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Jetzt beginnt die Saison · Warum die Insekten den Menschen nerven
Kommen oft als ungebetene Gäste beim Frühstücken, Kaffeetrinken oder Grillen im Freien: Wespen. Foto: Foto:
Im Süden weniger Wespen

Jetzt beginnt die Saison · Warum die Insekten den Menschen nerven

Es summt und sirrt: Kuchen, Saft und Grillfleisch locken jetzt wieder die Wespen an. Viele sind es in diesem Sommer nicht. Trotzdem muss man mit ihnen leben.

05.08.2016
  • EPD

Es gibt ausgesprochene Wespenjahre. Dieses ist in weiten Teilen Deutschlands bisher keines – im Westen und im Süden, wo es im Frühjahr ausgiebig geregnet hat. „Die Wespen sind einfach abgesoffen“, sagt Melanie von Orlow vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Anders in Brandenburg, wo die promovierte Biologin als Imkerin Honig erntet: „Hier sind die Wespen gut davongekommen.“ Denn im Nordosten Deutschlands war es auch im Frühjahr trocken.

Die Witterung im Frühling ist darum so wichtig, weil das die Zeit ist, in der die Wespenkönigin die ersten Eier legt und die erste Brut füttert. Es wachsen Arbeiterinnen heran, die sich dann um das wachsende Wespenvolk kümmern. Im August und September sind die Völker am größten – und suchen ihre Nahrung gerne am Kaffeetisch oder auf dem Grillfest.

Ihnen geht es in Städten grundsätzlich besser als auf dem Land, sagt Melanie von Orlow: „Hier gibt es immer was zu futtern, und sei es nur in Abfalleimern“. Im Auftrag der Nabu-Fachgruppe für Hautflügler berät sie auch besorgte Bürger und siedelt Wespen und Hornissen um, die sich im Gartenschuppen oder in Rollladenkästen eingenistet haben.

Eigentlich geht es nur um zwei Arten, die den Menschen lästig werden: die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Sie bauen ihre Nester in dunklen Höhlen, etwa unterirdisch in Wühlmausgängen oder oberirdisch auf Dachböden. Die Wespenkönigin zerkaut morsches oder verwittertes Holz und verarbeitet die Papierfasern zu sieben Brutwaben, die sie mit einer schützenden Nesthülle umgibt.

In jeder Wabe legt sie ein Ei ab. Die Larven füttert sie mit zerkauten Insekten. Aufgrund der Pheromone, Duftstoffe, die von der Königin abgegeben werden, schlüpfen aus den verpuppten Larven nur sterile Weibchen: Arbeiterinnen, die nun das Nest weiterbauen und den weiteren Nachwuchs der Königin großziehen. So wächst ein Volk von 3000 bis 4000 Individuen heran, manchmal bis zu 10 000.

Im Spätsommer gibt die Königin weniger Pheromone ab. Nun können sich auch fruchtbare Weibchen entwickeln, junge Königinnen für das Folgejahr. Aus unbefruchteten Eiern schlüpfen Männchen: die Drohnen, die gleich nach der Paarung sterben. Im Spätherbst stirbt auch die Königin und mit ihr der gesamte Staat. Nur die jungen, künftigen Königinnen überwintern in Hohlräumen, in Holzritzen oder unter Rinde und Moos, wo sie in Winterstarre verfallen.

Wespen fressen Baumschädlinge oder Blattläuse. „Ein kleiner Wespenstaat vertilgt bis zu 3000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und andere Kleintiere pro Tag“, informiert der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Mit ihrem Giftstachel lähmen sie die Insektenbeute und schützen das Nest vor Angriffen anderer Insekten. Vor Hornissen etwa, die gerne Wespen verspeisen.

Ein vermeintlicher Angreifer ist auch der Mensch, wenn er hektisch mit den Armen fuchtelt oder eine Wespe wegpustet, die doch nur an der süßen Limonade nippen wollte. Der alte Rat, Ruhe zu bewahren, macht noch immer Sinn, heißt es beim BUND: „So unglaublich es klingt, die Wespen bemerken unsere Angst, Angstschweiß ist für sie ein Warnsignal“.

Wespen brauchen Kohlehydrate, also Nektar oder Ausscheidungen von Blattläusen, um sich selbst zu ernähren. Süße Getränke oder leckeres Obst locken sie natürlich besonders an. Ihren Nachwuchs hingegen ziehen sie mit Eiweißen auf: Fliegen und Spinnen – oder Steakfasern und Grillwursthäppchen.

