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Tod im Asylheim

Iraner nimmt sich in Würzburger Unterkunft das Leben

Ein 29-jähriger Iraner begeht in der Würzburger Flüchtlings-Unterkunft Suizid. Er soll seit Monaten Selbstmordabsichten geäußert haben. Ein Gutachten hat daher angeblich eine andere Unterbringung gefordert.

31.01.2012

Von DANIEL STAFFEN-QUANDT, EPD

Würzburg Ein 29-jähriger Asylbewerber aus dem Iran hat sich in der Nacht zum Sonntag in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft das Leben genommen. Er habe sich in seinem Zimmer eingeschlossen und erhängt, teilte die "Internationale Föderation Iranischer Flüchtlinge" mit. Die Regierung von Unterfranken bestätigte den Todesfall.

Nach Angaben der Internationalen Föderation hatten Mitbewohner den Sicherheitsdienst informiert, dass sich der Mann in Selbstmordabsicht in seinem Zimmer eingeschlossen habe. Die Mitarbeiter hätten vergeblich versucht, in sein Zimmer zu gelangen. Auch die Polizei konnte die schwere Eisentür nicht öffnen. Dies sei erst der herbeigerufenen Feuerwehr gelungen, doch zu diesem Zeitpunkt sei der Mann bereits tot gewesen.

Regierungssprecher Johannes Hardenacke betonte, "dass nach bisherigem Kenntnisstand keinerlei Zusammenhang zwischen dem Suizid und Art und Weise der Unterbringung besteht". Die Organisation hatte behauptet, Grund für den Suizid sei die "menschenunwürdige Situation" in der Gemeinschaftsunterkunft gewesen. Laut Hardenacke habe es ähnliche Vorfälle in Würzburg seit Jahren nicht gegeben.

Der Würzburger Arzt August Stich kümmert sich um die medizinische Versorgung der Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft. Er sagte, die psychisch labile Konstitution des Mannes sei seit Monaten bekannt gewesen. Bereits im Dezember habe er Selbstmordabsichten geäußert und sei deshalb in der Würzburger Uniklinik für Psychiatrie begutachtet worden. Man habe empfohlen, "an der Art der Unterbringung etwas zu verändern".

"Mit dieser Empfehlung ist allerdings niemand an die Regierung oder an die Verwalter der Gemeinschaftsunterkunft herangetreten", erklärte Hardenacke. Vom Medizinischen Dienst lägen für den 29-Jährigen "keine Atteste" vor. Laut Stich sei die psychisch desolate Situation des Mannes der Verwaltung "selbstverständlich bekannt" gewesen. Aus eben diesem Grund habe man ihm ja auch gestattet, seine Schwester zu besuchen und das Bundesland Bayern zu verlassen, erklärte der Mediziner.

Für Stich ist der Tod "kein Einzelfall". Etliche Bewohner seien von Folter traumatisiert und müssten trotzdem in ehemaligen Kasernen leben. "Die Gemeinschaftsunterkünfte machen krank." Kein Bundesland gehe so schlecht mit Flüchtlingen um wie Bayern. Für ihn und seine Mitarbeiter gehe es nun darum, die vielen anderen psychisch angeschlagenen Menschen in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft vor Nachahmungstaten abzuhalten: "Suizid ist keine Lösung."

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Erstellt:
31. Januar 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Januar 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2012, 12:00 Uhr

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