Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Baustellen des Weltmeisters

Joachim Löw will keine Hrubesch-Typen - Philipp Lahm schmerzlich vermisst

Ein Spielertyp wie Horst Hrubesch hat bei Joachim Löw keine Chance - trotz der mise-rablen Chancenverwertung seines Teams. Stattdessen macht sich der Bundestrainer auf die Suche nach einem Lahm-Klon.

13.10.2015
  • GEROLD KNEHR

Leipzig In den nächsten Wochen und Monaten wird Joachim Löw manche Reise nach Frankreich unternehmen. Am 13. November bestreitet die von ihm betreute Nationalmannschaft im Stade de France ein Testspiel gegen die Franzosen. Am 12. Dezember werden im Palais des Congrès de Paris die deutschen Gruppengegner für die Europameisterschaft ausgelost, die vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 stattfinden wird.

Dass diese Trips ins Nachbarland alle zu Vergnügungsreisen werden, ist zu bezweifeln. Die momentane Verfassung des Weltmeisters wirft einige Fragen auf. In der Offensive vergab die Nationalelf sowohl beim 0:1 in Irland wie auch beim mühseligen 2:1 gegen den Weltranglisten-110. Georgien Torchancen en masse. Und die Defensive erweist sich in entscheidenden Situationen oftmals als nicht sattelfest.

"Mit den letzten beiden Spielen bin ich nicht zufrieden. Das ist nicht unser Anspruch. Es ist einiges zu tun. Wir müssen uns überlegen, was wir besser machen müssen", stellt sich der Bundestrainer auf viel Arbeit ein.

Von weltmeisterlicher Form in Brasilien ist die Nationalelf weit entfernt. 15 Monate nach dem Titelgewinn hat die Mannschaft die Rücktritte von Miroslav Klose und Philipp Lahm noch nicht kompensiert.

Nach der Irland-Pleite am Donnerstag hatte Löw eine bessere Chancenverwertung angemahnt. Doch es schien, als wäre seine Forderung ("wir müssen mit jeder Chance so umgehen, als wäre es die einzige") kontraproduktiv gewesen. Die Mannschaft, allen voran Marco Reus, der drei sogenannte "Hundertprozentige" vergab, wirkten vor dem Tor so verkrampft wie ein kleines Kind, dem man ein randvoll gefülltes Wasserglas in die Hand gibt und es auffordert, nur ja keinen Tropfen zu verschütten. Und prompt passiert das Malheur.

Nach der schweren Verletzung von Mario Götze versuchte es Löw mit André Schürrle als spielendem Mittelstürmer. Doch an der "falschen Neun" lief das Spiel fast vollständig vorbei. Dennoch hält der Bundestrainer stur an seiner Philosophie fest. "Wir brauchen keinen neuen Horst Hrubesch", weist er die Forderung nach der Nominierung eines kopfballstarken Mittelstürmers wie des bei Besiktas Istanbul wieder erstarkten Mario Gomez, des Frankfurters Alexander Meier oder des Leipziger U-21-Nationalspielers Davie Selke von sich. "Die würden in unserem Spielsystem nicht glücklich", so Löw.

Ob diese Festlegung klug ist? Manchmal bedarf es eines Planes B, und auch ein Weltmeister sollte sich im Fall der Fälle für die Brechstange nicht zu vornehm sein. "Der ganze Ballbesitz nutzt nichts, wenn das Entscheidende nicht passiert", legte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach den Finger in die Wunde.

Einer immerhin machte sich keinen Kopf. Max Kruse erzielte nach seiner späten Einwechslung für Schürrle mit seinem ersten Ballkontakt den 2:1-Endstand.

Offener für personelle Alternativen ist Löw bei den beiden Außenverteidiger-Positionen, von denen er sich viel Druck nach vorne wünscht. Auf der linken Seite konnte Jonas Hector, anders als in den meisten Länderspielen zuvor, nicht überzeugen. Der Kölner war mit einer unglücklichen Abwehr der Wegbereiter zum zwischenzeitlichen Ausgleich.

Viel mehr Experimente gab es auf der rechten Abwehrseite, wo Löw seit Philipp Lahms Rücktritt mit Kevin Großkreutz, Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger, Sebastian Rudy, Emre Can und Matthias Ginter schon sechs Profis getestet hat. "Ich will diesen Spielern keinen Vorwurf machen. Aber sie sind eher defensiv geschult. Uns fehlt die Variante, außen durchzubrechen. Da müssen wir Lösungen finden." Doch Spieler à la Arjen Robben oder Douglas Costa stehen dem Bundestrainer nicht zur Verfügung. Und schon gar kein Philipp-Lahm-Klon.

Im zentralen Mittelfeld ist genug Potenzial da. Nur kommt es gegen defensiv ausgerichtete Kontrahenten wie Irland und Georgien nicht zum Tragen. Toni Kroos ist zwar ein sehr ballsicherer Akteur. Doch ein gewisses Phlegma hindert ihn daran, in schwierigen Situationen das Heft in die Hand zu nehmen.

So musste sich die Mannschaft am Sonntag bei Manuel Neuer bedanken, der das Team mit drei prächtigen Paraden vor einer trotz aller Überlegenheit durchaus möglichen Niederlage gerettet hat.

Joachim Löw will keine Hrubesch-Typen - Philipp Lahm schmerzlich vermisst
Unzufrieden mit der Bilanz in der EM-Qualifikation: Joachim Löw (links) und Marco Reus, der im Spiel gegen Georgien klare Chancen ausließ. Foto: Imago

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

13.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 
Video-News: Fußball
Diese Funktion wurde deaktiviert.

Um das neue Messenger-Widget zu nutzen, besuchen Sie bitte tagblatt.de/whatsapp.
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Fußball-Bezirksliga|Spiel des Tages Bogenlampe über den Torwart
Fußball-Landesliga Den Stecker gezogen
Fußball-Verbandsliga Fußbruch bei Magnus Haas
Schwitzkasten
Schwitzkasten

Ob die weltweit wohl meistgesehene Tipp-Runde für die Fußball-Landesliga oder die beliebte "Elf der Woche" - für solche Formate gibt es den "Schwitzkasten" der TAGBLATT-Sportredaktion.
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular