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Jeder vierte Lehrling schmeißt seine Ausbildung hin
Viele Köche verderben nicht immer, aber manchmal den Brei. Aber viele Koch-Azubis brechen, wie andere Lehrlinge auch, ihre Ausbildung ab. Foto: dpa
Azubis: Höchste Abbrecherquote seit 25 Jahren

Jeder vierte Lehrling schmeißt seine Ausbildung hin

So hoch war die Abbrecherquote seit 25 Jahren nicht mehr. Gewerkschaften fordern Mindestvergütung. Arbeitgeber sehen andere Ursachen.

05.04.2018
  • MATHIAS PUDDIG

Berlin. Die Azubis werden immer wählerischer. Erstmals seit den frühen 90er-Jahren hat in Deutschland mehr als jeder vierte Lehrling seine Ausbildung abgebrochen. Oft, weil er einen anderen Ausbildungsberuf ergriff oder den Betrieb wechselte; oft aber auch, ohne direkt im Anschluss anderswo die Lehre fortzusetzen.

Insgesamt wurden im Jahr 2016 gut 146 000 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst. Das geht aus einem Entwurf des Berufsbildungsberichts hervor, aus dem die “Süddeutsche Zeitung“ am Mittwoch zitierte. Demnach ist der Anteil der abgebrochenen Ausbildungen erstmals über die seit den frühen 90ern übliche Quote von 20 bis 25 Prozent gestiegen. In den Jahren 2015 und 2014 betrug er noch 24,9 beziehungsweise 24,6 Prozent. Nun erreichte der Anteil der Abbrecher 25,5 Prozent.

Gleichzeitig ist die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge bis zum Stichtag 30. September 2017 mit mehr als 520 000 leicht gestiegen. Jedoch wuchs die Zahl der unbesetzten Stellen um fast 13 Prozent auf etwa 49 000, so viele wie seit 1995 nicht mehr. Knapp 24 000 Bewerber blieben ohne Ausbildungsplatz.

Die Zahlen der Abbrecher schwanken je nach Branche erheblich. So wirft im Sicherheitsbereich fast jeder zweite Lehrling hin, während es unter angehenden Fachangestellten in der Verwaltung nur 4,1 Prozent sind.

Der Grund dafür ist für Gewerkschaften, Linkspartei und Grüne klar: Es liegt an den zu geringen Vergütungen. „Dort wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch“, sagte Birke Bull-Bischoff. „Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen.“ Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, fordert daher: „Wir brauchen schleunigst eine für alle geltende Mindestausbildungsvergütung.“ Eine solcher „Mindestlohn für Lehrlinge“ ist zwar im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vorgesehen, allerdings soll das entsprechende Gesetz erst 2020 in Kraft treten.

Beate Walter-Rosenheimer, Grünen-Sprecherin für Jugendpolitik und Ausbildung, spricht von einem „Warnruf für Politik und Wirtschaft“. “Die Betriebe müssen ihre Ausbildungen deutlich attraktiver machen“, sagte sie. Aber auch für die neue Bildungsministerin seien die Befunde “ein Auftrag“. Anja Karliczek (CDU) müsse beweisen, “dass sie es ernster mit der beruflichen Bildung meint als ihre Vorgängerin“.

Karliczek hatte zuletzt mehrfach klar gemacht, dass sie den Fokus stärker auf Ausbildungen legen will: “Es gibt viele Wege, ins Berufsleben zu starten.“ Berufliche und akademische Bildungswege seien gleichwertig. “Dieses Bewusstsein zu verankern, ist eines meiner zentralen Ziele.“

Die Grünen machen Druck. So verlangt Beate Walter-Rosenheimer “eine wirksame Ausbildungsgarantie, klischeefreie Berufsberatung an allen Schulformen, den Ausbau von Jugendberufsagenturen, eine faire Mindestausbildungsvergütung und ein kräftiges Investitionsprogramm für die beruflichen Schulen“.

Der Zusammenhang zwischen Ausbildungsvergütung und Abbrecherquote wird von den Arbeitgebern hingegen bestritten. Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), sagte: „Die Ausbildungsvergütung ist selten der Grund für den Abbruch einer Ausbildung.“ Vielmehr gebe es „sehr unterschiedliche Ursachen“. Eine Untergrenze für die Ausbildungsvergütung lehnte er ab. „Wir wollen auf keinen Fall, dass die Tarifautonomie ausgehebelt wird.“

Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) lehnt die Mindestvergütung ab. „Vertragsauflösungen auf eine geringe Vergütung zurückzuführen, ist sicher nicht seriös“, sagte der stellvertretende DIHK-Geschäftsführer Achim Dercks. Angesichts der guten Konjunktur und des Bewerbermangels könnten es sich junge Leute „viel mehr als noch vor ein paar Jahren leisten, von einer Ausbildung in eine andere zu wechseln“.

Tatsächlich zeigen frühere Analysen, dass mehr als die Hälfte der Vertragsauflösungen mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs oder -berufs einhergeht. Darauf verweist auch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Er geht deshalb davon aus, dass die Zahl der endgültigen Abbrüche bei 12 Prozent liegt, also “deutlich niedriger als im Hochschulbereich mit 29 Prozent“.

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05.04.2018, 00:30 Uhr
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