Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Interview mit Schauspieler Thomas Rühmann („In aller Freundschaft“)
„Deutsche TV-Zuschauer möchten zufrieden ins Bett gehen“: Thomas Rühmann alias Dr. Roland Heilmann. Foto: MDR/Saxonia/Tom Schulze
„Am Anfang hatte ich Bammel“

Interview mit Schauspieler Thomas Rühmann („In aller Freundschaft“)

Thomas Rühmann spielt seit 20 Jahren Dr. Roland Heilmann in „In aller Freundschaft“. Die Rolle beschäftigt ihn auch im Alltag.

26.10.2018
  • CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Köln. Fünf Millionen Zuschauer jede Woche: Die Weißkittelsaga „In aller Freundschaft“ gehört seit 20 Jahren zu den beliebtesten Fernsehserien. Die ARD zeigt heute Abend ein Spielfilm-Special, „In aller Freundschaft – Zwei Herzen“, auf den Tag 20 Jahre nach dem Start im Oktober 1998. Die Hauptfigur Dr. Roland Heilmann verschlägt es nach Thailand. Thomas Rühmann verkörpert den Chirurgen und Familienvater Heilmann seit der ersten Folge.

Herr Rühmann, wie oft werden Sie im Alltag als Herr Doktor Heilmann angesprochen?

Thomas Rühmann: Oft. Aber nicht, weil die Menschen tatsächlich denken, dass sie einen Doktor vor sich hätten, sondern weil ihnen mein echter Name nicht einfällt (lacht). Ich werde aber nie allen Ernstes um Diagnosen gebeten. Die Leute sind ja nicht bekloppt.

Haben Sie als Fernseharzt viel über Medizin gelernt?

Ehrlich gesagt sind meine medizinischen Kenntnisse sehr überschaubar geblieben. Aber meine Hochachtung vor dem Arztberuf ist enorm gestiegen, denn ich habe eine Ahnung davon bekommen, vor welch weitreichenden Entscheidungen ein Mediziner Tag für Tag steht und was für eine große Verantwortung er hat, was auch schiefgehen kann. Hut ab.

Wie werden Sie selber behandelt, wenn Sie zum Arzt gehen?

Ich komme eher dran, obwohl ich ein Anhänger der gesetzlichen Krankenkassen und deshalb nicht privat versichert bin. Und es wird natürlich viel gewitzelt – die Ärzte sagen „Herr Kollege“ zu mir, und ich grinse dann zurück.

Welche kuriosen Erlebnisse hatten Sie in Ihrer Karriere als Fernseharzt?

Ich weiß noch, dass ich zu Anfang immer ziemlichen Bammel vor den OP-Szenen hatte. Damals wurde wirklich rumgeschnibbelt, das Blut floss und die Kamera ging ganz nah ran. Irgendwann, so etwa nach anderthalb Jahren, stand ich in der Kulisse, habe mir angeguckt, was im OP-Saal gerade stattfand, und habe dabei ein belegtes Brötchen gegessen. Da habe ich gemerkt: Okay, das Problem mit dem Anblick des Blutes hast du jetzt gelöst.

Haben Sie als Training für Ihre Rolle echten OPs zugeschaut?

Ganz am Anfang waren wir in einem echtem Operationssaal und haben eine Magen-OP verfolgt, aber seitdem haben wir das nicht mehr gemacht. Allerdings werden die Dreharbeiten professionell begleitet, während der Operationen ist immer eine richtige OP-Schwester dabei.

Beschweren sich Zuschauer, wenn trotz aller Sorgfalt mal was nicht ganz korrekt dargestellt ist?

Neulich, im Urlaub, saß ein berühmter ehemaliger Herzchirurg am Nebentisch, der war auch aus Leipzig und kannte mich natürlich. Wir haben uns unterhalten, und da sagte der: „Wenn Sie im OP-Saal stehen und die desinfizierten Hände so nach oben halten – das macht man nicht.“ Zurück in Leipzig habe ich mit der Fachberaterin gesprochen, die meinte, das macht jeder anders.

Was hat sich seit dem Start der Serie 1998 geändert?

Die Arztkittel sind heute weiß. Früher wurden sie vor dem Dreh durch Tee gezogen, weil das strenge Weiß zu hart für die Kameras war. Das ist heute dank der modernen Kameras nicht mehr nötig. Außerdem wird viel schneller erzählt. Wir laufen zur Hauptsendezeit, wenn wir das nicht machen würden, wären wir längst weg vom Fenster. Die Folgen werden viel schneller geschnitten.

Wie lange wollen Sie den Dr. Heilmann noch spielen?

So lange es mir Spaß macht. Und es macht mir Spaß, weil Heilmann eine oft sehr widersprüchliche Figur ist – ich glaube, die Zuschauer merken das manchmal gar nicht richtig (lacht).

Wie stehen Sie zu Kritik an der Serie?

Ich habe kein Problem damit, dass uns manchmal die Seifenoper vorgeworfen wird. Interessant ist allerdings, dass wir vor zwei Jahren eine komplette Staffel gedreht haben, in der die Sachsenklinik privatisiert worden ist – auf einmal brach in diese scheinbar heile Welt die Wirklichkeit ein. Das war für uns Schauspieler total interessant zu spielen, aber die Zuschauer haben es nicht goutiert. Die Leute haben weniger geguckt, und deshalb wurde das rückgängig gemacht. Als wir wieder die alte Sachsenklinik waren, schalteten die Leute wieder ein.

Das Publikum will sich sein Heile-Welt-Refugium nicht kaputt machen lassen?

Der deutsche Fernsehzuschauer möchte zufrieden ins Bett gehen, zumindest ein großer Teil. Deshalb gehen die Geschichten bei uns auch oft gut aus. Und ich glaube, dass die Leute uns deshalb zugucken, weil sie sich manchmal eine andere Welt wünschen, einen anderen Gesundheitsbetrieb.

Info „In aller Freundschaft – Zwei Herzen“, ARD, heute, 20.15 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

26.10.2018, 06:00 Uhr
Interview mit Schauspieler Thomas Rühmann („In aller Freundschaft“)





Wir bitten Sie, sachlich zu diskutieren und respektvoll miteinander umzugehen. Bitte kommentieren Sie mit Klarnamen und verzichten Sie auf externe Links. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen und Nutzer zu sperren. Genauere Regeln fürs Kommentieren finden Sie in unserer Netiquette .

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

 
Aus der Filmregion
Neueste Artikel
Zuschauer-Stimmen
Ein herausragender Film, zu Recht wird er als ein "deutscher Kaurismäki" bezeichnet. Als "Liebesfilm" würde ich ihn allerdings in keinster Weise bezeichnen, diese Szenen sind nur ein kleiner Teil. In erster Linie wird ohne viele Worte die aussichtslose Lage der prekär beschäftigen Menschen gezeigt, die beispielsweise trotz Verbots weggeworfene Lebensmittel direkt am Container im wahresten Sinne des Wortes "verschlingen". Sie versuchen, sich ihre Würde und auch ihren Humor zu bewahren. Interessant ist es, die Kurzgeschichte von Clemens Meyer zu lesen, sie umfasst nur 25 Seiten. Die Umsetzung im Film ist hervorragend gelungen, einige wenige Szenen wurden verändert bzw. hinzugefügt.
Elli Emann über In den Gängen
Aus der Filmwelt
Neueste Artikel
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Neue Trailer
Neueste
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram

Kino Suche im Bereich
nach Begriff

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular