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Interview mit Opel-Chef Michael Lohscheller
Opel-Chef Michael Lohscheller fürchtet keine nachteilige Konkurrenz zu Peugeot-Modellen. Foto: Arne Dedert/dpa
„Wir verdienen mit jedem Fahrzeug Geld“

Interview mit Opel-Chef Michael Lohscheller

Der Chef Michael Lohscheller hat zusammen mit der französischen Konzernmutter PSA die Wende gebracht. Vor allem die neuen Modelle laufen sehr gut, sagt er. Die drei deutschen Werke seien wettbewerbsfähig.

28.07.2018
  • ROLF OBERTREIS

Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren hat Opel in einem ersten Halbjahr wieder einen Betriebsgewinn erwirtschaftet. Nach der Übernahme durch den französischen Autokonzern PSA vor einem Jahr haben PSA-Chef Carlos Tavares und Opel-Chef Michael Lohscheller offenbar die Wende eingeleitet, auch durch den Abbau von 3700 Stellen allein in Deutschland. Allerdings hapert es noch beim Absatz, Opel verliert Marktanteile. Wo liegen weitere Ursachen für die Entwicklung? Wie geht es mit Opel weiter?

Haben Sie einen solch schnellen Umschwung erwartet?

Michael Lohscheller: Es sind ja nicht nur um die 500 Millionen Euro wiederkehrender operativer Gewinn, den wir im laufenden Geschäft erzielt haben. Fast wichtiger: Wir haben eine Milliarde Euro an flüssigen Mitteln erwirtschaftet. Das zeigt, dass Opel eine wirkliche Ertragswende geschafft hat. Darauf sind wir schon stolz.

Wie kommt der Gewinn zustande?

Wir haben Opel in den letzten zwölf Monaten stärker verändert als davor in einer halben Dekade. Wir haben sowohl unsere Fixkosten als auch die variablen Kosten gesenkt, etwa in der Produktion. Aber auch auf der Erlösseite sind wir stärker geworden, vor allem hat sich der Umsatz pro Fahrzeug verbessert. Wir konnten die Preise leicht erhöhen, die Kunden haben mehr Ausstattung gekauft und wir sind stärker im Privatkunden- und geringer in wenig profitablen Kanälen wie dem Mietwagengeschäft unterwegs.

Wie arbeiten jetzt die Fabriken?

Wir haben die Komplexität deutlich reduziert, Prozesse verschlankt und die Flächen reduziert, damit Wege kürzer werden. Es gibt deutliche Einsparungen im Einkauf durch die Einbindung in den PSA-Konzern. Das alles führt zu der von Carlos Tavares genannten Reduzierung der Fixkosten um 28 Prozent.

Wie stark sind die Produktionskosten pro Fahrzeug gesunken?

Bis 2020 werden wir die variablen Produktionskosten pro Fahrzeug um 700 Euro reduzieren. Da sind wir auf sehr gutem Weg.

Sie haben das den Beschäftigten mitgeteilt. Wie war die Reaktion?

Große Freude und vor allem Erleichterung. Zumal der Gewinn mit 500 Millionen Euro überzeugend ausgefallen ist. Mein Dank gilt vor allem den Beschäftigten, die viel auf sich genommen und gleichzeitig sehr viel geleistet haben. Im Gegenzug sind alle Werke und die Arbeitsplätze bis 2023 gesichert. Und alle Werke bleiben erhalten. Das dürfte es in kaum einer anderen Branchen und einem anderen Unternehmen geben, das vor solchen umfassenden Veränderungen steht.

Opel hat im ersten Halbjahr weltweit 572 000 Fahrzeuge verkauft. Aber die Marktanteile sinken – in Deutschland und in Europa.

Das stimmt. Da müssen wir leichte Einbußen hinnehmen. Wir haben bewusst auf Ertrag und Finanzergebnis gesetzt. Natürlich wollen wir mit unseren neuen Fahrzeugen den Marktanteil stabilisieren und dann wieder wachsen.

Macht Opel pro Fahrzeug wieder Gewinn? Also keine Rabatte mehr?

Natürlich verkaufen wir unsere Autos mit Gewinn. Wir verdienen mit allen Fahrzeugen Geld. Das liegt auch daran, dass die Kunden bereit sind, wieder mehr für ein Opel-Modell auszugeben. Auch geringere Rabatte spielen eine Rolle. Im Vergleich zum Wettbewerb konnten wir unsere Preisposition um zwei Prozentpunkte verbessern. Das ist eine Menge. Und es ist ein Indikator dafür, dass die Marke Opel wieder an Kraft gewinnt.

