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Tatwaffe: Torte

Input-Vortrag über Kommunikationsguerilla

Wenn Torten auf Präsidenten fliegen und Mönche sich kasteiend à la Monty Python über den Marktplatz laufen, dann spricht man von Kommunikationsguerilla (KG). Darüber sprach Marc Amann am Donnerstag bei einem Vortrag im Epplehaus.

13.04.2010

Kommunikationsguerilla ist die subversive Form des Protests, die Alternative zum Direktangriff. Ihre Mittel sind so facettenreich wie ihre Anliegen. KG will verwirren, indem sie vor dem Publikum Tatsachen in Frage stellt. Wem glaube ich was und warum? Ob mit unsichtbarem Theater, bei dem Passanten spielerisch in eine sozialkritische Situation verwickelt werden, oder als so genanntes Adbusting, bei dem bewusstseinsbeeinflussende Markenlogos umgemodelt werden, um sie zu verurteilen. Dieser Grundgedanke geht auf Roland Barthes zurück, der einmal sagte: „Ist die beste Subversion nicht die, Codes zu entstellen, statt sie zu zerstören?“. Heißt im Klartext: Die beste Gegenmaßnahme ist nicht die, eine Opposition aufzubauen, sondern dem Vorhandenen neue Regeln zu verpassen.

Unter anderem wurde die Kommunikationsguerillabewegung von vielen politischen Gruppierungen geprägt wie zum Beispiel von der autonomen a.f.r.i.k.a.-gruppe 1997 mit dem Buch „Handbuch der Kommunikationsguerilla – wie helfe ich mir selbst“. Auch die Studentenbewegung von 1968 mit der Kommune 1 und die Spontis (linke Aktivisten) lieferten ihren Beitrag dazu.

Doch warum das Ganze? Reicht es nicht, die Leute über Missstände aufzuklären? Leider nicht. „Viele Leute wollen nicht aufgeklärt werden“ sagt Marc Amann. Sinn der Aktionen ist nicht „das ständige Wiederholen, sondern die Wahrnehmung der Leute zu ändern“.

Die Probleme in der Gesellschaft, die KG ansprechen will, sind vielschichtig. Zum einen sind es die kapitalistischen Züge unseres Systems. „Wenn du Leute fragst, was sie von Kapitalismus halten, sagen sie, dass der schon gut ist. Schließlich gab es ihn ja schon immer.“ Das zeigt, so Marc Amann, dass viele es schon aufgegeben haben, an den gesellschaftlichen Verhältnissen zu zweifeln. Jedoch sind Dinge veränderbar. Genau dieses Unwissen hat sich die Kommunikationsguerilla als Arbeitsmittel zu eigen gemacht.

Um die Widersprüche sichtbar zu machen, greifen sie dann auch mal zur Polizistenuniform, um den Überwachungsstaat auf die Schippe zu nehmen. Und in Tübingen bekam Peter Gaehtgens, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, mal eine Torte ab – als Dank dafür, dass er sich so unermüdlich für Studiengebühren einsetzte.

Seit zwei Jahren lädt das INPUT-Organisationsteam jeden zweiten Donnerstag im Monat zu Vorträgen und Workshops ins Epplehaus ein. Dort werden ab 19 Uhr aktuelle politische Themen erklärt und diskutiert. Dazu müssen die Besucher nicht viel Vorwissen mitbringen, denn die Grundregel heißt: basic. Jede Veranstaltung ist eine Einführung in die jeweilige Thematik und bietet Aufklärung für jeden, der mit den Fachbegriffen noch nicht umgehen kann. Danach werden Fragen geklärt und Möglichkeiten erörtert, Missstände, insbesondere in Tübingen, aufzudecken, zu ändern und selbst aktiv zu werden.

Nun hat das INPUT-Team erstmals auch Ausflüge organisiert. Gleich am 25. April gibt es einen Antifaschistischen Stadtrundgang, bei dem Orte mit geschichtlicher Bedeutsamkeit besucht werden (Treffpunkt: 14 Uhr, Epplehaus). Am 13. Mai geht es weiter mit einem Workshop auf dem BUKO-Kongress (Gruppen mit Kapitalismus- und Globalisierungskritik) im Tübinger Sudhaus zum Thema Eigentum. Kritik am Islam muss nicht automatisch rassistisch sein. Das soll der Vortrag am 10. Juni beweisen. Wem fehlen nach rassistischen Witzen auch des öfteren die Worte? Wie gekontert werden kann, erfahren Besucher am 8. Juli um 19 Uhr im Epple. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Infos: http://input.blogsport.de

Edith Keller, 15

Input-Vortrag über Kommunikationsguerilla

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13.04.2010, 12:00 Uhr
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