Frauenquote nicht erforderlich

Islamzentrum beginnt mit deutlich mehr Studentinnen als Studenten

Das neue Islamzentrum an der Uni kann im Wintersemester seinen Lehrbetrieb aufnehmen. 42 Studierende erhielten jetzt die Zusage für einen Studienplatz. Eine Parallele zu Studierenden christlicher Theologien ist unübersehbar: der Frauenanteil.

12.08.2011

Von Hans-Joachim Lang

Tübingen. In der spätklassizistischen Villa Köstlin in der Rümelinstraße wird noch gehämmert und gebohrt, gemauert und verputzt. Im Erdgeschoss brachen Handwerker sogar eine Zwischenwand heraus, um zwei Zimmer zu einem großen Seminarraum umrüsten zu können. Platz soll auf dieser Etage noch für einen Gruppenarbeitsraum und eine kleine Bibliothek entstehen. Rechtzeitig im Oktober werden hier und auch im Obergeschoss die Umbauarbeiten abgeschlossen sein, damit das Tübinger Islamzentrum als das erste seiner Art in Deutschland mit der Arbeit beginnen kann. Die Unterkunft in der Villa ist ein Interim, ein Neubau ist vorgesehen.

Wie mehrfach berichtet, werden an der neuen Einrichtung Religionslehrer für den Schuldienst, islamische Geistliche (Imame) und auch künftige Hochschullehrer ausgebildet. Sechs Professuren sind für eine spätere Ausbauphase vorgesehen, wenn 320 Studierende eingeschrieben sind. Die ersten vier Professuren wurden im Frühjahr ausgeschrieben. Dafür gingen 46 Bewerbungen ein, über die eine Berufungskommission befindet. Das Verfahren, in das auch ein siebenköpfiger Beirat eingebunden ist, dauert noch an. Aus der Universität ist zu hören, dass im Wintersemester der Lehrbetrieb mit einem Lehrstuhlinhaber und zwei Juniorprofessoren aufgenommen wird. Ihnen steht für den Unterricht im Gebäude der alten Hals-Nasen-Ohrenklinik ein Hörsaal zur Verfügung.

Die 40 Studienplätze sind im Grunde genommen vergeben. Allen 42 Studienbewerbern, die Tübingen als Erstpräferenz nannten, erhielten von der Universität eine Zusage. 28 Bewerber, die Tübingen als Zweitpräferenz angaben, stehen als potenzielle Nachrücker für die Fälle bereit, dass junge Männer oder Frauen trotz Zusage doch nicht nach Tübingen kommen wollen.

Für den Fall, dass alle Bewerber, die eine Zusage bekamen, im Wintersemester anrücken werden, können sie mit einer erstaunlichen Parallele zu ihren Kommilitonen der evangelischen und der katholischen Theologie aufwarten. Bei den evangelischen Theologie-Studenten beträgt nämlich der Anteil der Frauen 59 Prozent, bei den katholischen Theologie-Studenten 60 Prozent. Und die islamischen Theologie-Studenten ordnen sich exakt dazwischen ein, denn ihr Frauenanteil liegt genau dazwischen: bei 59,5 Prozent.

Baustelle Islamzentrum: die Villa Köstlin in der Rümelinstraße. Bild: Metz

Zum Artikel

Erstellt:
12. August 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. August 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. August 2011, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+