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Intakte Ökosysteme im Biosphärengebiet
Landschaft am Belchen: Charakteristisch für den Südschwarzwald ist der Wechsel aus offenen und bewaldeten Flächen. Foto: Petra Walheim
Regierungspräsidium stellt neues Großreservat im Südschwarzwald vor

Intakte Ökosysteme im Biosphärengebiet

Das Biosphärengebiet Schwarzwald ist fünf Monate alt. Zeit, es der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Regierungspräsidium lud zur Wanderung ein.

01.08.2016
  • PETRA WALHEIM

Schönau. Beim Abstieg vom Belchen entdeckt Gerhard Hüttl an einem uralten Baum die Lungenflechte. „Die wächst nur dort, wo die Luft gut ist“, sagt er. Vermutlich ist sie deshalb eine stark gefährdete Pflanze und ein Indikator für intakte Ökosysteme. Dass sie an dem Baum wächst, spricht für den Zustand der Natur am Belchen. Das Regierungspräsidium (RP) Freiburg hatte zum Start des Biosphärengebiets Schwarzwald unter dem Motto „Biologische Vielfalt“ zur Wanderung am Belchen eingeladen. Auch, um Sinn und Zweck des Biosphärengebiets zu erläutern und den Teilnehmern, darunter Gerhard Hüttl, die Besonderheiten der Region zu zeigen, die durch das Schutzprojekt erhalten und weiterentwickelt werden sollen.

Was damit gemeint ist, ist vom Gipfel des 1414 Meter hohen Belchen aus gut zu sehen. Der Blick geht weit hinein in den südlichen Schwarzwald, für den der Wechsel aus offenen und bewaldeten Flächen charakteristisch ist. Im Nordschwarzwald seien 90 Prozent der Flächen bewaldet, sagt Bernd-Jürgen Seitz, Leiter des Referats Naturschutz im Regierungspräsidium Freiburg. Im Mittleren Schwarzwald seien es 80 Prozent, im Südschwarzwald 70 Prozent. „Ein Alleinstellungsmerkmal für den Südschwarzwald sind die Allmendweiden“, sagt Seitz. Damit es die auch weiterhin gibt und nicht alles zuwächst, brauche es Landwirte, die bereit seien, ihre Rinder dort weiden zu lassen. Doch davon gibt es immer weniger. „Dazu gehört viel Idealismus“, sagt Seitz. Die steilen Weiden seien oft schwer zugänglich, könnten gar nicht anders offen gehalten werden als durch Beweidung.

Vom Belchen aus ist schön zu sehen, welche Flächen – die bräunlichen – beweidet und welche – die grünen – gemäht werden. Auf manchen Flächen nimmt bereits das Adlerfarn überhand. Die meisten Landwirte, die sich an diesem Hauptziel des Biosphärengebiets beteiligen, die Flächen offen zu halten, tun dies im Nebenerwerb. Gegenüber dem Schutzprojekt sind viele misstrauisch bis ablehnend eingestellt. „Wenn die das Wort Naturschutz hören, haben sie schon genug“, sagt ein Landwirt, der nicht genannt werden möchte. Sie befürchteten noch mehr Auflagen, noch mehr Reglementierungen ihrer Arbeit. Auch das ist ein Grund, warum das Biosphärengebiet erhebliche „Löcher“ aufweist, dass Kommunen nicht dabei sind, die zwingend hineingehörten. Wie Feldberg, Todtmoos und Münstertal. Auch der Feldberg-Gipfel liegt außerhalb des 63 236 Hektar großen Schutzgebiets. Auch der Belchen liegt nicht vollständig im Gebiet.

Die Verordnung des Landes für das Biosphärengebiet trat am 1. Februar dieses Jahres in Kraft. Am Freitag haben Umwelt- und Naturschutzminister Franz Untersteller, die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, der Geschäftsführer des Biosphärengebiets, Walter Kemkes, sowie Vertreter der 29 beteiligten Kommunen den Antrag unterzeichnet, mit dem das Gebiet ein von der UNESCO international anerkanntes Biosphärenreservat werden soll. Mit der Anerkennung sei nicht vor 2017 zu rechnen, heißt es aus dem RP.

Neben der Offenhaltung der Flächen sind auch der Tourismus und die wirtschaftliche Entwicklung des Gebiets Ziele des Schutzprojekts. Es gehe darum, die Natur zu nutzen, ohne ihr zu schaden, sagt Bernhard Seger. Er war 19 Jahre lang Bürgermeister in Schönau, Vorsitzender des Naturschutzgroßprojekts Feldberg-Belchen-Oberes Wiesental und nach dessen Ablauf Initiator des Biosphärengebiets. „Ohne ihn gäbe es das Schutzprojekt nicht“, sagte Seitz.

Er macht während der Wanderung deutlich, dass mit dem Geld aus den Fördertöpfen für das Biosphärengebiet nicht Flächen gefördert werden könnten, sondern nur Projekte. Um die zu entwickeln, wurden fünf Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen gegründet. Die haben mit ihrer Arbeit erst begonnen.

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01.08.2016, 06:00 Uhr
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