Fürchten Sie auf Dauer nachteilige Konkurrenz zwischen Opel- und Peugeot-Modellen?

Nein. Zum einen wissen wir, dass die Käuferwanderung zwischen französischen und deutschen Marken sehr gering ist. Und wir differenzieren uns sehr gut, das zeigen Fahrzeuge, die wir bereits gemeinsam entwickelt haben. Ein Peugeot 3008 und ein Opel Grandland X haben ein komplett anderes Design, einen anderen Innenraum, eine andere Lichttechnik, eine andere Abstimmung. Wir nutzen die Plattformen des Konzerns und bauen völlig unterschiedliche Autos. Das wird von den Kunden geschätzt. Der Grandland ist ein typischer Opel.

Opel-Modelle sind wieder gefragter?

Auf jeden Fall. Die SUV-Fahrzeuge Grandland X und CrosslandX kommen an. Bei neuen Modellen sieht es sehr gut aus.

Die drei Werke sind also ausgelastet?

Unsere Werke sind wettbewerbsfähig. Wir werden sie in zwei Schichten auslasten und entsprechend investieren. In Eisenach werden wir in die Produktion des Grandland X investieren. Was wir in Rüsselsheim und Kaiserslautern im Detail machen, geben wir noch bekannt.

Dabei geht es auch um Elektromobilität, oder? Wann kommen die ersten neuen Opel E-Modelle?

Wir stecken in einer großen Elektro-Offensive. Bis 2020 wird es vier Angebote geben, darunter der Kleinwagen Corsa mit rein elektrischem Antrieb, bezahlbar für die breite Masse. Bis 2024 werden wir unser gesamtes Angebot elektrifiziert haben. Das ist ein Riesenschritt.

Wie kommt das Auslandsgeschäft von Opel voran?

Wir werden noch in diesem Jahr die Montage des Grandland in Namibia aufnehmen. In Südafrika kommen wir voran, wie haben Importeure in Tunesien, in Marokko, im Libanon, wir gehen nach Kolumbien, Kuwait und starten in der Ukraine neu. Natürlich schauen wir uns auch große Märkte an wie etwa Russland, wo wir ja schon waren. Und wir blicken nach China und in die USA. Wir haben keine Fesseln mehr im Blick auf das Ausland.

Wird Opel 2018 insgesamt schwarze Zahlen schreiben?

Wir geben keine konkrete Prognose für das zweite Halbjahr. Aber wir haben einen guten Start hingelegt.

Was wird aus dem Technischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim mit seinen 7000 Beschäftigten?

Das Entwicklungszentrum ist und bleibt das starke Herz von Opel. Alle künftigen Modelle für den europäischen Markt werden hier entwickelt und designt. Ebenso leichte Nutzfahrzeuge für den gesamten Konzern. Wir haben viele Kompetenzen für die gesamte Gruppe PSA hinzubekommen, auch für die Entwicklung neuer Motoren. Aber es fallen auch Aufträge von externen Firmen mittelfristig weg. Es gibt also Überkapazitäten. Wir müssen Optionen prüfen, auch strategische Partnerschaften. Wir werden mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall eine vernünftige Lösung finden im Sinne unserer Mitarbeiter. Wir sind in einer Industrie, die sich deutlich ändert. Dass es Diskussionen gibt, ist doch klar.

Opel steht jetzt auch im Verdacht, Abgaswerte manipuliert zu haben.

Wir kommentieren keine laufenden Verfahren. Wichtig ist: Für drei Autos der Modelljahre 2013 bis 2016 haben wir bereits eine freiwillige Serviceaktion in Umsetzung, die von Kunden gut angenommen wird.

Passionierter Marathonläufer

Michael Lohscheller, 49 Jahre alt, steht seit Juni 2017 an der Spitze von Opel. Der gelernte Diplom-Kaufmann arbeitete früher auch für VW. Opel ist vor genau einem Jahr vom französischen PSA-Konzern für 1,3 Mrd. € übernommen worden. Die Jobs der rund 14 000 Opel-Mitarbeiter sind bis 2023 gesichert. Lohscheller gilt nicht nur als Auto-Fachmann, er hat auch die für den Job bei Opel notwendigen Ausdauer-Qualitäten. Der hagere, groß gewachsene Manager ist passionierter Marathonläufer und hat die Strecke schon mehr als 100 Mal absolviert.⇥otr

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28.07.2018, 06:00 Uhr
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