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Verkehr · Stuttgart

Jährlich 124 Stunden im Stau

Stuttgart hat den Spitzenplatz als Stauhauptstadt zwar an Hamburg abgegeben. Dennoch mussten Autofahrer auch 2019 wieder viel Extra-Zeit einplanen.

03.02.2020

Von BARBARA WOLLNY

Wagen reiht sich an Wagen, nichts geht mehr in Stuttgart ein gewohntes Bild. Foto: Marijan Murat/dpa

Stuttgart. Durchschnittlich 30 Prozent länger dauerten Autofahrten 2019 in Stuttgart, weil die Straßen voll waren. Die gute Nachricht, wenn man so will, ist: Im Vergleich zu 2018 hat sich dieser Wert nicht verschlechtert. Die schlechte Nachricht aber bleibt: Die Fahrzeit für eine Strecke, für die Pendler ohne Störungen 60 Minuten benötigt hätten, verlängerte sich damit auf 78 Minuten.

Im Berufsverkehr war zusätzlich Geduld gefragt. In den Morgenstunden mussten für Fahrten im Schnitt 48 Prozent, nach Feierabend 58 Prozent mehr Zeit eingeplant werden. Eine 30-Minuten-Fahrt dauerte damit morgens 14, abends 17 Minuten länger. Insgesamt standen Autofahrer in Stuttgart im vergangenen Jahr 124 Stunden im Stau. Am längsten brauchten Pendler donnerstags zwischen 17 und 18 Uhr, am flottesten kamen sie freitagmorgens an ihr Ziel.

Das sind Ergebnisse aus dem Verkehrsindex 2019 des Navigationsgeräteherstellers TomTom, der jetzt veröffentlicht wurde. Das niederländische Unternehmen hat dafür Daten von Smartphones und Navigationssystemen ausgewertet und weltweit 416 Städte untersucht, davon 26 in Deutschland.

Deutschlands Stauhauptstadt war wie im Vorjahr Hamburg, gefolgt von Berlin, Wiesbaden, München, Nürnberg und Stuttgart. Dabei liegt die Spitzengruppe nah beieinander. In Hamburg betrug die durchschnittliche Verlängerung der Fahrtzeiten durch Staus 34 Prozent, in Berlin und Wiesbaden je 32 Prozent. München, Nürnberg und Stuttgart lagen bei je 30 Prozent.

Eine der Ursachen für den Stillstand auf den Straßen ist der anhaltende Zuzug in die Ballungszentren. Alle zehn Spitzen-Staustädte haben bei den Einwohnerzahlen zugelegt, so auch Stuttgart, wobei der Pkw-Bestand das Einwohnerwachstum sogar noch überholte. Allein in der Stadt Stuttgart waren Ende vergangenen Jahres 351 200 Fahrzeuge angemeldet, 2000 mehr als im Vorjahr, rechnet Uwe Dreixler vom Statistischen Amt der Stadt Stuttgart vor. Auf 1000 Einwohner kamen damit 571 Pkws. Seit 2008 ist der Fahrzeug-Bestand jährlich um etwa 3000 Fahrzeuge gewachsen, insgesamt um 32 963 Pkws.

Die drei Stuttgarter Straßen, auf denen Pendlern die meiste Geduld abverlangt wurde, waren die Neckartalstraße, die Hackstraße im Osten sowie der Bereich der B10/27 auf Höhe Feuerbach. Da die Staus überwiegend in den Morgen- und Nachmittagsstunden auftreten, sind sie hauptsächlich durch den Berufsverkehr verursacht. „Viele Pendler wählen trotz alternativer Verkehrsangebote weiterhin das Auto, um zur Arbeit zu gelangen“, fassen die TomTom-Verkehrsforscher zusammen. Dass die Verkehrswende notwendig sei, dafür gebe es in der Gesellschaft zwar ein Bewusstsein, „jedoch fehlt nach wie vor die notwendige Konsequenz, diese auch umzusetzen“.

„Die Ergebnisse der Studie überraschen uns nicht“, sagt Dirk Herrmann, Leiter der Stuttgarter Straßenverkehrsbehörde. „Mit dem Verkehr ist es wie bei einem Trichter: Wenn oben zu viel hineinfließt, staut sich es sich beim Ausfluss. Wir versuchen die Autofahrer über Displays in Echtzeit informiert zu halten, wo es eng wird.“

Mit dem Aktionsprogramm „Nachhaltig mobil in Stuttgart“ drehe die Stadt zudem seit 2013 an vielen Stellschrauben, um den Verkehr für alle Verkehrsteilnehmer zu verflüssigen, so Herrmann, und das Ziel zu erreichen, die Anzahl der Autos in der Stadt um 20 Prozent zu reduzieren. „Wir wollen weniger Autos in der Stadt, aber sie gehören weiter zur Mobilität, müssen jedoch nicht überall fahren. Deshalb brauchen wir die Multimobilität. Also unterschiedliche Verkehrsmittel für unterschiedliche Bedürfnisse.“

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Erstellt:
3. Februar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Februar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Februar 2020, 06:00 Uhr

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