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Zukunft ist jetzt

Inspiration inklusive

Einen Schreibtisch samt Büroausstattung mieten, mit Gleichgesinnten fachsimpeln, Kontakte knüpfen und sich vernetzen – Gründer, Freelancer und Projektteams profitieren vom Konzept der Coworking Spaces. Wie Jochen Weber, dessen vor rund eineinhalb Jahren gegründetes Unternehmen seinen Firmensitz im „Gründersaal“ der Tübinger CoWork Group hat.

19.07.2019

Von TEXT: Birgit Pflock-Rutten FOTOS: Jörg Romanowski/Uhland2, Cowork Group

Unternehmensberater Jochen Weber schätzt die offene Atmosphäre im Gründersaal: „Ein Ort, an dem Gleichgesinnte zusammenkommen, die an unterschiedlichen Projekten arbeiten“.

Schon vor hundert Jahren war der Tanzsaal des Derendinger Gasthauses Hirsch ein Ort der Begegnung. Heute wird dort zwar nicht mehr getanzt, aber das Zusammentreffen spielt immer noch eine entscheidende Rolle. Vor gut einem halben Jahr eröffnete dort der „Gründersaal“, ein Coworking Space mit rund 50 Arbeitsplätzen, die zeitlich flexibel gemietet werden können.

Vor allem für Projektarbeit ist die Idee des Coworking prädestiniert. Starre Strukturen gibt es hier nicht. Coworker Jochen Weber bringt es auf den Punkt: „Eigentlich arbeite ich wie ein Bauer: In der Ernte ist großer Einsatz gefragt, danach gibt es auch wieder entspanntere Tage“. Der Zugang zum Gründersaal ist rund um die Uhr möglich. Manche Coworker kommen erst um 18 Uhr – wie es eben jedem am besten in seinen Arbeitsrhythmus passt. „Das hängt auch von der Tagesform ab, man ist schließlich nicht immer gleich motiviert. Wir treffen uns manchmal auch samstags hier.“

Vor zehn Jahren hat Jochen Weber sein Studium „Internationale Wirtschaft“ an der Uni Hohenheim als Diplom-Ökonom abgeschlossen. Er startete seine Laufbahn in der Medienbranche und landete vor fünf Jahren bei der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Dort begleitete er unter anderem den Strategieprozess und leitete dann das von ihm aufgebaute Projekt Management Office.

Anfang 2018 entschied er sich für den Sprung in die Selbständigkeit. Zusammen mit Dietmar Fischer, einem erfahrenen Innovationsberater aus dem Umfeld der Fraunhofer Gesellschaft, gründete er die XI-Consulting GmbH. „Wir beraten Medienunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Bereich Prozessoptimierung, Strategie- und Geschäftsmodellentwicklung sowie dem Aufbau von benötigten Strukturen für die Umsetzung von Veränderungen“, beschreibt Jochen Weber das Aufgabenfeld des jungen Unternehmens.

Plug and Work

Während sein Kompagnon von Stuttgart aus agiert, hat Jochen Weber seinen Arbeitsplatz im „Gründersaal“ in Tübingen-Derendingen – für ihn zum einen eine günstige Alternative zum eigenen Büro. Er muss sich um nichts kümmern – „Plug and Work“, wie er es nennt. Zum anderen erhoffte er sich von der Gemeinschaft im Coworking einen inspirierenden Austausch sowohl auf persönlicher als auch auf beruflicher Ebene. „Schon bei meinen früheren Stationen habe ich gelernt, dass man immer wieder mal an den Punkt gelangt, an dem man mit den vorhandenen Expertisen nicht weiterkommt.“ In traditionellen Unternehmenskulturen sei es dann aufwendig, entsprechende Experten zu finden – „da geht viel Zeit ins Land“, weiß Weber. Anders beim Coworking: „Hier kann man Ideen mit Leuten besprechen, die andere Ansätze oder andere Kompetenzen haben. Ich beispielsweise bin kein Soft- oder Hardwarespezialist, habe aber unter den Coworking-Kollegen Zugriff auf entsprechende Experten.“

Ungewöhnliche Locations machen den Reiz vieler Coworking Spaces aus – wie hier im historischen Ambiente des Gründersaals, der vor 100 Jahren als Tanzsaal erbaut wurde.

Aufbruchsstimmung

Es ist also nicht nur das „Plug and Work“, das Coworking Spaces so interessant macht. Das Entscheidende sei der Spirit in der Gemeinschaft, findet Weber. „Durch die vielen unterschiedlichen Leute herrscht eine Aufbruchsstimmung – jeden Tag können neue Projekte entstehen.“ Die Community im Gründersaal besteht aus einem festen Kern, aber es gibt auch eine gewisse Fluktuation. Das sei ein bisschen wie in einer WG – „nur muss man nicht über den Küchendienst streiten“, scherzt Weber. Er selbst hat für einen Monatsbeitrag von knapp 300 Euro netto einen „FixDesk“ gebucht: einen festen Arbeitsplatz mit Container, WLAN und einer Heißgetränke-Flat. „Nur meinen Rechner bringe ich selber mit“, sagt Weber. Alternativ gibt es den „FlexDesk“ mit freier Platzwahl, aber ohne Anspruch auf einen bestimmten Schreibtisch. Aber auch 10er-Karten oder ein eigenes Office umfasst das Coworking-Angebot im Gründersaal. Ein weiteres Plus: Es gibt viel Platz für den Austausch untereinander – im „Open Space“, in der Lounge oder der Kaffeeküche. Bei Bedarf können Meetingräume dazu gebucht werden. Events, Vorträge und Workshops zu Themen der digitalen Welt unterstreichen das innovative Konzept im Gründersaal.

In klassischen Strukturen zu arbeiten, das kann sich Jochen Weber nicht mehr vorstellen. Schon bei seiner Tätigkeit bei der NOZ hatte er viele Freiheiten. Er wurde an seiner Leistung und nicht anhand von Stundennachweisen gemessen – „die einzig sinnvolle Bewertung“, findet er.

Auch in Zukunft möchte er seine Projekte von seinem Arbeitsplatz im Gründersaal aus managen. „Auch wenn unsere Firma nicht vom Coworking abhängt, wird sie in ihren Zukunftsperspektiven doch enorm dadurch bereichert.“

Allerdings sei das Konzept allein noch kein Garant für wirtschaftlichen Erfolg, betont Weber. Grundlage sei zuallererst ein validiertes Geschäftsmodell. Und dann muss der Grundgedanke der Gemeinschaft stimmen: „Und der besteht aus dem Gleichgewicht von Geben und Nehmen!“

CoWorking Spaces in der Region

· denk-stube (Cowork Group), Tübingen

· Gründersaal (Cowork Group), Tübingen

·Coaching Space Hechinger Eck (Cowork Group), Tübingen

·Coworking Französisches Viertel (Cowork Group), Tübingen

· Neckar Hub, Tübingen

· ruca, Tübingen

· weXelwirken, Reutlingen

· Coworking Space Herrenberg (Coworking0711)

· Coworking (Cowork Group), Nagold

· Albfactory, Albstadt

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Erstellt:
19. Juli 2019, 00:57 Uhr
Aktualisiert:
19. Juli 2019, 00:57 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 00:57 Uhr

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