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Über Gier

Jürgen Bosse inszeniert in Aalen

Als deutsche Erstaufführung zeigt Jürgen Bosse in Aalen "Nach mir die Sintflut" von Lluisa Cunillé - ein Stück, das nach der Humanität fragt.

02.04.2012

Von WOLFGANG NUSSBAUMER

Aalen "Nach uns kommt nicht die Sintflut, wir sind die Sintflut", hat der Kabarettist Georg Schramm in seiner Dankesrede für die Verleihung des Erich-Fromm-Preises unlängst festgestellt. Etwas Ähnliches könnte die katalanische Autorin Lluisa Cunillé im Sinn gehabt haben, als sie ihr preisgekröntes Stück "Nach mir die Sintflut" schrieb.

Der Titel bezieht sich auf einen Ausspruch des Diktators Mobutu, der nach einem Putsch Zaire verlassen musste. In einem Hotel in Kinshasa versucht ein alter schwarzer Bauer, einem zwielichtigen Geschäftsmann seinen einzigen Sohn anzudienen. Als Fußballspieler, als Bodyguard, als Chauffeur - nur damit er nach Europa komme. Denn im Kongo gibt es keine Zukunft. Die Katalanin hat den Appell an den Weißen als einen rhythmisch perfekt durchkomponierten Text gestaltet. Regie-Altmeister Jürgen Bosse, der das Stück als deutsche Erstaufführung am Theater der Stadt Aalen inszeniert, zeigt sich beeindruckt: "Nichts muss geändert oder hinzugefügt werden. Die Partitur muss man nur genau umsetzen."

Doch hier liegt der Hase im Pfeffer. Die Bilder und Szenen entfalten sich auf der Erzählebene des Dialogs, Handlung findet nur in der Erinnerung statt. Cunillés Kunstgriff besteht darin, dass sie Anteilnahme auf dem Wege sprachlicher Vermittlung erzeugt. Von den Schauspielern - in ihren Rollen als Geschäftsmann und Übersetzerin - verlangt dies, das Kopfkino im Zuschauer in Gang zu setzen. Denn der alte Mann tritt nicht in Erscheinung, er existiert nur in den Worten der Übersetzerin. Das zu meistern, gelingt nur mit exquisitem Personal, und das stand Bosse mit Julianna Herzberg und Berthold Toetzke letztlich nicht zur Verfügung. Als opportunistische Frohnatur wirkt die Schauspielerin authentisch. Als Sprachrohr des alten Mannes bleibt sie blass. Toetzke ruft den eitlen Zyniker nicht mehr als routiniert aus seinem Repertoire ab. Den Sohn übrigens gibt es nicht. Er dient nur dazu, das Potenzial der Menschlichkeit in Zeiten der Gier auszuloten.

Info Weitere Vorstellungen am 21.4., 1.5., 18.5., 26.5., jeweils um 20 Uhr im Alten Rathaus.

Julianna Herzberg überzeugt nicht immer als Übersetzerin. Foto: Eva Gaida

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Erstellt:
2. April 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
2. April 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. April 2012, 12:00 Uhr

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