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Jacqueline Straub kämpft für ihren Wunsch, Priesterin werden zu können
Jacqueline Straub aus Meßkirch verfolgt weiter ihren Traum: Die 25-Jährige will Priesterin werden. Foto: Jacqueline Straub aus Meßkirch verfolgt weiter ihren Traum: Die 25-Jährige will Priesterin werden. dpa
Ein theologischer Traum

Jacqueline Straub kämpft für ihren Wunsch, Priesterin werden zu können

Die junge Theologin Jacqueline Straub will katholische Priesterin werden – für Frauen unmöglich. Dennoch hält die 25-Jährige an ihrem Wunsch fest.

22.08.2016
  • LENA MÜSSIGMANN, DPA

Meßkirch. Als Ministrantin in der katholischen Kirche hat sich Jacqueline Straub immer für den Altardienst einteilen lassen. Sie wollte nah dran sein, wenn der Priester die Vorbereitungen für das Abendmahl trifft. „Es wäre schön, das zu machen, was der Pfarrer da macht, dachte ich mir“, erzählt Straub. Aus der kindlichen Freude wurde bei der heute 25 Jahre alten Frau ein theologisch fundierter Wunsch: Sie will katholische Priesterin werden.

Diakon, Priester oder Bischof dürfen in der katholischen Kirche aber nur Männer sein – anders als etwa in der evangelischen, wo es auch Pfarrerinnen oder Bischöfinnen gibt. Straub will das ändern. Sie war bei Talkshows, hat ein Buch geschrieben und ist im Netz mit ihrer Forderung präsent, das Priesteramt für Frauen zu öffnen. „Mir geht es dabei nicht um das Amt, sondern um den Dienst“, sagt sie. „Ich will als Frau Jesus repräsentieren in der Eucharistiefeier.“

Jacqueline Straub sitzt in ihrer Heimatstadt Meßkirch (Kreis Sigmaringen) vor der Barockkirche St. Martin, wo sie als Gymnasiastin die Schulgottesdienste besucht hat. Sie ist schlank, trägt Leggins, Jacket und eine rote Bluse. Früher ist sie mit ihrer Familie nur an Weihnachten in die Kirche gegangen, erzählt sie. Als 15-Jährige hat sie dann eine gläubige Freundin. „Sie hat so offen und schön von Jesus erzählt.“

Bei einer christlichen Freizeit, die sie mit ihrer Freundin besucht, spürt Jacqueline Straub zum ersten Mal das, was sie heute Berufung nennt. „Ich glaube, ich habe dieses Feuer, über Jesus und Gott so zu reden, dass ich andere begeistern kann“, sagt sie. Dass sie diese Berufung empfindet, ist für sie das stärkste Argument für ihr Streben an die Spitze einer Kirchengemeinde.

Ihr Mentor, der österreichische Pfarrer Walter Reichel, ist von ihrem Durchhaltevermögen fasziniert. „Zehn Jahre überlegt sie nun schon. Wenn man so lange durchhält, steckt was dahinter.“ Er glaube durchaus, dass sie berufen sei. „Man darf dem lieben Gott schon auch zutrauen, dass er in Berufungsgeschichten unkonventionelle Wege geht.“

Papst Franziskus hat erst kürzlich eine Kommission eingerichtet, die das Diakonat der Frau untersuchen soll – sie soll prüfen, welche Aufgaben Diakoninnen vor allem in der Urkirche hatten. Das Diakonat ist die erste Weihestufe, es folgen Priester und Bischof. Als Öffnung des Amtes für Frauen will Franziskus das aber nicht verstanden wissen – nur als Untersuchung der Rolle der Frau in der frühen Kirche.

„Kirche ist an der Basis mehr als weiblich“, sagt Straub und erzählt von Frauen, die in den Gotteshäusern jahrzehntelang staubsaugen und frische Blumen aufstellen. „Aber wer was zu sagen hat, ist männlich.“ Diese Struktur müsse man aufbrechen, für die Zukunft der Kirche brauche es Frauen, auch im Priesteramt. Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz will Straubs Aktivitäten auf Anfrage nicht kommentieren. Die Erzdiözese Freiburg, zu der Straubs Heimatregion gehört, verweist darauf, dass sie mehr als 100 Theologinnen mit hoher Kompetenz beispielsweise als Pastoralreferentinnen und in Leitungspositionen beschäftige.

Jacqueline Straub kostet das Werben um die Öffnung Kraft und Zeit. In ihrem Theologiestudium, das sie nach dem Abitur in Freiburg begann, habe sie aus ihrem Berufswunsch keinen Hehl gemacht – und gespürt, dass ihr die Unterstützung für ihre Themen verweigert wurde. Sie wechselte nach Luzern in der Schweiz, wo sie das Klima für liberaler hielt und einen Professor fand, der zum Thema „Gleichstellung der Geschlechter und Kirche“ forscht.

Ihr Engagement für die Öffnung des Priesteramtes betreibt sie in der Freizeit. Sie gibt Interviews, schreibt lange Mails mit fremden Menschen, die ihr Sorgen anvertrauen. Auch Frauen mit ähnlichen Wünschen meldeten sich. „Viele werden überhört und gehen nicht den Weg wie ich.“ Das verstehe sie, schließlich arbeiteten viele in kirchlichen Organisationen und hätten Angst um ihre Position. „Würde ich eigennützig denken, hätte ich schon längst aufgegeben“, sagt sie.

Mit dem Studium ist sie seit Juni fertig. Was nun? Straub ist in der Schweiz geblieben, wollte nicht bei einem Bistum arbeiten, das ihr den Mund verbieten könnte, wie sie sagt. Sie arbeitet als Religionslehrerin. Ihre Chefin ist eine Gemeindeleiterin, mit der sie schon ein Begräbnis habe leiten dürfen. In der Schweiz hätten Frauen in der katholischen Kirche mehr Möglichkeiten als in Deutschland.

Straub ist trotz allem optimistisch. 20 Jahre, schätzt sie, wird es dauern, bis sie als Priesterin die Sakramente spenden und beispielsweise Taufe, Abendmahl oder Eheschließung feiern darf. Der Zölibat falle schon vorher, ist sie überzeugt, so dass sie dann als Frau mit Familie ihrer Kirche dienen könne.

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22.08.2016, 06:00 Uhr
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