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Kämpfer, Handwerker und Tunichtgute - Video und Bericht vom Römerfest

Tanzende Göttinnen, kämpfende Krieger, jede Menge Besucher. Zeitreise und Volksfeststimmung. Der zugehörige Förderverein hatte am Samstag und Sonntag zum großen Spektakel auf den römischen Gutshof in Hechingen-Stein geladen.

17.08.2008

Lautes Kampfgebrüll. Geschlagen liegen die Alamannen verteilt auf der Wiese. Die Rüstungen der siegreichen römischen Soldaten der Legio I Italica glänzen in der Sonne. Beifall von den um den Kampfplatz stehenden Zuschauern. Die Legio I reiste eigens aus Rovigo in Norditalien an. Die Gruppe stellt römisches Lagerleben und Kämpfe authentisch nach experimenteller Archäologie nach und ist in ihrem Heimatland durch das dortige Fernsehen bekannt. Vex XXI und Britannum mit ihren Soldaten, dazu die Alamannengruppe Ask aus Tübingen und die Kelten Carnyx aus Rottenburg: Insgesamt 150 Aktive waren beim Römerfest beteiligt.

Alle zwei Jahre findet es statt, zieht Tausende von Besuchern an. Dieses Mal war es mit einem Jubiläum verbunden: Der Förderverein Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein feierte sein 30-jähriges Bestehen. Gerd Schollian ist nicht nur Gründer und Vorsitzender, sondern auch Entdecker der Anlage. Als damaliger Bürgermeister der Gemeinde Stein fand er 1971 eine Mauer – und hielt sie für Überreste eines mittelalterlichen Gebäudes. Das Landesdenkmalamt identifizierte sie als römisch.

Erste Grabungen und Vereinsgründung folgten. „Erst dachte man, es sei ein Bauernhof“, erinnert sich Schollian. Mit der Entdeckung von Hauptgebäude und Tempelbereich habe sich aber herausgestellt, dass es sich um etwas Außergewöhnliches und um mehr als nur landwirtschaftliche Nutzung handeln müsse. Rund 170 Jahre, weiß man heute, vom Ende des ersten bis ins dritte Jahrhundert, war die so genannte Villa Rustica von Römern besiedelt.

Unter anderem den Konrad-Adenauer- und den Württembergischen Archäologiepreis hat der Verein für seine Arbeit erhalten. Heute zählt er 400 Mitglieder. Ihn zu leiten werde aber immer schwieriger, sagt der Vorsitzende. Die Helfer würden weniger. Künftig soll die Museumsanlage vergrößert werden. Finanziell ist man da neben den Mitgliedsbeiträgen auf den Ertrag eben des Römerfestes angewiesen.

Hauptsächlich Familien waren am Wochenende auf dem Gutshof. Überall tobten Kinder mit bunten römischen Schildern, (Gummi-)Pfeil und Bogen auf den Wiesen umher. Und überall rauchte, hämmerte, klopfte es. Sculptor (Bildhauer), Figulus (Töpfer) und Lorarius (Peitschenmacher) waren da. Beim Faber Ferrarius (dem Schmied) stoben die Funken. Da galt es, Münzprägern zuzuschauen, wie sie das Abbild von Kaiser Antonius Pius aufs Metall brachten, selbst beim Mosaik-Basteln Hand anzulegen, sich die Ausstellungsräume oder draußen die steinernen Überreste vom Badegebäude der Römer mit seiner Unterbodenheizung anzusehen.

Beim Weingott Bacchus ließ sich Mulsum – römischer Gewürzwein – kosten, am Stand der Kräuterfrau dufteten Oregano, Thymian und Lavendel. Die Kelten hatten ihre Zelte aufgeschlagen. Im Lager der Alamannen gab es Brot und Schmuck und Gebrutzel im Kochtopf überm Feuer. Zwei von ihnen kämpften gegeneinander: Vollbärtig und langhaarig, die Schwertklingen hieben aufeinander. Ganz anders die Najaden: Die römischen Göttinnen, ganz in weiß gewandet und mit Efeu umrankt, tanzten grazil zu antiker Flöten- und Trommelmusik. Stände, Werkstätten, Trubel auf dem ganzen Gelände, immer wieder Aufführungen, Kriegstänze auf der Bühne oder Pferde auf dem Kampfplatz.

Für die schwäbischen Mägen gab es Legionärs-Eintopf mit Bohnen, Fladenbrot, lukanische Wurst. Ein Priester beschwörte die Götter. Eugen Ungerer gab den Philosophen und rezitierte Cicero. „Latein ist so eine klangvolle, majestätische Sprache, und Cicero ihr größter Meister“, findet der Altphilologe und Oberstudienrat. Und einer freilich durfte bei einem Römerfest nicht fehlen. Dickbäuchig, blau-weiß gestreift, mit roten Zöpfen: Obelix. In Hechingen-Stein war er den römischen Militärs gegenüber aber ganz zahm: Er kontrollierte bloß die Eintrittskarten.

Kämpfer, Handwerker und Tunichtgute - Video und Bericht vom Römerfest
Wenn Legionäre trauern: Sie weinten und lachten um den bei den gefallenen Centurion beim Römerfest, nach einem der Schaukämpfe. Bild: Franke

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17.08.2008, 12:00 Uhr
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