Berlin · Beschäftigung

Jobabbau wegen Corona-Krise

Die Pandemie hinterlässt deutliche Spuren. Im Mai kamen 169 000 Arbeitslose hinzu. Der Zenit ist noch nicht erreicht. Zudem ist die Kurzarbeit so hoch wie nie.

04.06.2020

Von DPA

Etwa 21 000 Betriebe allein aus dem Bereich Autohandel und -reparatur haben im Südwesten Kurzarbeit angemeldet. Nach IT-Kräften stieg dagegen in der Krise die Nachfrage. Foto: Felix Kästle/dpa

Berlin. Die Corona-Krise nimmt dem deutschen Arbeitsmarkt weiter die Luft zum Atmen: Völlig untypisch für einen Mai ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum April noch einmal um 169 000 Menschen auf 2,813 Millionen gestiegen. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, geht davon aus, dass inzwischen 578 000 Menschen wegen der Folgen der Corona-Pandemie in die Arbeitslosigkeit gerutscht sind.

Die Allianz-Volkswirtin Katharina Utermöhl hatte vor der Präsentation der Nürnberger Zahlen angemerkt, dass die Errungenschaften auf dem Arbeitsmarkt der vergangenen fünf Jahre in nur zwei Monaten ausradiert worden seien. Immerhin hat sich die Zahl der Neueinstellungen im Mai etwas gefangen.

Die Arbeitslosigkeit ging im Mai weniger stark nach oben, als im April. Damals waren mehr als 300 000 Menschen wegen der Corona-Krise in die Arbeitslosigkeit gegangen. Für den Juni prognostizierte Scheele ein weiteres Abflachen des Anstiegs.

Die Bundesagentur geht aufgrund einer Schätzung davon aus, dass bis zum 30. April rund 6 Mio. Menschen in Kurzarbeit gewesen sind – in der Spitze könnten es sogar 7,5 Millionen werden. Das alleine wäre schon ein neuer Rekord. „Das ist natürlich weit, weit oberhalb von den Zahlen, die wir in der Finanzmarktkrise gesehen haben“, sagte Scheele. Der bisherige Höchststand war im Mai 2009 mit 1,44 Mio. Menschen erreicht worden.

„Aber es sind auch 6 Mio. Menschen, die nicht arbeitslos sind. Das ist auch ein Zeichen, dass dieses Instrument wirkt“, sagte Scheele. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil pries die Wirkung der Kurzarbeit. „Sie ist unsere starke Brücke über ein tiefes wirtschaftliches Tal“, sagte er. Die Arbeitslosigkeit wachse in der Krise in Deutschland viel weniger schnell als in anderen europäischen Ländern.

Die Coronakrise macht sich auch im Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) bemerkbar. Die Zahl der freien Stellen verringerte sich im April gegenüber dem Vorjahr um 51 Prozent auf 152 600. Bei IT-Kräften bleibt die Lücke dagegen mit 39 700 groß und liegt sogar um 4 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. In der Krise ist der Bedarf an Digitalisierung gewachsen.

Auch im Südwesten hat die Corona-Krise die Zahl der Arbeitslosen nach oben schnellen lassen. Vor allem im Gastgewerbe brachen im Mai erneut im großen Stil Stellen weg, aber auch in der Zeitarbeitsbranche sowie im Handel.

„Wir haben im Moment noch nicht den Zenit erreicht“, sagte am Mittwoch der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Christian Rauch. Er rechnet damit, dass die Marke von 300 000 Arbeitslosen schon bald überschritten wird.

Zum Stichtag Mitte Mai waren 270 286 Menschen ohne Job. Das waren 8 Prozent mehr als im Vormonat und sogar gut 41 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Quote stieg auf 4,3 Prozent – ganz untypisch für die Jahreszeit.

Mehr als 115 000 Betriebe in Baden-Württemberg haben seit dem Ausbruch der Coron-Krise Kurzarbeit für inzwischen gut 1,9 Mio. Beschäftigte angezeigt. Wie viele davon tatsächlich in Kurzarbeit sind oder waren, geht aus den Zahlen nicht hervor.

Rund 21 000 Betriebe allein aus dem Bereich Autohandel und -reparatur haben Kurzarbeit angezeigt, so viele wie in keiner anderen Branche. Geht man nach der Zahl der Beschäftigten, liegt das verarbeitende Gewerbe mit mehr als 700 000 Betroffenen an der Spitze. dpa/swp

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Erstellt:
4. Juni 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Juni 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2020, 06:00 Uhr

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