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Historischer Prozess

Internationaler Strafgerichtshof befasst sich erstmals mit Zerstörung von Weltkulturerbe

Die Verwüstung der Oasenstadt Timbuktu durch Islamisten löste 2012 Entsetzen aus. Nun hat der Vorgang ein Nachspiel vor dem Weltstrafgericht.

16.08.2016
  • ANNETTE BIRSCHEL & SEBASTIAN KUNIGKEIT, DPA

Den Haag. Für den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) ist es eine historische Premiere. Zum ersten Mal steht ein mutmaßlicher Dschihadist vor den Richtern in Den Haag, ein Rebellenführer des Al-Kaida-Verbündeten Ansar Dine. Und es ist das erste Verfahren, in dem es um die Zerstörung von Unesco-Weltkulturerbe geht – denn das gilt als Kriegsverbrechen.

Mit Schaufeln und Äxten hatten Islamisten vor vier Jahren das jahrhundertealte Kulturerbe von Timbuktu zerstört. In der Oasenstadt im Norden des westafrikanischen Mali vernichteten Extremisten von Ansar Dine jahrhundertealte Heiligtümer. Ein Aufschrei ging durch die Welt, ähnlich wie im vergangenen Jahr bei den Zerstörungen in der syrischen Oasenstadt Palmyra durch Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Die Anklage will mit dem am Montag, 22. August, beginnenden Prozess ein Zeichen setzen. „Hier geht es nicht nur um Mauern und Steine“, erklärte Chefanklägerin Fatou Bensouda. „Es geht um einen eiskalten Anschlag auf die Würde und Identität der Bevölkerung und ihre religiösen und historischen Wurzeln.“

Das von Tuareg-Völkern gegründete Timbuktu am Niger-Fluss war im 15. und 16. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum für Handel, Wissenschaft und Religion und spielte eine große Rolle bei der Verbreitung des Islam in Afrika. Die Oasenstadt, auch als „Perle der Wüste“ und „Stadt der 333 Heiligen“ bekannt, diente lange als Bindeglied zwischen dem Mittelmeerraum und Westafrika.

2012 hatten radikale Islamisten teilweise die Kontrolle über den Norden Malis übernommen. In Timbuktu zerstörten Dschihadisten 14 von 16 mittelalterlichen Heiligengräbern – um neun dieser Mausoleen und eine Moschee geht es nun in dem Verfahren in Den Haag. Der Rebellenführer Al Faqi al-Mahdi, auch als Abu Tourab bekannt, soll die Zerstörung geplant, vorbereitet und ausgeführt haben.

Der etwa Anfang 40-Jährige war im vergangenen Jahr in Niger festgenommen und dem Gericht übergeben worden. Er will sich schuldig bekennen, und auch das ist bisher einzigartig in der Geschichte des Gerichtes. Daher könnte der Prozess schon innerhalb einer Woche beendet werden. Das wäre für den IStGH, der wegen seiner schleppenden, oft jahrelangen Prozesse heftig in der Kritik ist, endlich mal eine positive Nachricht.

Für die UN-Kulturorganisation Unesco ist der Prozess ein wichtiger Präzedenzfall – ein Zeichen, dass die Weltgemeinschaft gegenüber den Zerstörungen nicht völlig ohnmächtig ist. „Dies ist ein nachhallendes Signal gegen Straffreiheit, auch mit Blick auf Syrien und den Irak“, sagte Unesco-Chefin Irina Bokowa im Juni bei einem Besuch in Den Haag. Aktuell will die Organisation mit Sitz in Paris sich unter Verweis auf das laufende Verfahren allerdings nicht näher äußern.

Die Bulgarin Irina Bokowa, die sich derzeit um die Nachfolge von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bewirbt, hat in den vergangenen Jahren immer wieder für den Kampf gegen die Zerstörung von Welterbestätten in Konfliktgebieten geworben. Sie verurteilt die Angriffe als Teil einer Strategie der „kulturellen Säuberung“. Bokowa: „Die vorsätzliche Zerstörung von Welterbe ist ein Kriegsverbrechen, das als Kriegstaktik eingesetzt wird, um Furcht und Hass zu verbreiten.“ Bokowa sagt: „Die Zerstörung von Erbe ist nicht zu trennen von der Verfolgung von Menschen.“

Die Mausoleen von Timbuktu stehen heute wieder. Frankreich schickte Anfang 2013 auf Bitte der malischen Regierung Truppen, die die Islamisten zurückdrängten – auch wenn im Norden weiterhin Terrorgruppen aktiv sind. Inzwischen bemühen sich die Vereinten Nationen um eine Stabilisierung der Lage. Im Rahmen der UN-Mission sind unter anderem auch 300 Soldaten der Bundeswehr in der nördlichen Stadt Gao stationiert.

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16.08.2016, 06:00 Uhr
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