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Wissenschaft

Jungen Sternen auf der Spur

Das fliegende Observatorium Sofia ist verspätet auf dem Flughafen gelandet. Neben Führungen für die Öffentlichkeit ist auch ein zehnstündiger Forschungsflug über Europa geplant.

17.09.2019

Von MATHIAS HUCKERT

Viele Besucher wollen einen Blick auf und in die umgebaute Boeing 747 werfen. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Am frühen Montagmorgen ist Sofia doch noch in Stuttgart gelandet. Ursprünglich sollte das Forschungsflugzeug bereits am Sonntagmorgen eintreffen. Doch wegen technischer Probleme konnte die mobile Sternwarte von ihrem Heimatflughafen im südkalifornischen Palmdale nicht rechtzeitig abheben. Als das fliegende Infrarot-Observatorium kurz nach vier Uhr zu seinem reservierten Platz vor der Besucherplattform des Flughafens rangiert wurde, war der Andrang schon groß: „Die Plattform war bereits ab drei Uhr morgens geöffnet. Kurz darauf war es schon richtig voll“, erklärte Flughafensprecherin Beate Schleicher. Das Interesse an Sofia lockt laut Schleicher vor allem Besucher an, die sich für Wissenschaft begeistern: „Wer Physik und Astronomie zu seinen Interessen zählt, der kommt an Sofia nicht vorbei.“

Die vom Deutschen Sofia Institut (DSI) der Universität Stuttgart veranstalteten Führungen während des fünftägigen Aufenthalts der fliegenden Forschungsstation in der Landeshauptstadt waren bereits vergangene Woche ausgebucht. Während der rund zweistündigen Führungen sind Fotos vom Innern des Jumbo Jets erlaubt: „Für uns ist es wichtig, der Öffentlichkeit zu zeigen, auf welche Art wir mit Sofia von Stuttgart aus forschen“, so DSI-Leiter Alfred Krabbe beim vorbereitenden Empfang am Sonntag.

Bessere Aufnahmen in Europa

Die umgebaute Boeing 747 ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-Weltraumbehörde NASA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Am Mittwochabend soll die weltweit größte, fliegende Infrarotsternwarte zu ihrem ersten wissenschaftlichen Flug über Europa aufbrechen – und dabei gleich zwölf europäische Länder überqueren. Der Vorteil des Flugzeugs gegenüber einem Satelliten, der für gewöhnlich für ähnliche Forschungszwecke eingesetzt wird, liegt in seiner Leistungsfähigkeit: „Ein Satellit lässt nach dem Eintritt in die Tropopause, also dem Grenzbereich zwischen Stratosphäre und Troposphäre in der Regel nach. Bei Sofia ist das nicht der Fall“.

Das Flugzeug ist jungen Sternensystemen auf der Spur: Mit dem von deutschen Ingenieuren entwickelten Teleskop fängt es Infrarotlicht ferner Sonnen auf. Dabei spielt der europäische Luftraum eine entscheidende Rolle. Ein Vorteil an einem Flug über Europa ist, dass sich Sofia nördlicher als in ihrer südkalifornischen Heimat befindet. Je näher die Sternwarte an den Polen fliegt, desto weniger Wasserdampf ist in der Atmosphäre über ihr vorhanden. „Das führt zu besseren Beobachtungsbedingungen“, erklärt Krabbe. Der Astrophysiker fasst das Forschungsziel des rund zehnstündigen Fluges so zusammen: „Es geht uns um die Größe des Universums.“

Insgesamt sind 85 Personen an der Forschungsmission beteiligt. Das Flugpersonal stellt die Universities Space Research Association (USRA). Harold Yorke, der wissenschaftliche Direktor der Mission, zeigt sich gespannt auf die Ergebnisse, die Sofia 13 Kilometer über dem europäischen Nachthimmel liefern wird: „Man kann nie einschätzen, welche Eindrücke ein solcher Flug liefert.“

Das 17 Tonnen schwere Teleskop, das der Jumbo an Bord hat, wird von zwei USRA-Operateuren bedient. Für den Flug hat das Team eine Ausnahmegenehmigung von der geltenden Nachtflugbeschränkung bekommen. So kann die Maschine am frühen Donnerstagmorgen wieder ihren Platz nahe der Besucherplattform einnehmen – und hat dann vielleicht neue Erkenntnisse zur Größe des Universums an Bord.

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Erstellt:
17. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. September 2019, 06:00 Uhr

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