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Kritik an Nobelkomitee

Insider wirft Osloer Friedensjury Intransparenz und Desinteresse vor

Die norwegische Jury zur Vergabe des Friedensnobelpreises ist wegen umstrittener Vergaben in die Kritik geraten. Ihr Ex-Sekretär Geir Lundestad wirft dem Gremium jetzt Inkompetenz vor.

07.10.2015
  • ANDRÉ ANWAR

Stockholm Am Freitag wird der Friedensnobelpreisträger in Oslo bekanntgegeben. Lange hatte der Preis einen nahezu unantastbar guten internationalen Ruf. Doch Preisvergaben etwa an die EU in einem der schlimmsten Krisenjahre der Organisation, an den erst frisch ins Amt gewählten US-Präsidenten Barack Obama und im vergangenen Jahr an die 17-jährige pakistanische Schülerin Malala Yousafzai haben zu viel Kritik geführt.

Dass ausgerechnet der norwegische Historiker Geir Lundestad, von 1990 bis 2015 Direktor des norwegischen Nobel-Instituts und Sekretär des norwegischen Friedensnobelkomitees, nun ein Enthüllungsbuch über die Interna des Preiskomitees veröffentlicht, heizt die Debatte um Reformen an. Noch nie zuvor hat ein internes Mitglied so offen über die Zustände Auskunft gegeben. Lundestad muss gar mit einer Klage wegen des Bruchs der Verschwiegenheit rechnen.

Es sei der Öffentlichkeit "zu wenig bis gar nichts" über die fünf Mitglieder der Friedensjury bekannt, kritisierte er in seinem Buch "Sekretär des Friedens - 25 Jahre mit dem Nobelpreis". Die Mitglieder werden nach den Mehrheitsverhältnissen im norwegischen Parlament ausgewählt - zumeist aus altgedienten Politikern. Lundestad bezeichnet Mitglieder als inkompetent und wirft ihnen fehlendes Interesse an Kernthemen und mangelnde Englischkenntnisse vor. "Das Parlament sollte sorgfältiger damit sein, wen es in dieses Komitee wählt", schreibt er.

Vor allem mit dem ehemaligen Juryvorsitzenden Thorbjörn Jagland, der inzwischen nur noch normales Jury-Mitglied ist, geht er hart ins Gericht. Der sozialdemokratische Ex-Premierminister habe "überraschend große Wissenslücken" in relevanten Bereichen, sei "sehr unorganisiert", "ein lausiger Führer", und "nicht bereit, von anderen zu lernen". Er sei damit einer der typischen unbeweglichen Politiker, welche die Professionalität der Jury nicht bereichere. Ehemalige Regierungschefs sollten gar nicht mehr im Gremium sitzen. "Es ist schwierig, die Welt von der Unabhängigkeit der Nobeljury im Staat Norwegen zu überzeugen, wenn darin ehemalige Regierungschefs sitzen", sagte er.

Aber auch andere Norweger stärken Lundestad zumindest teilweise den Rücken. So Kristian Harpviken, Direktor des Osloer Friedensforschungsinstitutes PRIO. "Ich denke nicht, dass der Preis in einer Krise steckt. Sein weltweites Ansehen ist intakt. Aber Reformen sind nötig". "Das Parlament sollte neben Politikern auch andere Experten, etwa aus der Wissenschaft, Friedensaktivisten oder außenpolitische Kommentatoren, in die Jury schicken." Harpviken geht noch weiter: "Auch glaube ich, dass es den Preis unabhängiger machen würde, wenn wir Ausländer in das Gremium einberufen würden." Allerdings seien Links- und Rechtsparteien im Parlament inzwischen einsichtiger und würden mehr an die Qualifikation der Kandidaten denken.

Norwegen leidet wirtschaftlich und politisch bis heute an der Auszeichnung für den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo 2010. China hat mit versteckten Sanktionen gegen Norwegen reagiert. Lundestad enthüllte, dass der damalige Außenminister Jonas Gahr Störe vergeblich versucht hatte, die Jury von der Vergabe abzubringen.

Insider wirft Osloer Friedensjury Intransparenz und Desinteresse vor
Der norwegische Historiker Geir Lundestad (links) rechnet mit dem Nobelpreiskomitee ab. Archivfoto:afp

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07.10.2015, 12:00 Uhr
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