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Hohe Anforderungen, niedrige Löhne

Integrationskurse werden stark nachgefragt, aber es fehlt an qualifizierten Dozenten

Viele wollen derzeit Deutsch lernen. Aber nur wenige dürfen Deutsch lehren. Die Zulassungsbestimmungen sind eng gefasst. Wird ein Pädagoge doch genommen, erhält er nur einen mageren Lohn.

27.10.2015
  • EPD

Stuttgart/Tübingen Die Nachfrage nach Integrationskursen ist enorm gestiegen. Laut Nürnberger Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) war die Zahl an Kursbesuchern im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent höher. Mehr als 47 000 Menschen besuchten bundesweit allein im ersten Quartal 2015 einen Integrationskurs. Den größten Anbieter dieser Kurse in Baden-Württemberg machen die Volkshochschulen (VHS) aus, die knapp die Hälfte aller Kurse durchführen. Auch hier ist das Interesse deutlich gewachsen. Die Teilnehmerzahlen verdoppelten sich: 2010 gab es 5300 Kursbesucher, 2014 waren es 10 000. Und das Angebot reicht nicht aus.

Wer etwa bei der VHS Reutlingen einen Anfängerkurs besuchen will, muss bis Februar warten. Momentan werden dort 22 Integrationskurse angeboten. Weitere Anbieter sind unter anderen die Deutsche Angestellten Akademie (DAA) und die Arbeiterwohlfahrt (AWO).

In Tübingen gibt es außerdem die Bildungseinrichtung "InFö". Von "vollen Kursen" und "immer mehr Anfragen", berichtet "InFö"-Leiterin Margarete Lanig-Herold. In den Kursen sind die Hälfte Zuwanderer aus europäischen Ländern und die anderen kommen aus Syrien.

Hürden gibt es für jene, die als Dozenten in diesem Bereich arbeiten wollen. "Manche Bewerber sind geschockt, weil ich sie ablehnen muss", sagt Lanig-Herold. Das können etwa Pädagogen sein, die Deutsch als Fremdsprache (DAF) studierten. Wurde der Abschluss nicht hierzulande gemacht, zählt das Studium nur begrenzt. Denn Sprachlehrer für Integrationskurse brauchen eine DAF-Zulassung, die das BAMF anerkennt. Dafür müssen Interessierte ihre beruflichen Abschlüsse und Erfahrungen beim BAMF nachweisen. Nach sechs Wochen Bearbeitungszeit kommt der Bescheid, ob und welche zusätzliche Qualifizierung notwendig ist. "Das sind öffentlich geförderte Kurse, deshalb besteht das BAMF darauf, dass diese nicht jeder unterrichten darf", sagt die Leiterin des Sprachinstituts Tübingen (SIT), Astrid Lorenz.

Weil solche Lehrer dringend gebraucht werden, hat das BAMF im September die Zulassungen erleichtert. Beispielsweise müssen nun Grundschullehrer mit dem zweiten Staatsexamen keinen Zusatzkurs mehr besuchen. Ausnahmeregelungen bis Ende des Jahres gelten auch für jene, die einen Zusatzlehrgang belegen sollten. Das ist beispielsweise ein voll ausgebildeter Lateinlehrer, der eigentlich den unverkürzten Lehrgang (140 Unterrichtsstunden, Kosten 1400 Euro) hätte machen müssen, und nun doch bis zum 31. Dezember einen Integrationskurs leiten darf. Das Gleiche gilt für den verkürzten Lehrgang (70 Unterrichtsstunden, Kosten 700 Euro), den etwa Anglisten oder Germanisten absolvieren sollten.

20 Euro pro Unterrichtsstunde bekommen DAF-Dozenten bei InFö. Weil sie meist als Freiberufler arbeiten, sind Sozialleistungen selbst zu zahlen. Bei einem Umfang von 25 Stunden, der mit Vor- und Nachbereitungszeit einer 37,5-Stundenwoche entspricht, kommt das Online-Portal "Deutsch als Fremdsprache" in Baden-Württemberg auf einen Nettolohn von 1460 Euro pro Monat. Von "prekären Arbeitsbedingungen" spricht die Gewerkschaft GEW, die einen Stundenlohn von 30 Euro für angemessen hält und auf Festanstellungen pocht. Letzteres unterstützt auch Lanig-Herold: "Eine unserer großen Forderungen ist, diesen Dozenten Festanstellungen zu bieten, so dass die Honorartätigkeit wegfällt."

Integrationskurse werden stark nachgefragt, aber es fehlt an qualifizierten Dozenten
Lehrer für Integrationskurse sind mehr denn je gefragt. Foto: dpa

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27.10.2015, 12:00 Uhr
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