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Kriminalität

Inkasso-Briefe: Wie man sich vor Abzocke schützen kann

Oft sind die Forderungen unberechtigt oder die Gebühren zu hoch. Mit einem Online-Fragebogen können Verbraucher dies nun selbst überprüfen.

04.04.2018

Von PIA REISER

Wenn eine unberechtigte Zahlungsaufforderung ins Haus flattert, ist es zunächst wichtig, zu widersprechen. Foto: Imago Stock&People

Ulm. Rund 500?000 EUR hat ein Ehepaar abgezockt, das wahllos unberechtigte Inkassoschreiben verschickt hat. Die teilweise eingeschüchterten Empfänger bezahlten. Jetzt muss sich das Ehepaar vor dem Landgericht verantworten. Die Inkasso-Masche ist weit verbreitet.

Als Engelbert Späth zwei Schreiben von einem Inkassounternehmen in seinem Briefkasten findet, ist er bestürzt. Er soll im vergangenen Sommer zwei iPhones bestellt und nie bezahlt haben. Jetzt wird er aufgefordert, die Rechnung von rund 2500 EUR zu begleichen, inklusive Gebühren des Inkassounternehmens. Solche Firmen verdienen ihr Geld damit, im Auftrag eines Gläubigers noch ausstehende Beträge von Schuldnern einzuziehen.

Sollte Engelbert Späth nicht pünktlich zahlen, drohe ihm ein Eintrag in der Schufa, heißt es in dem Brief. Doch der Ulmer hat die Telefone nie bestellt, weder Rechnung noch Mahnungen erhalten. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, erzählt er.

Späth ist einer von 5,8 Mio. Menschen, die schon Post von Inkassobüros erhalten haben. Zwei Drittel davon halten die Forderungen gegen sie für unberechtigt. Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nennt zwei Voraussetzungen, damit ein Inkassoanspruch gerechtfertigt ist: „Es muss ein wirksamer Vertrag zustande gekommen sein und ich muss in Verzug sein.“ In Verzug ist man dann, wenn man bereits eine Mahnung bekommen hat oder bei Vertragsschluss ein Zahlungstermin vereinbart wurde, der nicht eingehalten wurde.

Wenn eine unberechtigte Zahlungsaufforderung ins Haus flattert, ist es zunächst wichtig, zu widersprechen. „Am besten schriftlich und nicht mündlich. Wir empfehlen, es per Einwurf-Einschreiben zu schicken“, sagt Buttler, der bei der Verbraucherzentrale die Abteilung Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht leitet. Im besten Fall erkenne das Gegenüber, dass die Forderung unberechtigt ist. Im schlechtesten Falle kommen weitere und die Sache landet vor Gericht.

Beweise sammeln

„In dem gesamten Prozess würde ich empfehlen, Material zu sammeln, um zu beweisen, dass die Forderung unberechtigt ist“, sagt Buttler. Zwar liege die Beweislast bei demjenigen, der etwas will, also beispielsweise der Firma, bei der ein Handy bestellt wurde. „Aber die werden irgendwo eine Bestellbestätigung hervorziehen.“ Daher müsse man schlüssig erklären können, warum man den Kauf nicht getätigt hat.

Wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid im Briefkasten liegt, rät Buttler zum Widerspruch. „Wenn er nicht eingelegt wird, wäre die Summe sofort vollstreckbar.“ Man kann auch teilweise widersprechen, wenn etwa die Hauptforderung berechtigt ist, Gebühren aber falsch berechnet sind.

Denn die Inkasso-Unternehmen verlangen in rund zwei Dritteln der Fälle zu hohe Gebühren. Zu diesem Ergebnis kamen die Verbraucherzentralen 2016. Klassische Inkassokosten sind laut Buttler etwa Zinsen, maximal 20?EUR für Post- und Telekommunikationsdienstleistungen oder die Geschäftsgebühr, für die je nach Fall eine bestimmte Höhe festgelegt ist. So genannte Vernunftappell-Gebühren oder Hausbesuchsgebühren sind dagegen nicht rechtmäßig. Die Verbraucherzentralen haben kürzlich den Inkasso-Check gestartet (siehe Info), mit dem Nutzer überprüfen können, ob die Gebühren zu hoch angesetzt sind.

Drohungen sind meist illegal

Manchmal drohen die Inkasso-Unternehmen auch damit, das Konto zu pfänden oder den Arbeitgeber zu benachrichtigen. „Druck aufzubauen ist ein beliebtes Mittel, aber unzulässig“, sagt Oliver Buttler. Bei widerstrittenen Forderungen darf auch kein Schufa-Eintrag erfolgen. „Nur, wenn ein unstrittiger Betrag nicht geleistet wurde, kann das Inkasso-Unternehmen mit dem Eintrag in die Schufa drohen.“

Nicht alle Inkasso-Unternehmen seien Betrüger. Es kann auch sein, dass sie lediglich Forderungen für Anbieter ausführen, die betrogen haben, beispielsweise mit einer Abo-Falle – oder der Betrug an ganz anderer Stelle liegt.

Engelbert Späth aus Ulm jedenfalls hat Widerspruch bei dem Inkassobüro eingelegt. Zuvor war er jedoch bei der Polizei und hat Anzeige erstattet, gegen Unbekannt. Denn er weiß nicht, wer oder ob überhaupt jemand die iPhones auf seinen Namen bestellt hat. Er ist sich nur sicher: Er hat die Telefone nie geordert.

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Erstellt:
4. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
4. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. April 2018, 06:00 Uhr

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