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Krimi

Jede Menge Klischees in der Akte

„Kühn hat Ärger“ heißt der neue Roman von Bestsellerautor Jan Weiler. Der Leser hat auch nicht nur Spaß.

13.04.2018
  • JÜRGEN KANOLD

Ulm. War er nun Opfer oder Täter? Wenn der Münchner Hauptkommissar Martin Kühn, 44, verheiratet, zwei Kinder, morgens in den Badezimmerspiegel schaut, ist er sich da nicht so sicher. Ein Zusammenbruch liegt hinter ihm, ein Burnout, ein Aufenthalt in der Rehaklinik. „Wer bist du? Wie geht es dir? Stimmt alles?“ Nichts stimmt.

Jan Weiler hat mit „Maria, ihm schmeckt's nicht“ vor vielen Jahren einen auch fürs Kino verfilmten Bestseller geschrieben, er ist ein geistreicher „Mein-Leben-als-Mensch“-Kolumnist“ und trifft mit seinen „Pubertier“-Geschichten humorvoll selbstironisch die Elternseele. Auch das Krimi-Genre bedient Weiler, wobei er von Gesellschaftsromanen mit Leichen spricht. 320 Seiten hatte der erste Fall, „Kühn hat zu tun“. Ein gelungenes Debüt, tatsächlich gesellschaftskritisch, gut beobachtet, spannend. Dann tat Weiler viel – zu viel: „Kühn hat Ärger“, das jetzt erschienene zweite Buch, streckt sich leider auf 400 Seiten aus. Und zwar deshalb, weil der Autor meinte, die ganze Ausgangsbefindlichkeit und das Psychogramm seines, ja, alterspubertierenden Helden noch einmal in aller Ausführlichkeit schildern zu müssen. Neue Aspekte und Entwicklungen gibt's nur in Zeitlupe. Aber eine Affäre: Seitenlang stöhnt die Dame „schön“.

Kühn ist nach seinem Burnout also wieder zurück im Dienst, aber verändert hat sich nichts. Die Münchner Vorort-Hülle, Spießer-Häuschen auf verseuchtem Baugrund, Neonazis, Bürgerwehr. Versagerängste und Lebenskrisen: in Ehe, Familie, Beruf. Der Mensch tut einem Leid.

Eine Leiche gibt es auch: einen 17-jährigen Libanesen namens Amir Bilal aus Neuperlach mit langem Kleinkriminellen-Strafregister, den eine superreiche Anwaltsgattin aus Grünwald mit ihrem Sozialverein „Münchner Sternenhimmel“ aus dem Elend ziehen will – und dann werden Amir und die Gutmenschen-Tochter Julia auch noch ein Liebespaar. Puh! Und ist keine Satire!

Kühn also ermittelt mit seinem Kollegen Steierer, der Klassenkampf-Sprüche beisteuert, bei den Wohlhabenden, Zufriedenen, Großzügigen. Kühn findet diese Leute faszinierend, sympathisch. Wobei er das dann natürlich später anders sieht. Und der Krimi endlich Fahrt aufgenommen hat. Aber der Leser muss sich in diesem Fall durch eine gewaltig dicke Klischee-Akte kämpfen. Jürgen Kanold

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13.04.2018, 06:00 Uhr
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