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Interview mit Seebühne-Intendantin Elisabeth Sobotka
„Carmen“ zieht die Massen an: Die Bregenzer Intendantin Elisabeth Sobotka vor der Seebühne. Foto: Bregenzer Festspiele / Lisa Mathis
„Die Naturelemente ausspielen“

Interview mit Seebühne-Intendantin Elisabeth Sobotka

Nächste Woche startet Bregenz in den Sommer, die Intendantin Elisabeth Sobotka aber bereitet schon die nächsten Seebühnen-Hits vor. Ein Glasschiff für das Orchester bleibt ein Traum.

10.07.2018
  • JÜRGEN KANOLD

Bregenz. Sie hat das Intendanten-Büro mit der schönsten Aussicht. Hoch über dem Bregenzer Festspielhaus und den Tribünen der Seebühne schiebt sich der Verwaltungs-Riegel in Richtung Bodensee. Ganz vorne, mit einem Blick aus breitwandiger Glasfront, arbeitet Elisabeth Sobotka (52). Es ist ein strahlender Sommertag, drunten springen sie vom Steg ins Wasser. Die Intendantin aber geht nicht baden: Seit drei Jahren leitet die Wienerin, die lange für die Wiener und die Berliner Staatsoper und zuletzt als Intendantin der Grazer Oper arbeitete, erfolgreich die Bregenzer Festspiele. Sie hat natürlich nicht nur Wetterglück, sondern bietet Produktionen an wie die „Carmen“ von Bizet, die jetzt im zweiten Sommer zu sehen ist: in 29 Aufführungen vor jeweils fast 7000 Zuschauern.

Frau Sobotka, die „Carmen“ auf der Seebühne läuft super, auch jetzt in der zweiten „Saison“, dann kommt der „Rigoletto“, und für 2021/2022 haben Sie schon „Madame Butterfly“ angekündigt. Macht diese Planung das Leben der Bregenzer Intendantin entspannter?

Elisabeth Sobotka : Im Opernbetrieb ist diese langfristige Planung relativ normal. Bei uns aber kommt hinzu, dass die Bauten auf der Seebühne sehr konkreter Absprachen mit den Teams bedürfen. Bevor die Titel der Neuproduktionen dann woanders durchsickern, vermelden wir die Neuigkeit lieber selber sehr früh. Es ist ja toll, wenn man sich auf etwas freuen kann. Andererseits sind wir total im Jetzt verhaftet: Die „Carmen“-Wiederaufnahme steht an, und gleichzeitig tun wir so, als ob „Butterfly“ schon übermorgen Premiere hätte. Das ist ein Spagat. Aber notwendig. Gute Planungen, klare Strukturen sind die Voraussetzung dafür, möglichst kreatives Musiktheater zu machen.

Das neue Werk auf der Seebühne ist ja auch wirtschaftlich gesehen eine schwerwiegende Entscheidung. Mit „Carmen“ etwa beglücken Sie in zwei Jahren zusammen rund 400 000 Zuschauer!

Die Aufführung ist sehr gelungen, aber realistisch gesehen ist Bizets „Carmen“ ein Sonderfall, weil es die bekannteste Oper überhaupt ist – und das war ein Teil des Anfangserfolgs. „Rigoletto“ ist große Oper und für die Seebühne bestens geeignet, hat aber sicherlich nicht die gleiche Popularität wie „Carmen“.

Verdis „Rigoletto“ liegt nicht direkt am Wasser . . .

Moment, es gibt keinen See, aber Rigoletto will am Ende den Sack mit der vermeintlichen Leiche des verhassten Herzogs in die Fluten werfen – in den Mincio, der durch Mantua fließt. Zum Glück tut er es nicht, sonst hätten wir ja das herrliche Schlussduett mit Gilda nicht . . . (lacht)

Spielt der Wasser-Bezug eine Rolle bei der Wahl der Stücke für die Seebühne?

Ich würde sagen: Jein. Aber weil wir die Oper nicht in einem geschlossenen Theater aufführen, überlegen wir natürlich bei einem Werk wie „Madame Butterfly“ schon, wie wir die Naturelemente in diesem Werk auf der Seebühne ausspielen.

