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Tourismus

Kaffeekränzchen in Vietnam

Die Reisebranche ist auf die wachsende Zahl älterer Kunden noch nicht ausreichend vorbereitet. Denn Senioren haben besondere Bedürfnisse.

13.03.2017

Von CAROLINE STRANG

Vor allem viel Komfort erwarten Senioren, wenn sie reisen. Foto: afp

Die Tourismusmesse ITB ist gerade vorbei, die Stände, die Länder und Kulturen aus aller Welt vorstellen, werden abgebaut. Ausruhen kann sich die Branche allerdings nicht. So stellt unter anderem der demographische Wandel die Anbieter vor ganz neue Herausforderungen. Realität ist: Es gibt immer mehr ältere Menschen. Und die wollen reisen und verfügen oft auch über das nötige Geld. Die „Babyboomer“, geboren in den 50er und 60er Jahren, wachsen gerade erst in diesen Markt hinein.

Die Tourismusbranche weiß, dass es Nachholbedarf gibt. „Die Branche ist noch ausbaufähig“, sagt Anna Kopke von Tour Vital, einer Tochter von Thomas Cook, die sich auf Reisen für ältere Kundschaft spezialisiert hat. Kai-Uwe Hellmann ist Soziologe an der TU Berlin und Experte für Seniorenkonsum. Er sieht gute Ansätze: Die Reisebranche habe mit einer gewissen Verzögerung einiges unternommen. Als Stichworte nennt er Kreuz- oder Butterfahrten sowie Pauschal- und Städtereisen.

Allerdings seien die Angebote begrenzt. „Es sieht eher dürftig aus, wenn es um Reiseangebote für Hochbetagte und gebrechliche ältere Menschen geht, weil diese oftmals nicht mehr das Budget haben, um aufwändig zu verreisen, und deshalb ökonomisch uninteressant sind“, stellt er fest.

Reisende Senioren haben andere Bedürfnisse als jüngere Menschen. „Dies hat mit ihrem bisherigen, mehrere Jahrzehnte umfassenden Lebenslauf zu tun, mit ihrer viel größeren Lebenserfahrung, schlichtweg aber auch mit ihrem biologischen Alter, mit ihrer Physis wie Psyche: So fit ein 70-Jähriger auch sein mag, es ist und bleibt der Körper eines 70-Jährigen“, sagt Hellmann. Ältere Menschen seien „ein Stück weit immobiler, werden schneller müde, sind früher erschöpft.“

Auch brauchen sie laut Hellmann in der Regel einen höheren Komfort, was Zugangswege und Übernachtungsmöglichkeiten betrifft. Sie gingen alles ein wenig geruhsamer, langsamer an, benötigten mehr Zeit für die Orientierung und seien selten noch so sensationshungrig wie junge Menschen. „Party machen ist nicht mehr ganz so angesagt, dafür eher Kaffeekränzchen oder ein gepflegter Restaurantbesuch.“ Dafür verfügten gerade die Babyboomer über eine vergleichsweise hohe Kaufkraft und könne sich mehr leisten – also auch mehr für den Urlaub ausgeben. Schon in den vergangenen Jahren gaben die Rentner mehr für Urlaub aus. Zahlte die Generation 65 plus 2010 noch durchschnittlich 886 EUR für Urlaub pro Jahr, waren es 2015 nach Zahlen der „Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen“ schon 970 EUR.

Die Senioren zwischen 55 und 69 Jahren sind Zielgruppe von Tour Vital. „Best Ager“ werden sie hier genannt. Um diese zu gewinnen, werden Rundreisen „der sorglosen Art“ geboten – alles ist gut organisiert, die Bedingungen komfortabel, es geht auch um Kultur und Traditionen im Zielland – und eine ärztliche Begleitung reist mit. „Das gibt auch den älteren Kunden die Sicherheit, die sie mental brauchen, auch wenn unsere Ärzte so gut wie nie zum Einsatz kommen müssen.“ Generell seien Gruppenreisen sehr beliebt in diesem Alter, dabei spiele auch der gesellschaftlichen Aspekt eine große Rolle. Viele „Best Ager“ verreisen laut Kopke sogar mehrmals im Jahr – und dabei nicht nur um die nächste Ecke: „Unsere beliebtesten Reiseziele liegen in Asien, dabei finden besonders Indien und Vietnam großen Zuspruch, aber auch Rundreisen in Europa finden immer mehr Anklang.“

Außerdem spielt das Thema Langzeiturlaub bei Senioren eine wichtige Rolle, ergänzt Anja Waldow, Pressereferentin bei Thomas Cook. So biete das zugehörige Unternehmen „Neckermann Reisen“ speziell für Senioren Langzeitprogramme an, insbesondere in der Zeit von November bis März. „Bei uns sind hier besonders die Kanarischen Inseln, die Türkei und Mallorca beliebt.“ Die Hotels bieten spezielle Programme für ältere Gäste mit Sportkursen, Ausflügen oder geführten Wanderungen an. Auch Kreuzfahrten seien beliebt, denn es gebe einen hohen Erlebniswert und große Sicherheit.

Doch wie kriegt man die Senioren dazu, Reiseangebote attraktiv zu finden? Kai-Uwe Hellmann will dazu keine pauschale Antwort geben, es gebe kein Patentrezept. Allerdings: „Während jüngere Menschen mit MTV-Seh-Routinen groß geworden sind und im Twitter-Tempo kommunizieren, permanent online und erreichbar, dürften ältere Menschen diesbezüglich noch lange zu den ewigen Nachzüglern gehören, davon ist wohl auszugehen.“ Deshalb sollte es für sie altersgerechte Angebote geben. Bei Tour Vital hat man dazu schlicht festgestellt: „Senioren reagieren besonders auf klare Strukturen, mit ansprechenden Bildern.“

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Erstellt:
13. März 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
13. März 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. März 2017, 06:00 Uhr

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