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Petition für die Stille

Initiative kämpft gegen Lärm in Erholungsgebieten

Motorräder, Autos und Fluggeräte bringen immer mehr Lärm in Erholungsgebiete wie den Schwarzwald. Dagegen wendet sich eine Bundestags-Petition.

26.08.2016
  • PETRA WALHEIM

Freiburg. Menschen, die in der Natur Stille suchen, finden sie immer seltener. Selbst in den verlassensten Tälern oder auf den Bergen des Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb ist oft über weite Strecken das Gedröhne von Motorrädern, Sportwagen oder privaten Fluggeräten zu hören. Das Land versucht seit Jahren, Motorradfahrer mit Lärm-Messgeräten darauf aufmerksam zu machen, welchen Lärm sie verursachen. Für Kristian Raue aus dem Dreisamtal bei Freiburg geht das nicht weit genug. Er hat die Lärmschutz-Initiative „Rettet die Stille“ mitgegründet und mit ihr eine Bundestags-Petition auf den Weg gebracht. Die kann online unterstützt werden. Er verfolgt damit das Ziel, dass Erholungsgebiete Lärm-Umweltzonen einrichten können, in denen „niedrigere, effektive und nicht umgehbare Lärmgrenzwerte“ gelten, ähnlich der Abgas-Umweltzonen. Die Lärm-Umweltzonen sollen auch nur mit einer Plakette befahren werden dürfen.

Das Schlüsselerlebnis, das Kristian Raue dazu brachte, die Petition einzureichen, hatte er im November 2015. Er wanderte am Feldberg. „Das war bislang ein stiller Ort, an dem man ungestört der Natur lauschen konnte.“ Nur nicht an diesem Tag. Zwei lärmende Gyrocopter umkreisten den Gipfel. Das sind kleine Tragschrauber mit freiliegendem Motor, die ein nervtötendes, knatterndes Geräusch von sich geben. Wie sich das anhört, kann in einem Video auf der Homepage „rettet-die-stille.de verfolgt werden. „Einer hat Spaß und stört damit hunderte andere“, sagt Raue.

Er ist bei weitem nicht der einzige, der sich von der „Lärm-Verschmutzung“ belästigt fühlt. Auch Stefan Büchner, Leiter des Naturschutzzentrums Südschwarzwald, fühlt sich „massiv gestört“, vor allem vom Lärm der Motorräder, deren Fahrer voll aufdrehen. „Der Schluchsee ist dafür ein Paradebeispiel“, sagt Büchner. Auf der B500, die entlang des Sees führt, geben viele Fahrer Gas bis zum Anschlag. „Das Gedröhne ist kilometerweit durch das ganze Tal zu hören“, klagt Büchner. Das Tal wirke wie ein Schalltrichter.

Genau darauf legen es viele Motorradfahrer an. Sie genießen es, mit ihren Maschinen durch die Gegend zu dröhnen. Unter ihnen ist die Meinung weit verbreitet, ein Motorrad müsse einen „satten Sound“ haben. Darauf haben viele Hersteller reagiert und bauen extra lärmende Motorräder.

Das Land hat dagegen kaum eine Handhabe. Das Verkehrsministerium (VM) habe sich in der Vergangenheit auf Bundes- und EU-Ebene wiederholt dafür eingesetzt, dass die von Motorrädern ausgehende Lärmbelastung reduziert wird, heißt es in einer Stellungnahme. Seit dem 1. Januar 2016 gelte für die EU-Typgenehmigung zwar eine neue Messvorschrift. Doch die bilde „das reale Fahrverhalten von Motorrädern nach wie vor nur unzureichend im Lärm-Prüfzyklus ab“, heißt es aus dem Ministerium. Das VM hat das im Mai mit exemplarischen Messungen nachgewiesen und fordert weitere Verbesserungen. Vor allem auch deswegen, weil die neue Vorschrift nur für neue Motorräder gilt, nicht für die, die schon zugelassen sind.

Die Forderung von Raue nach Lärm-Umweltzonen würde dieses Problem umgehen. Könnten die Kommunen die Zonen einrichten, dürften dort nur Fahrzeuge fahren, die bestimmte Lärmgrenzwerte nicht überschreiten. Dafür bekommen sie eine Plakette. Nach Auskunft des VM gibt es für solche Zonen aktuell keine Rechtsgrundlage. Die müssten erst geschaffen werden. Auch gebe es noch keine Lärmgrenzwerte für Fahrzeuge.

Das Land kämpft seit Jahren gegen den Lärm, den Motorradfahrer verursachen. Vor knapp einem Jahr wurde an einer bei Motorradfahrern beliebten Strecke bei Todtmoos im Südschwarzwald der bis dahin bundesweit einzige Prototyp einer kombinierten Geschwindigkeits- und Lärmpegel-Messanlage installiert. Dort werden Motorradfahrer auf einem Display mit dem Schriftzug „Leiser“ darauf hingewiesen, dass sie zu laut unterwegs sind. In den Löwensteiner Bergen bei Heilbronn wurden zu Anfang des Jahres Leitpfosten gesetzt, in die Lärm- und Geschwindigkeits-Messer integriert sind. Auch dort werden die Biker auf Displays direkt über ihr Fahrverhalten informiert. Ob sie sich dadurch beeinflussen lassen, steht nach Auskunft des VM noch nicht fest. Die Messungen würden nach Abschluss der Motorradsaison im Oktober ausgewertet. Mit Ergebnissen sei zum Jahreswechsel zu rechnen.

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26.08.2016, 06:00 Uhr
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