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Schorndorfer Woche

„Kämpfe um den guten Ruf“

Das Fest erlangte durch angebliche Exzesse von Flüchtlingen traurige Berühmtheit. Nun hofft der Oberbürgermeister auf einen Neuanfang.

11.07.2018
  • KATHRIN KAMMERER

Schorndorf. Oberbürgermeister Matthias Klopfer war in der vergangenen Woche krank. Erst seit Montag ist er wieder im Rathaus. Mit das Erste, das er auf den Tisch gelegt bekam, waren persönliche Beleidigungen, berichtet der 50-jährige Sozialdemokrat. Der Dauerbeschuss seit einem Jahr lässt ihn nicht kalt. Ja, er hätte sich gewünscht, gestärkter in diese Woche zu starten: Am Freitag beginnt die „SchoWo“ die „Schorndorfer Woche 2018“. Und die Ereignisse aus dem Vorjahr schweben weiter wie eine dunkle Wolke über Schorndorf.

Die schwäbische 40 000-Einwohner-Stadt, die bislang vor allem als Geburtsstadt des Automobil-Pioniers Gottlieb Daimler bekannt war, rückte wegen angeblicher Sex-Exzesse von Flüchtlingen in den medialen Fokus. Um den Tumult im Schlosspark, bei dem Flaschen flogen und Polizisten attackiert wurden, sowie weitere sexuelle Übergriffe im Umfeld der SchoWo 2017 entspann sich eine bundesweite Debatte – aufgeregt und schrill.

Ein Dienstagmittag ziemlich genau ein Jahr später, im Sitzungssaal im schmucken Schorndorfer Rathaus: Neben Klopfer sitzen der örtliche Polizeirevier-Leiter Markus Jatzko, der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich und Jürgen Dobler, Chef der Schorndorfer Vereinsgemeinschaft. Es geht um das nahende Stadtfest – und doch scheinen die Ereignisse vom Vorjahr immer wieder durch.

Die SchoWo sei immer als friedliches Fest bekannt gewesen, sagt Dobler. Seit Jahren werden auf dem Festgelände keine Spirituosen mehr ausgeschenkt, nur noch Bier, Wein und Sekt. Was war also damals, bei der 49. Auflage, schief gelaufen? In einem sind sich alle einig: Die Kommunikation war der Knackpunkt. Eine Pressemitteilung der Polizei war missverständlich formuliert und durch die Agentur falsch verbreitet worden. Schnell war Schorndorf in allen Medien, national wie international. Und trotz aller Richtigstellung und Relativierung danach: Schorndorf hatte seinen Ruf da schon weg.

Es rumort hinter den Kulissen

Wer aber trägt die Schuld an der Misere? Einig scheint man sich bis heute nicht zu sein. Trotz der von allen Seiten betonten Aufarbeitung rumort es deutlich hinter den Kulissen: Die einen sprechen hinter vorgehaltener Hand von misslungener Kommunikation innerhalb der Polizei. Die anderen von schlechten Absprachen zwischen den verantwortlichen Instanzen. Und nochmal andere reden generell nicht so gerne über mögliche Fehler.

Nach außen gilt die Parole: SchoWo 2017 ist Vergangenheit. „Ich kämpfe um den guten Ruf dieser Stadt“, sagt OB Klopfer. Er distanziert sich von der Instrumentalisierung der Vorfälle für politische Zwecke. So habe etwa der Waiblinger AfD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Braun Schorndorf benutzt, „um die politische Diskussion anzuziehen“.

Im Rathaus richten also alle den Blick nach vorne. Die neue Devise: „Wo Menschen sind, wird Licht sein.“ Auf einigen Schulhöfen habe man Beleuchtungsanlagen installiert, auch stehe ein transportabler Lichtmastanhänger bereit. Man wolle dafür sorgen, dass keine unübersichtlichen Situationen mehr entstehen, dass Polizisten schnell eingreifen können.

Gelände für Jugendliche

Erstmals gebe es auch ein festes Veranstaltungsgelände für junge Leute, das sich die Jugendinitiative der Stadt selbst ausgesucht hat. Man hoffe, dass die Jugendlichen das Angebot annehmen und zahlreich zur Arnoldbrücke kommen, so Hemmerich.

Schorndorfs Revierleiter Markus Jatzko sagt, dass auf dem gesamten Festgelände mehr Polizei als 2017 im Einsatz sein werde. Im Rathaus – also mitten im Fest-Zentrum – werde eine „Sicherheitszentrale“ eingerichtet, in der sich Einsatzkräfte und Veranstalter austauschen können. Auch Feuerwache und Polizeirevier wolle man in die Kommunikation einbinden.

Rund 2000 Schorndorfer helfen bei der SchoWo ehrenamtlich mit. „Viele haben letztes Jahr während dem Fest noch gar nicht mal bemerkt, was da passiert war“, so Jürgen Dobler, der seit vielen Jahren der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft ist, die das Fest organisiert. Dabei sei das alles gar nicht auf dem eigentlichen Festgelände passiert. Dobler betont, dass eine Veranstaltung in dieser Größe für Ehrenamtliche sowieso schon ein Kraftakt sei: „Wir wollen unser Stadtfest gefeiert und nicht zerrissen haben.“ Dem schließt sich auch OB Klopfer an: „Ich würde am Dienstagabend gerne mit einem Radler auf die erfolgreiche SchoWo 2018 anstoßen.“

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11.07.2018, 06:00 Uhr
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