Bregenz hat auf der Seebühne schon ganz unterschiedliche ästhetische Konzepte umgesetzt: vom technischen Spektakel etwa bei der „Aida“ bis zu einer „Turandot“, die einzelne Szenen fast wie im Kammertheater, also sehr klassisch, dem Zuschauer fokussierte. Welche künstlerischen Schlüsse ziehen Sie aus der „Carmen“?

Die Bühnenbildnerin Es Devlin setzte zum ersten Mal Video-Mapping ein. Das ist schon sehr beeindruckend, wie sich etwa die Spielkarten durch die Projektionen verwandeln. Tolle Überraschungseffekte. Video ist sicher ein Stilmittel, das wir weiter verlebendigen wollen. Aber schon der „Rigoletto“ nächstes Jahr wird wieder ganz anders ausschauen.

Philipp Stölzl, ein Filmemacher, der auch spektakuläre Settings als Opernregisseur baut, inszeniert den „Rigoletto“ – in Bregenz ist er gewiss am richtigen Ort . . .

Das hat er auch gesagt: „Endlich darf ich . . .“ Speziell für Bühnenbild-affine Regisseure ist die Bregenzer Seebühne ein place to be.

Das Publikum erlebt das Orchester sichtbar nur auf Bildschirmen, weil die Musiker im Festspielhaus agieren und der Ton dort aufgenommen und nach draußen übertragen wird. Ein faszinierendes Soundsystem, aber schränkt das nicht die Live-Atmosphäre ein?

Es gibt keine Alternative, wenn man einen perfekten Klang haben will. Und das anspruchsvolle, klangverwöhnte Publikum erwartet ihn. Natürlich träumt man auch in Bregenz davon, das Orchester wieder nach draußen zu verlegen: etwa in ein Glasschiff! Aber ob dann nicht wieder der nötige Raumklang fehlen würde? Vom gigantischen Kostenfaktor ganz abgesehen.

Die Seebühne beansprucht natürlich die größte Aufmerksamkeit, dabei bieten Ihre Festspiele viel mehr, auch eine außergewöhnliche Produktion im Haus, in diesem Jahr Berthold Goldschmidts „Beatrice Cenci“ – stört Sie das?

Die Seebühne ist unser Zentrum, der Motor der Festspiele. Diese Produktion spielt Geld ein, das wir in andere Kunst investieren. Wir bieten damit die Faszination Musiktheater in allen Spielarten, vom qualitätsvollen Opernspektakel am See, wie ich einmal sagen will, bis zur Uraufführung auf der Werkstattbühne. Das ist einmalig.

Wie wichtig ist der Event-Charakter der Seebühne?

Natürlich sorgt er für ein großes Publikum. Aber bei der Kundenbindung müssen sich die Festspiele sehr anstrengen, 50 Prozent der Karten verkaufen wir mittlerweile über das Internet, da entsteht eine ganz neue Beziehung.

Haben Sie Sorgen, dass das Publikum nicht nachwachsen könnte?

Es wird immer weniger Musik selbst gemacht, es ist keine Selbstverständlichkeit mehr, dass Kinder singen oder ein Instrument lernen, dass sie in der Schule mit der Oper in Berührung kommen. Da müssen auch wir Veranstalter mit Vermittlungsarbeit in die Bresche springen. Wir haben Ende Mai in Bregenz ein unglaublich bewegendes Projekt realisiert, eine „Carmen für Kinder“, tausend Schüler haben mitgemacht, auch als Chor. Die haben alle gespürt: Das, was da auf der Bühne passiert, hat auch etwas mit mir zu tun. Das ist doch entscheidend: dass da was in uns angesprochen wird, was uns aufregt, beglückt, verändert. Diese Kinder müssen nicht gleich ein Opernfan werden, aber sie wissen jetzt vielleicht, dass es da einen Ort gibt, wo ganz spannende Dinge stattfinden.

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10.07.2018, 06:00 Uhr
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