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Wie der Vater, so der Sohn

Justin Trudeau gewinnt Parlamentswahl in Kanada - Fiasko für Konservative

Justin Trudeau ist in Kanada ein historischer Machtwechsel gelungen. Nach dem Ende der Ära Harper besinnt sich das Land offensichtlich wieder stärker auf seine liberalen Wurzeln.

21.10.2015
  • JÖRG MICHEL

Ottawa Justin Trudeau kennt die Villa am Sussex Drive Nummer 24 in Ottawa nur zu genau. Als Kind lernte er in einem Zimmer im ersten Stock das Laufen. Später spielte er in den Gängen mit seinen Brüdern Verstecken, lernte Boxen und raufte sich im Garten mit Freunden. Vier Jahrzehnte ist es her, dass Trudeau an der Seite seines berühmten Vaters im Haus des kanadischen Regierungschefs aufwuchs.

Nun kehrt Justin Trudeau an den Ort seiner Kindheit zurück. Der Parteichef der kanadischen Liberalen und Sohn des ehemaligen Premierministers Pierre Elliott Trudeau besiegte am Montag bei der Parlamentswahl den konservativen Amtsinhaber Stephen Harper.

Für Kanada ist es ein historisches Ereignis. Mit dem Sieg von Trudeau junior wird zum ersten Mal der Sohn eines ehemaligen Premierministers das mächtigste Amt des Landes übernehmen. Die Liberalen mit ihrem Spitzenkandidaten Trudeau gewannen bei der Wahl laut Prognosen von gestern rund 40 Prozent der Stimmen und mehr als die Hälfte der 338 Wahlbezirke, sodass sie eine Mehrheitsregierung stellen können. Der bisherige Premier Stephen Harper, der Kanada seit 2006 regierte, erlebte ein Debakel. Seine Konservative Partei bekam den Prognosen zufolge nur rund 32 Prozent der Stimmen und verlor mehr als 60 Parlamentssitze. Harper kündigte bereits den Rücktritt von allen Ämtern an: "Die Verantwortung für diese Niederlage liegt bei mir."

Trudeau rief jubelnden Anhängern in Montréal zu: "Kanada hat sich heute für einen echten Neuanfang entschieden." Er versprach, die polarisierende Politik Harpers zu beenden und das Land wieder stärker zusammenzuführen. Er willKanada zu seinen liberalen Wurzeln zurückbringen und das internationale Image des Landes verbessern.

Innenpolitisch steht Kanada vor einem Linksruck. Trudeau will Besserverdiener höher besteuern, die Sparpolitik lockern und Investitionen des Staates erhöhen, um damit die Wirtschaft anzukurbeln. Trudeau hat auch versprochen, mehr Flüchtlinge ins Land zu lassen und die militärische Interventionspolitik Harpers zu beenden.

Trudeaus Sieg kommt in seinem Ausmaß überraschend. Noch zu Beginn des elf Wochen andauernden Wahlkampfes hatte der gelernte Erzieher und Snowboard-Lehrer weit abgeschlagen auf dem dritten Platz zurückgelegen. Monatelang hatten ihn seine Gegner mit diffamierenden Wahlkampfspots überzogen und ihm die Eignung als Premier abgesprochen.

Doch mit einem gut inszenierten Wahlkampf in Stile eines Barack Obama vermochte es Trudeau, sich als Erneuerer und Hoffnungsträger der jüngeren Generationen zu präsentieren. Der 43-Jährige profitierte dabei von einer verbreiteten Wechselstimmung: Nach drei konservativen Amtsperioden wollten Umfragen zufolge mehr als 70 Prozent der Kanadier einen Neuanfang.

Harper hatte sich im Wahlkampf völlig verkalkuliert. Statt auf seine vermeintlichen Stärken in der Wirtschafts- und Finanzpolitik und auf seine internationale Erfahrung zu bauen, hatte er eine Kontroverse über "kanadische Werte" angezettelt und dabei mit anti-islamischen Parolen eine Mehrheit der Kanadier gegen sich aufgebracht. Selbst in der erzkonservativen Erdölprovinz Alberta gewann Trudeau einige Sitze hinzu - zuletzt hatte das sein Vater im Jahre 1968 erreicht.

Trudeau junior ist damit gelungen, was ihm ein Staatsgast schon früh prophezeit hat. Bei einem Empfang in Kanada 1972 hatte der ehemalige US-Präsident Richard Nixon dem jungen Trudeau scherzhaft eine große Zukunft als Premierminister vorausgesagt. Jetzt ist es tatsächlich so gekommen. Die Villa am Sussex Drive Nummer 24 steht schon bereit.

Justin Trudeau gewinnt Parlamentswahl in Kanada - Fiasko für Konservative
Snowboard-Lehrer war er schon, und bald wird er Kanadas Ministerpräsident sein: Justin Trudeau mit seiner Frau Sophie beim Feiern des Wahlsiegs in Montreal. Foto: dpa

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21.10.2015, 12:00 Uhr
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