Tierschutz

Jugendarrest für den Tod eines Auerhahns

21-Jähriger muss eine Woche ins Gefängnis, weil er den geschützten Vogel erschlagen hatte.

05.08.2020

Von PETRA WALHEIM

Auerhahn in einer Aufzuchtstation. Die Tiere sind geschützt. Foto: Holger Hollemann dpa

Titisee-Neustadt. Eine Woche Jugendarrest, 1000 Euro für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und das sechsmonatige Verbot, die Jagd auszuüben. Das ist die Strafe, die der Jugendrichter André Gerber am Amtsgericht Titisee-Neustadt am Dienstag gegen den 21-jährigen Dorian I. verhängte. Der Richter ist im Lauf der zwei Verhandlungstage zu dem Schluss gekommen, dass der junge Mann beim Einschlagen auf einen Auerhahn am Feldberg dessen Tod „zumindest billigend in Kauf genommen“ hatte.

Dorians Kumpel Alex B. bekam eine Geldstrafe von 1300 Euro aufgebrummt. Er wurde verurteilt wegen des Verstoßes gegen das bundesnaturschutzrechtliche Störungsverbot. Das ist auch ein Grund für Dorians Strafe. „Da sind aber noch weitere Straftatbestände“, sagte Gerber und zählte auf: Jagdwilderei und Verletzung der ganzjährigen Schonzeit bestimmter Wildarten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die jungen Männer hatten vor einem Jahr das Laurentiusfest am Feldberg besucht, waren Alkohol trinkend von Hütte zu Hütte gezogen und hatten auf einer Wiese, in der sie nicht sein durften, einen Auerhahn aufgescheucht. Nach der Begegnung war der streng geschützte Vogel tot.

Der Richter machte unmissverständlich klar, dass er der Version des Geschehens, die Dorian I. vorgetragen hatte, nicht glaubte. Der junge Mann hatte dem Auerhahn die Schuld gegeben. Der sei auf ihn losgegangen und habe nicht von ihm abgelassen, obwohl er sich rückwärts bewegt habe. So sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als sich zu wehren und auf ihn einzuschlagen.

„Das ist für mich nicht plausibel“, sagte der Richter. Die Zeugenaussagen hätten ein anderes Bild ergeben. Zum Beispiel hätten mehrere berichtet, Dorian habe eine Flüssigkeit über dem Vogel ausgeschüttet. „Das ist eine ganz markante Wahrnehmung.“

Gerber glaubte Dorian auch nicht, dass er die Wodkaflasche, die er in der Hand hatte, verloren habe. Sie blieb unauffindbar. Die Erklärung sei, dass Dorian und Alex im Weggehen Flasche und Becher entsorgt hätten.

„Mir fehlt eine ehrliche Reflexion und ein aufrichtiges Bedauern“, sagte Gerber. Da Dorian I. Jäger sei, hätte er die Situation anders lösen müssen. Die Verteidiger halten das Urteil für rechtlich nicht haltbar. Petra Walheim

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Erstellt:
5. August 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
5. August 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. August 2020, 06:00 Uhr

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