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Jagd durch die Hits
Das Bühnenbild im Münchner Olympiastadion kennt vor allem ein Motiv: Rihanna, inzwischen mit Ponyfrisur. Foto: Dorothy Hui
Rihanna liefert in München eine allzu exakt bemessene Show

Jagd durch die Hits

Handtaschen-Check am Einlass: Wer zu Rihannas Konzert im Münchner Olympiastadion wollte, musste anstehen. Und bekam knappe 90 Minuten Show.

09.08.2016
  • LENA GRUNDHUBER

München. Da schlägt also doch ein Herz unterm Bustier. „My heart was broken“, ruft Rihanna. Sie meint nicht irgendeine schiefgelaufene Liebesgeschichte, sondern eine menschliche Katastrophe. Nur ein paar Wochen vor ihrem Auftritt, nur ein paar Meter von ihrem Auftrittsort entfernt war ein Mensch Amok gelaufen. Im Gedenken an diese „hard, tragic experience“ spiegeln sich am Sonntagabend zigtausend Lichter im Zeltdach des Münchner Olympiastadions.

Für diesen Moment genehmigt Rihanna sogar ausdrücklich den Gebrauch der sonst so verhassten „cell phones“. Damit die Leute Liebe in die Welt hinaussenden können, wie sie sagt – und wohl auch, weil die funkelnden Elektronikwunder die beste Gratis-Kulisse für einen Song namens „Diamonds“ produzieren. Ein paar Leute lässt man „Pray for Peace“-Schilder in die Kamera halten, soviel Inszenierung muss, oder muss nicht sein, eines aber ist wohl wahr: Rihanna nimmt die Lage ernst.

Ihr Hotelzimmer in München hatte sie angeblich deshalb gecancelt, nicht einmal Fotografen sind zum Konzert zugelassen, und bevor sie die Bühne betritt, müssen 41 500 Menschen – davon gefühlte 80 Prozent Frauen – durch den Handtaschen-Check (große Taschen sind verboten); sogar ein Selfie-Stick soll konfisziert worden sein, wie man munkelt. Einmal drin, bleibt noch Zeit für Selfies mit FC-Bayern-Spieler Mats Hummels auf der Ehrentribüne, denn Anpfiff ist erst gegen 21.30 Uhr. Bis um 23 Uhr die Lichter im Stadion ausgehen, sind noch ziemlich genau 90 Minuten Zeit.

Überraschenderweise entspricht das exakt der Länge der Show, zu der die 28-Jährige antritt wie eine Gladiatorin. Aus den Boxen dröhnt Amy Winehouses „Rehab“, während am Arena-Rand unter anderen jene Limousine vorfährt, der Rihanna ent- steigt und sich durch die Menge zur Bühne wühlt, das Gesicht in der Kapuzenjacke vergraben. Den ersten Song erzählt sie allein mit Stimme und feuerroten Krallen – ganz im Sinne der „Anti“-Tour steigt Rihanna ungewöhnlich ruhig und schön, mit dem balladesken „Stay“ ein.

Um alsbald zu einer Jagd durch die eigenen Hits anzusetzen. Keine Minute lässt sie „Love The Way You Lie“, Superhit „Umbrella“ bricht irgendwie unvermittelt ab, „Bitch Better Have My Money“ wird zwar ausgesungen, gerät aber zur akustischen Folter, weil die Bässe im Stadion hart an der Gesundheitsgefährdung entlangscheppern. Ist der Sitzplatz schuld oder der Tontechniker? Wer für „Sex With Me“ erstmal die Ohrenstöpsel aus der Hosentasche pulen muss, dem vergeht die Stimmung gleichwie.

Rihanna ihrerseits ficht das nicht an. Sie turnt in einem Glaskasten rum, der als Bild ebenso intransparent bleibt wie der Symbolgehalt der weißen Wülste im Mittelteil oder der tropfenden Schaumwand im Finale. Ein Anti-Bühnenbild, das auf zwei Screens vor allem ein Motiv kennt: Rihanna. Rihanna mit Stiefeln bis scharf unter die Scham, Rihanna mit Königinnenschleppe, Rihanna mit geschnürtem Jumpsuit, Rihannas rotgetönter Pony, Rihannas Busen, Rihannas Po – für die Generation Instagram auch mal pop-bunt oder schwarz-weiß gefiltert. Der Mega-Star als Mega-Folie, deutlicher kann man‘s nicht zeigen.

In einer Hinsicht ist Rihanna ganz authentisch: Sie kann nicht tanzen. Choreografien, die den Namen verdienen, überlässt die Frau im oberlässigen Sakko in der Regel ihren akrobatischen Tänzern. Und schafft es im Hüftumdrehen, daraus fast so etwas wie ein Statement werden zu lassen: Eine Rihanna muss niemanden anmachen, die fasst sich selber in den Schritt. Wenn sie ihrem Publikum zu „Work“ den Hintern entgegenstreckt, dann ist das nicht lasziv, sondern ordinär. Und saucool ist es irgendwie schon auch.

Musikalisch allerdings muss man einiges an Dancefloor-Mucke über sich ergehen lassen, bis bei „Desperado“ der Ansatz zu so etwas wie echtem Musikmachen erkennbar wird – sogar mit Solo vom Gitarristen! Sie muss ja nur wollen. Für den wirklich tollen Song „Four/Five Seconds“ lässt Rihanna sich dann mal ernsthaft auf die eigene Stimme ein. Noch zwei soulig ausgesungene Nummern schenkt sie München, bevor sie – „ I had the best time of my life!!!“ – vor sich selber in die Knie geht. Punktlandung.

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09.08.2016, 06:00 Uhr
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