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Jede Woche Gewalt durch Flüchtlinge?
Boris Palmer Symbolbild: Sommer
Kommentar · Boris Palmer

Jede Woche Gewalt durch Flüchtlinge?

16.08.2016
  • Ulrich Janssen

Wenn Tübingens Oberbürgermeister sich Gedanken über die Weltpolitik macht, können (und wollen) wir vom TAGBLATT nicht immer gleich reagieren. Das überlassen wir gern den überregionalen Medien. Anders ist es, wenn wir in seinen Überlegungen direkt auftauchen.

In der „Welt“ hat Boris Palmer jetzt behauptet, in seiner „linken Lokalzeitung“ (damit meint er zweifellos das TAGBLATT) lese er „fast jede Woche“ von Übergriffen durch Flüchtlinge – mit Nennung der Herkunft der Täter. Palmer führt also uns „linke“ Zeitungsleute vor, um zu begründen, wie berechtigt seine Abschiebungs-Forderung ist. Anders als Palmers legendäre Behauptung über die blonden Professorentöchter (deren Namen er nicht preisgeben wollte), kann man das immerhin überprüfen. Checken wir also die Fakten. Wie sieht es aus mit der Gewalt durch Flüchtlinge in der „linken Lokalzeitung“?

Unser Archiv hat mal den Juni 2016 mit dem Juni 2010 verglichen. Ergebnis: 2016 meldeten wir in Tübingen acht Fälle von Straßenkriminalität, zwei mit Beteiligung eines irgendwie „Dunkelhäutigen“ und einmal einen lauten Streit zwischen syrischen Familien um die Küchennutzung in einer Asylunterkunft. Im Vergleich dazu gab es im Juni 2010 zwölf Polizei-Meldungen. Ohne irgendeine Herkunftsangabe.

Drei Meldungen in einem Monat. Zwei „Dunkelhäutige“ (ohne Herkunftsangabe), ein syrischer Familienstreit. Ist es das, das Palmer meinte?

Wohl kaum. Trotzdem kann es schon sein, dass wir gerade häufiger über Vergehen von Flüchtlingen berichten und auch die Personenbeschreibung der Polizei übernehmen. Es gibt einfach mehr Flüchtlinge, und wir sind nach Köln sicher auch etwas sensibler geworden. Dennoch sind die Zahlen niedrig, und wir erwähnen die Herkunft weiterhin nur, wenn es dem Verständnis (oder der Fahndung) dient.

In der „Welt“ rechnete Mathematiker Palmer auch noch vor, dass die Gefahr, Opfer eines gewalttätigen Flüchtlings zu werden, jetzt zwanzig mal so groß sei wie vorher, da es ja 20 mal so viele Flüchtlinge gibt. Hält das wenigstens dem Faktencheck stand?

Laut Polizeistatistik stieg im Kreis Tübingen die Zahl tatverdächtiger Asylbewerber im Jahr 2015 tatsächlich von 161 auf 313. Da hat sich also was getan. Allerdings stieg die Zahl nicht um den Faktor 20, sondern um den Faktor 2. Zudem ging es laut Polizei meist um Prügeleien in Asylbewerberheimen. Opfer von Flüchtlingsgewalt wurden also vor allem Flüchtlinge. Insgesamt lag die als besonders bedrohlich empfundene Straßenkriminalität unter dem Wert von 2012.

Wir wollen nichts beschönigen. Integration ist kein Sonntagsspaziergang, und es kann gut sein, dass sich die Lage mal ändert. Aber im Moment passt die Wirklichkeit einfach nicht zu Palmers Mathematik.

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16.08.2016, 01:00 Uhr
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