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Du sollst den Sonntag ehren

Kabarettist bekam Vogt-Medaille der Mundartgesellschaft

Barack Obama und Papst Franziskus haben Christoph Sonntag gratuliert. Denn die Laudatio hielt mit synchronisierten Videos der Vorgängerpreisträger Dodokay alias Dominik Kuhn.

30.11.2014
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Christoph Sonntag war baff: „Die bisher erste und einzige Auszeichnung, die ich je bekommen habe“, gab der Kabarettist zu. Dabei füllt er seit 25 Jahren die Säle und ist auch aus dem SWR-3-Hörfunk und als Buchautor bekannt. 300 Leute amüsierten sich am Freitag bei der Preisverleihung im Volksbank-Foyer in der Gartenstraße. „Die Leute haben mit dem Dialekt weniger Probleme als mit dem Zins“, scherzte Voba-Chef Josef Schuler. Matthias Zumbroich und Andreas Diebold machten Musik.

Mit der Friedrich-E.-Vogt-Medaille erinnert die Mundartgesellschaft Württemberg an den 1995 verstorbenen Stuttgarter Gymnasiallehrer, Schriftsteller und Dialektforscher Vogt. „Er war in den 1970er-Jahren einer von den Alten, die uns Junge begrüßt haben“, erzählte Mundart-Chef Wilhelm König: „Ein Brückenbauer.“ Zu den bisherigen Preisträgern zählen Trudel Wulle, Walter Schultheiß, Gotthilf Fischer, Manfred Rommel und Erwin Teufel. Bei der vorigen Verleihung 2011 hatte der Reutlinger Comedian Dodokay alias Dominik Kuhn die Auszeichnung bekommen.

Der erzählte, wie er Sonntag im März 1993 kennenlernte – bei der Pizza im Reutlinger „Casablanca“. „Salami mochte er nicht.“ Dodokay brachte von ihm selbst synchronisierte Videos, in denen Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Gattin sinniert, wie Sonntag bei ihnen den Garten umgegraben habe. Papst Franziskus, die Queen und US-Präsident Barack Obama gratulieren zum Preis, Boris Becker stolpert über einen schwäbischen Schüttelreim.

Fünf bis sechs Stunden sei er, verteilt über die Woche, an dem Video gesessen, verriet der Comedian der SWR-Moderatorin Martina Meisenberg. Er lobte Sonntag über den grünen Klee: „Der Christoph hat eine unglaubliche Erfahrung. Der geht raus und labert die Leute nieder.“ Was eingespielte Programm-Ausschnitte belegten. Das Schwäbische sei bei Sonntag keine Attitüde, vielmehr sei er tief darin verwurzelt, würdigte König. Die Sprache stehe beim Kabarettisten im Mittelpunkt der Darstellung. So sei die Medaille eine „notwendige und überfällige Auszeichnung“.

Im Gespräch mit Meisenberg erzählte Sonntag von sich: Der gelernte Landschaftsarchitekt ist seit vier Monaten wieder verheiratet. Er hat vier Kinder: „Ich habe den Stress auf zwei Frauen aufgeteilt.“ Mit seiner Stiftung rettete er den Stuttgarter Max-Eyth-See. Mehr als 150 Live-Auftritte hat er im Jahr, sogar am Broadway: „Das war ein Metzinger Veranstalter, mit dem ich ein Bier zuviel getrunken hatte. Er sagte, er kennt 350 Schwaben in New York. Und der Abend war in wenigen Tagen ausverkauft.“ Sonntag kam als Zivi zum Kabarett: „Ich wäre damals auch zum Schlittschuhlaufen in die Wüste. Ich wollte mich selbst finden.“

Mittlerweile hat Sonntag zwölf Bücher geschrieben. Er liest jeden Morgen zwei Zeitungen. Im virtuellen Zettelkasten sammelt er Ideen. In seinen Programmen nimmt er gerne Politiker aufs Korn. Etwa CDU-Frau Tanja Gönner als „Sternzeichen Zicklein, Aszendent Kreissäge“. Sonntag dazu: „Politik ist unser Futter. Ich kann mich gar nicht mehr darüber ärgern.“ Kabarett ist destruktiv, hat er mal gesagt. Doch es gebe Grenzen: „Als Schwabe hörst du auf dein Herz.“ Die Oma oder die Mama müssten den Gag gerade noch gut finden.

Kabarettist bekam Vogt-Medaille der Mundartgesellschaft
„Der Christoph geht raus und labert die Leute nieder“: Kabarettist Christoph Sonntag (rechts) im Gespräch mit SWR-Moderatorin Martina Meisenberg.Bild: Faden

Die Reutlinger Volksbank ist seit Jahren Sponsor der Mundartwochen. Da hörte es Vorstandschef Josef Schuler gar nicht gerne, dass sich der Vorsitzende der Mundartgesellschaft Württemberg Wilhelm König an die allererste Verleihung der Friedrich-E.-Vogt-Medaille anno 1986 an den Reutlinger Verleger Karl Knödler erinnerte. Die war nämlich bei der damaligen Landesgirokasse in Stuttgart. „Die Landesgirokasse kennt heute sowieso keiner mehr“, grantelte Schuler. Als dann der neue Preisträger Christoph Sonntag von seinem Hilfsprojekt für Stuttgarter Straßenkinder berichtete, hat er den Voba-Chef wohl auch ein bisschen vergrätzt. Dieses Projekt wird nämlich von der Sparda-Bank unterstützt. Und Sonntag wiederholte den unliebsamen Konkurrenznamen gleich mehrfach. „Sie hätten das ja auch unterstützen können“, meinte er.

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30.11.2014, 12:00 Uhr
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