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Italiens Regierung will Spielsucht eindämmen
Verspricht das schnelle Glück: Spielautomat. Foto: dpa

Italiens Regierung will Spielsucht eindämmen

Rubbellose, Lotto, Spielautomaten: In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten setzen die Italiener auf Glücksspiel-Gewinne. Jetzt greift die Politik ein.

15.08.2016
  • BETTINA GABBE

Eine Viertelmillion Italiener gelten als spielsüchtig und eine weitere Million als gefährdet. Jetzt verspricht die italienische Regierung, die überdurchschnittlich hohe Zahl an Slot-Machines drastisch zu senken. Um 30 Prozent sollte die Zahl der Spielautomaten binnen vier Jahren sinken, beschloss die Regierung Renzi. Demnach hätten im Jahr 2019 nur noch 265 000 Maschinen in Kiosken, Bars und Spielhallen stehen dürfen, ausgehend vom Bestand im Juli 2015.

„Mit unserer Regierung werden die Automatenplätze auf 15 000 reduziert“, verkündete Ministerpräsident Matteo Renzi stolz. Vor seiner Zeit als Regierungschef hatte er bereits ein Gesetz zur Eindämmung der Spielhöllenplage ins Parlament eingebracht. Mit der neuen Regelung hätte es im Jahr 2019 einen Spielautomaten pro 225 Italiener gegeben, in Deutschland reicht eine Maschine für 261 Bürger.

In den schier unergründlichen Details des grundsätzlich für Veränderungen aller Art missbrauchten italienischen Haushaltsgesetzes fand sich jedoch überraschend eine sprunghaft angestiegene Höchstzahl von Slot-Machines. Entgegen ursprünglicher Beteuerungen wurden plötzlich auch die offiziell noch nicht in Betrieb genommenen Maschinen zum Grundbestand hinzugezählt. Einer der landesweit dreizehn Betreiber hatte sogar mehr Apparate in den Magazinen stehen als die in Funktion genommenen. So wurde die Senkung der Zahl der derzeit rund 400 000 Spielautomaten zunichte.

Für viele von Armut bedrohte Menschen ist das Glücksspiel gerade in Zeiten der Krise eine Quelle des Trosts. So stiegen zwischen 2000 und 2014 die Umsätze des Glücksspiels in Italien um 350 Prozent, gleichzeitig schrumpfte die italienische Wirtschaft um mehr als sieben Prozent.

Auch Enrico gibt täglich fünf Euro für Rubbellose aus. Der Steuerberater aus einer Kleinstadt in der Nähe von Rom hatte sich über Jahre in seinem Büro hinter den Computern seiner Monitore versteckt, um sich im Internet von den Sorgen seines kriselnden Büros abzulenken. Mittlerweile hat die Tochter das Geschäft übernommen.

In der Bar nimmt er nun nicht nur seinen morgendlichen Espresso sondern gleich auch ein paar Lose. Man weiß ja nie, ob man nicht doch noch das große Los zieht und alle Finanzsorgen löst, die Enricos Familie schon um das Haus mit Garten gebracht hat.

„Die Wahrheit ist ganz einfach: Wir reduzieren die Spielhallen und bekämpfen so das Glücksspiel“, sagt Matteo Renzi zur jüngsten Entwicklung. „Wer das Gegenteil behauptet, lügt.“ Vor diesen Ankündigungen drohte jedoch eine Erhöhung der Anzahl der Spielautomaten um 30 Prozent verabschiedet zu werden – angeblich als Beitrag zur Haushaltssanierung durch die fälligen Steuern. Erst auf heftigen Widerstand der Oppositionspartei Fünf-Sterne-Bewegung hin bewegte sich die Regierung nun in die andere Richtung. An Ende der daraufhin geplanten Reform sollen nun nicht mehr wie ursprünglich geplant 265 000 Maschinen, sondern „nur“ 300 000 Spielautomaten im ganzen Land stehen.

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15.08.2016, 06:00 Uhr
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