Der Nabu rät zur klassischen Wespenabwehr: Nahrungsmittel und Getränke im Freien von vornherein abdecken. Parfüm meiden, weil der Duft die Insekten anlockt. Auch farbenfrohe Kleidung zieht Wespen an. Wer allergisch auf Insektengift reagiert, sollte Notfallmedikamente immer bei sich tragen und den raschen Umgang mit ihnen vorher geübt haben.

Der Wespenstachel bleibt nicht in der Haut stecken wie der Stachel der Biene, der das Gift autonom weiter in die Blutbahn pumpt. Wespen sterben auch nicht nach dem Stich, sondern können mehrmals zustechen – auch dann noch, wenn sie bereits verendet sind. Wenn sie in der Nähe des Nestes zustechen, schütten sie zugleich Alarmpheromone aus, um Artgenossen zu Hilfe zu rufen.

Wer ein Wespennest bei sich am Haus entdeckt, muss nicht in Panik geraten. Umweltverbände oder untere Naturschutzbehörden können Rat und Hilfe bieten. „Zwei Meter Abstand sollte man schon halten“, empfiehlt Melanie von Orlow, die solche Situationen nur zu gut kennt. Vor allem aber: „Wespen mögen keine Erschütterung. Wenn man nur vorbeigeht, stört sie das nicht.“ In ihre Flugbahn sollte man allerdings nicht treten. Insektengitter an den Fenstern schützen Innenräume vor dem Eindringen der Wespen.

Das hilft gegen Insektenstiche

Risiko Jeden Sommer sterben etwa 20 Menschen in Deutschland an einer allergischen Reaktion nach einem Bienen- oder Wespenstich. Deshalb sind spezielle Vorsichtsmaßnahmen im Sommer mindestens ebenso wichtig wie die gegen Sonnenbrand.

Symptome „Treten im Fall eines Insektenstichs auffällige körperliche Reaktionen wie Kurzatmigkeit, Hautausschlag oder Übelkeit auf, sollte umgehend der Notarzt gerufen werden“, sagt Professor Dr. Randolf Brehler, Allergologe am Universitätsklinikum in Münster. Er rät Insektengiftallergikern: „Haben Sie Ihre Notfallmedikation stets griffbereit und klären Sie Ihr Umfeld über die Allergie und notwendige Hilfsmaßnahmen auf.“ Noch besser sei es, durch eine Immuntherapie – auch „Hyposensibilisierung“ oder „Allergie-Impfung“ genannt – langfristig vorzubeugen und damit das Risiko eines allergischen Schocks auf ein Minimum zu reduzieren.

Vorbeugung Doch am allerbesten ist es natürlich, Insektenstiche von vornherein zu vermeiden, denn jeder Mensch, der einmal gestochen wurde, kann anschließend eine Allergie entwickeln. Die besten Tipps gehen den Stich: Wer etwa von einer Wespe umschwirrt wird, sollte nicht hektisch werden, das macht die Insekten aggressiv. Besser ist es, Ruhe zu bewahren und sich langsam zu bewegen. Helle, eher eng anliegende Kleidung ist ebenso vorteilhaft wie der Verzicht auf Parfüm oder stark duftenden Sonnenschutz – beides zieht die Insekten an.

Tipps Statt barfuß durch die Sommerwiese zu laufen, empfiehlt der Experte Schuhe mit einer fest anliegenden Sohle, denn wer aus Versehen auf eine Biene tritt, wird häufig auch gestochen, da sie sich verteidigt. Sicherer als aus der Flasche oder der Tasse zu trinken ist die Benutzung eines Strohhalms. Speisen sollten immer gut abgedeckt und vor dem Reinbeißen noch auf Insekten kontrolliert werden. Weil sich Wespen gerne in der Nähe von Mülleimern aufhalten, sollte man die im Freibad möglichst meiden.

Schutz Eine Insektengift-Impfung bietet Allergikern Schutz vor einem anaphylaktischen Schock. Die spezifische Immuntherapie (SIT) wird von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Weitere Informationen zu Insektengift-Allergien und Insektengiftimpfungen gibt es auf www.initiative-insektengift.de

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05.08.2016, 06:00 Uhr
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