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Jeder Dritte hat schon kopierte Waren gekauft
Der schwarze Zwerg mit goldener Nase heißt Plagiarius und wird jedes Jahr an Abkupferer verliehen. Foto: M.Kessler
Verbraucher greifen gern zu Plagiaten

Jeder Dritte hat schon kopierte Waren gekauft

Das Plagiat ist billiger als das Original. Deshalb sind abgekupferte Waren bei Verbrauchern auch recht beliebt. Doch der Schaden für die betroffenen Unternehmen ist riesig. Er geht in die Milliarden.

29.12.2015
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Produktfälschungen verursachen bei deutschen Unternehmen jedes Jahr Schäden von schätzungsweise 56 Mrd. EUR. Dies liegt einer Studie der Unternehmensberatung Ernst&Young zufolge aber auch daran, dass sich die Unternehmen viel zu wenig gegen Plagiate schützen und Verbraucher vor allem wegen des niedrigen Preises ganz bewusst die Fälschung statt des Originals kaufen. Betroffen sind der unserer Zeitung vorliegenden Studie zufolge praktisch alle Produktbereiche - Maschinen, Konsumgüter, Taschen, Uhren, Medikamente, Autoteile und teilweise sogar komplette Fahrzeuge.

"Die Marke Made in Germany genießt weltweit hohe Anerkennung. Umso mehr kann sie durch Plagiate Schaden nehmen", sagt Stefan Heißner, Partner bei Ernst&Young. Schätzungen der internationalen Handelskammer zufolge dürfte sich weltweit der Schaden durch Plagiate 2015 auf etwa 1,7 Billionen Dollar belaufen. Befragt wurden für die Studie in Deutschland im ersten Halbjahr 2015 rund 550 Unternehmen und 1000 Verbraucher.

In den vergangenen beiden Jahren war vor allem die deutsche Automobilindustrie von Fälschungen betroffen. Fast zwei Drittel der Firmen stießen auf Plagiate. In der Maschinenbau-Branche war es fast jedes zweite Unternehmen. Generell agieren die Fälscher auch dank des Internets immer schneller. Fast 60 Prozent der Unternehmen sehen bei neuen Produkten schon im ersten Jahr nach der Markteinführung erste Plagiate, jedes zehnte sogar schon im ersten Monat.

"Der Markt für Plagiate in China und Südostasien boomt und das Internet bietet kriminellen Netzwerken zusätzliche Gelegenheiten, gefälschte Produkte massenhaft und weltweit zu vertreiben", sagt Ernst&Young-Experte Christian Götz. Dabei trifft die Unternehmen nicht nur der wirtschaftliche Schaden durch entgangene Umsätze und Gewinne.

Mindestens ebenso gravierend ist laut Götz der Reputationsverlust, weil die gefälschten Unternehmen nicht den Qualitäts- und Sicherheitsstandard der Originale aufweisen. Die Fälscher umgehen die hohen Forschungs- und Entwicklungskosten der Originalhersteller, ihre Gewinnmargen sind dadurch deutlich höher.

Allerdings sind sich der Umfrage zufolge viele Firmen der Problematik gar nicht bewusst. 13 Prozent investieren keinen einzigen EUR in den Schutz ihres geistigen Eigentums, jedes vierte pro Jahr nur maximal 10 000 EUR. "In vielen Betrieben ist die gesamte Firmenkultur nicht auf den Schutz des geistigen Eigentums ausgelegt. Nur jedes zweite Unternehmen informiert und schult seine Mitarbeiter regelmäßig", klagt Götz. Bei vielen Unternehmen werde die IT-Abteilung nicht wirksam geschützt, dabei werde Datendiebstahl als Basis für das Kopieren von Produkten immer häufiger. "Die Risiken durch Cyberattacken und Hackerangriffe steigen."

Nach wie vor ist China nach Angaben der Unternehmen das Zentrum der Fälscher. Bei fast drei Viertel der betroffenen Firmen stammen die Plagiate aus dem Reich der Mitte, bei jeweils rund 40 Prozent aus Südostasien und Osteuropa. 13 Prozent der deutschen Originalhersteller sind aber auch von Fälschungen aus Deutschland betroffen.

Die Geschäfte der Fälscher laufen auch gut, weil die Verbraucher hierzulande bei Plagiaten gerne zugreifen, obwohl den allermeisten beim Kauf bewusst ist, dass es sich um eine Kopie handelt. Jeder Dritte hat bereits ein Plagiat gekauft, jeder siebte will das auch in Zukunft tun. Wichtiges Kriterium ist der niedrige Preis. 20 Prozent sagen, dass ein solcher Kauf kein Delikt sei.

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29.12.2015, 08:30 Uhr
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