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Konservativ-moderne Leitmotive

Johannes Remmele und seine Schwester Carolin Grimbacher führen die Firma Südpack

Eine Muskelerkrankung bremste sein Wachstum und seine körperliche Beweglichkeit. Doch als Unternehmer ist Johannes Remmele umso schneller - und von konservativ-moderner Bescheidenheit.

01.09.2012

Von HELMUT SCHNEIDER

Ochsenhausen Schon das Wort "Macher", unter dem diese Artikel-Serie firmiert, berührt ihn fast unangenehm. Es könnte zu großspurig klingen, denkt Johannes Remmele. Einer der Leitsprüche, die er und seine Schwester Carolin Grimbacher vom Vater und Firmengründer Alfred Remmele verinnerlicht haben, hat wohl mit der oberschwäbischen Mentalität zu tun: Mehr sein als scheinen. Für die Firma Südpack, welche die beiden leiten, gilt das in gleichem Maße. Sie zählt inzwischen zu den Top Ten ihrer Branche in ganz Europa, und ist darunter die einzige Familienfirma.

Begonnen hat alles nach dem Krieg aus einfachsten Anfängen heraus. "Die erste Beutelmaschine stand in meinem Schlafzimmer", sagt Johannes Remmele im Rückblick auf seine Kindheit in den 60er Jahren. Der Vater, gelernter Molkereimeister und regionaler Vertriebschef eines großen Verpackungs- und Folienherstellers, hatte sich selbstständig gemacht. Die Beutelmaschine, die fachlich korrekt und besser klingend Konfektionsmaschine heißt, produzierte die Plastikbeutel, in die damals Wurst und Käse luftdicht eingepackt wurden. Die Mutter organisierte den Vertrieb und machte die Buchhaltung. Sie wollte damals, als ihr Mann nach Hamburg in die Konzernzentrale hätte wechseln sollen, lieber zu Hause in Ochsenhausen bleiben. Also fügte sich Alfred Remmele und machte sich selbstständig.

Die Beutelmaschine im Kinderzimmer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewissermaßen zu einem großen Fabrikkomplex ausgewachsen. Johannes Remmele hat diese Entwicklung miterlebt. Auch seine Schwester Carolin, zehn Jahre jünger, erinnert sich daran, was der Vater sagte: "Der Mittelpunkt in unserem Leben ist die Firma". Und doch haben die Eltern weder sie noch den Sohn dazu gedrängt, in die Unternehmensleitung einzusteigen. Beide hatten das auch nicht unbedingt vor. Der Sohn lernte Steuerberater und studierte Betriebswirtschaft, die Tochter dachte eher an "Tiermedizin oder Musik". Doch dann lief es doch auf Chemieingenieurin hinaus.

Johannes Remmele ist nur 1,50 Meter groß. Eine Muskelerkrankung hemmte sein Wachstum und schränkte auch seine körperliche Bewegungsfähigkeit ein. Geistig ist der kleine Mann umso beweglicher, er sprüht vor Umtriebigkeit, beschreibt fast schon mit Leidenschaft das "Kulturgut Essen" und spricht von "Emotion", die den Umgang mit Lebensmitteln bestimmen. Er versteht den Journalist mit dessen Frage gar nicht, warum ein Hersteller von Verpackungsfolien über das Wesen dessen bestens Bescheid wissen muss, was verpackt wird. Verpackung und Inhalt sind nicht mehr voneinander zu trennen in Zeiten, da alles für den bequemen Verzehr und vor allem auch noch möglichst ohne Qualitätseinbuße haltbar aufbereitet wird. Remmele beschreibt die Folie, in welcher der Käse nachreift ebenso wie jene, die das beim Rindfleisch leistet. Seine Schwester spricht von Pasteurisieren, Homogenisieren, von Tiefziehfolien und hochveredelten Oberfolien, die auch noch bedruckt sind. "Das ist unsere Kompetenz."

Firmengründer Alfred Remmele kommt auch mit seinen 82 Jahren noch täglich in die Firma, im Beirat, in dem auch noch eine Reihe anderer Unternehmer sitzen, bestimmt er die Firmenpolitik mit. Sein Sohn ist auch jenseits der eigenen Firmentore aktiv - als Gemeinderat für seine Heimatstadt Ochsenhausen und als Vizepräsident der IHK Ulm-Biberach für die regionale Wirtschaft. Für ihn scheint es selbstverständlich zu sein, dass ein Unternehmer in der Gesellschaft Verantwortung übernimmt.

Ebenso selbstverständlich sind ihm alle Übertreibungen suspekt, die eine von der Finanzindustrie aufgeblähte Wirtschaft hervorbringen. Auch hier sagt er wieder: "Das ist nicht unser Ding." Sein Ding ist eine ganz einfache und vielleicht deshalb so modern gewordene Firmenphilosophie. Südpack soll wie in der Vergangenheit einen "gescheiten Gewinn" machen, den man dann wie in der Vergangenheit "sinnvoll wieder investiert", um so in Zukunft schrittweise und "angemessen" zu wachsen.

Carolin Grimbacher ist Mutter von drei kleinen Kindern. Sie weiß, dass der Erfolg der Firma auch und gerade für sie wichtig ist. Eine erfolgreiche Familienfirma ermöglicht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser. "Ich weiß, dass ich hier gewisse Privilegien habe", sagt die Firmenchefin.

Privilegien hatten die beiden Kinder des Firmengründers zumindest in den Anfangsjahren nicht. Vielleicht hat sie dies bis heute geprägt, da Südpack eine Unternehmensgruppe mit fast tausend Mitarbeitern geworden ist. Johannes Remmele wollte nie etwas geschenkt haben. Neben dem Studium arbeitete er täglich in der Firma. "Ich wollte immer selbstständig sein und unabhängig mein Geld verdienen."

In solchen konservativ-modernen Kategorien denkt und lenkt Johannes Remmele sein Unternehmen Südpack, ohne dass er damit moralisieren würde, wie andere das tun. Einen seiner Leitgedanken - Hochmut kommt vor dem Fall - will er auch für seine Firma nie aus dem Blick verlieren. "Kein Unternehmen hat ein ewiges Leben", sagt er und formuliert, was sein Ziel als Firmenchef ist: Den Job so zu machen, dass sich die Kunden und Mitarbeiter bei Südpack immer gut aufgehoben fühlen. In diesem Sinne kann er sich mit dem Wort "Macher" vielleicht anfreunden.

Kleiner Mann, großer Unternehmer: Johannes Remmele ist nur 1,50 Meter groß, was besonders auffällt, wenn er sich neben seiner Schwester Carolin Grimbacher zum Foto vor der Firmenzentrale aufstellt.Foto: Helmut Schneider

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Erstellt:
1. September 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
1. September 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. September 2012, 12:00 Uhr

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