkostgeschäft La Fattoria Stuttgart seit knapp zehn Jahren in Botnang betreibt, kam über die Gruppe „Unternehmer gegen Stuttgart 21“ und Morlok zu den Kakteen. Die wirtschaftspolitische Darstellung der IHK müsse entweder differenzierter werden, um auch Minderheitenmeinungen zu berücksichtigen oder ganz aus der Agenda der IHK gestrichen werden, fordert die Präsidentschaftskandidatin mehr Neutralität der Kammer ein. Die IHK könne sich ausschließlich auch auf ihre hoheitlichen Aufgaben konzentrieren wie Ausbildung und Prüfungen oder Exportdokumente.

Das würde nach Ansicht der Kakteen auch eine erhebliche Beitragsentlastung für die rund 155 000 Mitgliedsbetriebe der Industrie- und Handelskammer mit sich bringen. Denn nur ein Drittel des Kammer-Etats würden für Ausbildung verwendet, zwei Drittel für „politische Arbeit und Lobbyismus“.

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06.03.2017, 06:00 Uhr
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