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Job-Sorgen stehen auf der Betriebsversammlung von VW im Vordergrund
VW-Betriebsversammlung gestern in einer Werkshalle des Unternehmens in Wolfsburg: Es spricht Wolfgang Porsche, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Porsche Automobil Holding SE, VW-Großaktionär und Mitglied des VW-Aufsichtsrates. Foto: Roland Niepaul/Volkswagen AG
Zwischen Mut und Angst

Job-Sorgen stehen auf der Betriebsversammlung von VW im Vordergrund

Bei VW wächst die Sorge um die Arbeitsplätze. Vor allem unter den Leiharbeitern geht die Angst um, dass auslaufende Verträge nicht verlängert werden. Eine Betriebsversammlung sollte nun Mut machen.

03.12.2015
  • DPA

Wolfsburg. Bei Volkswagen bangen Beschäftigte wegen der Abgas-Affäre zunehmend um ihre Arbeitsplätze. Betriebsrat und Eigentümer appellierten gestern bei einer Betriebsversammlung am Wolfsburger Stammsitz an die Belegschaft, nicht den Mut zu verlieren. "Niemand darf den Kopf in den Sand stecken", sagte VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche bei der nicht öffentlichen Veranstaltung laut Redetext.

"Niemand darf glauben, dass der Abgas-Skandal wie ein Gewitter vorbeizieht und danach wie aus heiterem Himmel wieder schönes Wetter kommt." Der Konzern könne die schwere Krise aber meistern: Mit konsequentem Handeln werde VW den Weg aus "dieser Lage finden".

Zu der zweiten Betriebsversammlung seit Ausbruch des Diesel-Debakels im September kamen nach Betriebsratsangaben bis zu 20 000 Mitarbeiter. Teilgenommen haben auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und der komplette Vorstand um VW-Chef Matthias Müller.

Überschattet wurde das Treffen von wachsenden Arbeitsplatzsorgen. "Seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals sind beinahe elf Wochen vergangen. Ich kann Euch nur sagen: Das waren für mich genauso wie für Euch auch elf harte Wochen", sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Bei vielen Mitarbeitern seien die Sorgen zuletzt nicht kleiner geworden. Doch es gebe auch Gründe für Zuversicht. So habe der Konzern für einen Großteil der in Europa zugelassenen Dieselwagen mit Betrugs-Software inzwischen technische Lösungen präsentiert.

Vor allem Leiharbeiter mit Zeitverträgen fürchten um ihre Zukunft bei VW. Auch die Ankündigung, dass die 120 000 festen Beschäftigten im VW-Haustarif auf die üblichen üppigen Bonuszahlungen verzichten müssen, belastet die Stimmung ebenso wie der Beschluss verlängerter Weihnachtsferien mit längeren Produktionspausen.

"Es ist natürlich schade, dass man den Bonus nun nicht bekommt", sagte ein VW-Mitarbeiter. Es sei zwar eine Frage der Zeit gewesen, bis die Ausschüttung - 10 Prozent des operativen Ergebnisses der Pkw-Kernmarke - auch wieder einmal geringer ausfalle. "Aber dass das aufgrund solcher Umstände passieren muss, ist schon extrem bedauerlich. Da gibt es schon eine gewisse Wut." Die Solidarität mit den Leiharbeitern sei groß: "Das ist menschlich nicht schön." Kürzungen bei geringeren Aufträgen seien aber ein normales Instrument.

Ein anderer VW-Mitarbeiter sagte: "Klar geht bei uns die Angst um. Aber es wird schon. Jeder hofft, dass das dicke Ende ausbleibt." Wie begründet die Sorgen sind, zeigen Pläne für das Nutzfahrzeugwerk in Hannover. Ende Januar sollen rund 300 Verträge auslaufen, berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung". Verträge von weiteren 500 Leiharbeitern sollen zunächst nur um drei Monate verlängert werden. Laut Osterloh sei dies aber der schlechten Nachfrage nach dem Pick-up Amarok geschuldet.

Für andere VW-Werke oder Konzerntöchter seien noch keine vergleichbaren Entscheidungen zu möglicherweise auslaufenden Verträgen getroffen worden, sagte ein Konzernsprecher. "Es gelten alle bisher gemachten Zusagen." Mit Blick auf die Leiharbeit am Hauptsitz betonte Osterloh: "Für den Standort Wolfsburg kann ich jedenfalls für das erste Quartal noch Entwarnung geben. Wir hoffen, dass uns die Kunden die Treue halten." Weltweit sind beim VW-Konzern rund 600 000 Menschen beschäftigt, davon 72 500 in Wolfsburg. Mehr als 830 000 Fahrzeuge laufen hier pro Jahr vom Band.

Auch Wolfgang Porsche betonte, sich für den Erhalt der Jobs einsetzen zu wollen. "Die Familien Porsche und Piëch stehen zur Beschäftigungssicherung bei Volkswagen durch ein stabiles und erfolgreiches Unternehmen", sagte er.

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03.12.2015, 08:30 Uhr
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