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Manege frei für die Bola-Bola-Brüder

Joe und Karel Saly lassen im Circus die Kugeln kreisen

Der 33-jährige Joe Saly und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Karel treten derzeit als Bola-Bola-Artisten im Circus Carl Busch in Stuttgart auf. Schon als Jugendliche haben die Brüder begonnen, mit den Bolas zu trainieren.

08.11.2011

Von JAN-PHILIPP SCHÜTZE

Stuttgart Die Konstruktion ist simpel: An einer langen Schnur, die einem dicken Schnürsenkel ähnelt, ist eine tischtennisballgroße Bola (spanisch für Kugel) aus Hartplastik befestigt. Durch Drehbewegungen aus dem Handgelenk werden die Bolas zum Kreisen mit hoher Geschwindigkeit gebracht - seitlich am Körper, hinter dem Rücken oder über dem Kopf - und dann im Stakkatotakt auf ein Holzpodest geknallt. "Für die Zuschauer sieht es auf den ersten Blick leicht aus, erfordert aber viel Übung und Präzision", sagt Joe Saly. Der 33-Jährige und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Karel treten derzeit als Bola-Bola-Artisten im Circus Carl Busch in Stuttgart auf.

Schon als Jugendliche haben die Brüder, die aus einer traditionellen italienischen Zirkusfamilie stammen, begonnen, mit den Bolas zu trainieren. "Unser Onkel war ein Bola-Bola-Künstler, seine Leidenschaft ist sozusagen auf uns übergegangen", erzählt Joe. "Wichtig sind die richtige Technik, Ausdauer und ein gutes Rhythmusgefühl", erklärt Karel. Schließlich soll das Kugelschleudern nicht nur spektakulär aussehen, sondern auch harmonisch klingen.

Mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde sausen die Kugeln durch die Luft, schätzt Karel - "gemessen haben wir das aber noch nicht". Harte Kugeln, hohe Geschwindigkeiten - da sind Verletzungen im Training quasi programmiert. Blaue Flecken am ganzen Körper, Prellungen und sogar Brüche sind keine Seltenheit. "Ich habe einmal mitten in der Show eine Kugel an die Schläfe bekommen und bin sofort ohnmächtig geworden", erinnert sich Karel. Noch heute zeugt eine kleine Delle am Kopf von der Wucht des Aufpralls.

Auch Joes Gesicht hat schon mehrmals schmerzhafte Bekanntschaft mit den Hartplastikkugeln gemacht. "Aber mit der Zeit härtet man ab und gewöhnt sich daran", sagt er. Alternativen gäbe es sowieso keine. Mit Attrappen zu üben, sei aufgrund der veränderten Kreiseleigenschaften nicht sinnvoll. Und Helm oder Schutzprotektoren zu verwenden, wie es andere Bola-Bola-Künstler machen, kommt für die Saly-Brüder nicht in Frage. "Das schränkt die Sicht und die Beweglichkeit zu sehr ein", findet Karel.

Dass der Umgang mit den Bolas riskant ist, verwundert kaum, angesichts der Tatsache, dass die Kugeln einst zur Jagd verwendet wurden. Ursprünglich befanden sich drei Kugeln an einem Seilstrang, der in die Beine der Tiere geworfen wurde, sich dort verfing und so die Beute zu Fall brachte. Mit der Zeit begannen dann argentinische Gauchos damit, die Bolas zu modifizieren, um sie zum Musizieren und für spektakuläre Show-Einlagen zu verwenden.

Wie furchteinflößend die Bolas sein können, erleben manche Zuschauer im Circus Carl Busch hautnah. Bei jeder Vorführung wird eine Frau aus dem Publikum in die Manege geholt. Wenige Zentimeter von ihrem Körper entfernt lässt Joe dann die Kugeln kreisen oder schwingt sie so knapp über ihrem Kopf, dass die Haare aufgewirbelt werden. "Das ist wirklich schwierig, da die Reaktionen sehr unterschiedlich sind", sagt Joe. Während die einen ruhig stehen bleiben, machen andere aus Angst einen Satz zur Seite oder nach hinten. Darauf müsse er dann blitzschnell reagieren. "In den ganzen Jahren ist aber noch nie etwas passiert", versichern die beiden.

Die Brüder Joe (links) und Karel Saly treten im Circus Carl Busch als Bola-Bola-Künstler mit ihren rasend schnellen Schleuderkugeln auf. Foto: Jan-Philipp Schütze

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Erstellt:
8. November 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. November 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. November 2011, 12:00 Uhr

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