Tübingen · Weihnachtsspendenaktion

Initiative für Mädchenarbeit: Hinsehen und eingreifen

Bei der Tübinger Initiative für Mädchenarbeit (Tima) warnte Julia von Weiler vor sexualisierter Gewalt mittels digitaler Medien.

17.12.2021

Von Dorothee Hermann

Initiative für Mädchenarbeit: Hinsehen und eingreifen

Durch digitale Medien könne sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche noch zunehmen, sagt die Psychologin Julia von Weiler. Sie ist Geschäftsführerin der deutschen Sektion von „Innocence in Danger“, einer Nichtregierungsorganisation gegen sexuellen Missbrauch. Vor kurzem warnte die 51-Jährige bei einem Online-Vortrag bei der Tübinger Initiative für Mädchenarbeit (Tima): „Digitale Medien erweitern und verstärken das Phänomen erheblich.“ Sie dienen zur Kontaktaufnahme und zum sogenannten Grooming zum Zweck einer sexuellen Gewalthandlung. Und sie ermöglichen Missbrauch, ohne dass Täter sich im gleichen Raum befinden müssen. Wenn sie beispielsweise Kinder dazu bringen, sich mit der Webcam selbst aufzunehmen. Es handle sich nicht ausschließlich um Männer. „Frauen sind ebenfalls Täterinnen, zu 25 bis 30 Prozent.“

Zudem ist der digitale Raum Ort für Missbrauchsdarstellungen, so von Weiler. Nach einer britischen Studie waren 98 Prozent der abgebildeten Kinder bei Livestream-Darstellungen 13 Jahre alt oder jünger. 96 Prozent waren allein in einer häuslichen Umgebung zu sehen, sagte sie. „Durch Smartphone oder Computer hat der Täter direkten, unbeobachteten Kontakt zum Kind. Das ist neu.“ Noch vor wenigen Jahren galt: „Wenn Kinder zuhause sind, sind sie sicher.“

Die Psychologin rät, nicht alles den Eltern anzulasten, Anbieter in die Pflicht zu nehmen und sichere Räume für Kinder zu schaffen. Das kann eine Gratwanderung sein: „Renne ich als Elternteil jetzt alle fünf Minuten hin und schaue, was sich auf dem Handy oder Tablet tut? Oder bringe ich mit zig Kontroll-Apps dem Kind bei, grundüberwacht zu werden?“

Nach ihren Beobachtungen wechselt die Haltung zu digitalen Medien vielfach zwischen Ohnmacht, Bagatellisierung, Überforderung und Hysterie. Doch wichtig sei, dass Erwachsene eine klare Haltung einnehmen, vor allem bei Grenzübertretungen. Wenn beispielsweise private Videos, die niemand sehen sollte, öffentlich gemacht werden und der Täter dafür auch noch jede Menge Likes einsammelt. Dann gelte: „Wir als Eltern müssen eingreifen.“ Und zwar auch dann, wenn das eigene Kind der Täter ist. Ein Beratungsangebot wie die Tima-Fachstelle für mädchenstärkende Gewaltprävention könne zunächst fragen: „Sind Aufnahmen entstanden? Sind diese Aufnahmen verbreitet worden?“

Digitale Medien verstärken sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen, sagte sie. Alle Kinder seien beteiligt: Jugendliche, die Gewalt erleiden; Jugendliche, die Gewalt ausüben und Jugendliche, die die Gewalt beobachten und nichts tun.

Zudem treffen Jugendliche online eher auf harte (auch gewaltvolle) Pornografie und teilweise auch auf Missbrauchsdarstellungen. Erwachsene oder Jugendliche nutzten den digitalen Raum, um Kinder zu manipulieren: zu physischem oder Livestream-Missbrauch. Teilweise würden Fotos als Erpressungsmittel eingesetzt.

Im Lockdown hätten Täter und Täterinnen den digitalen Raum noch stärker genutzt, selbst wenn der Täter das Kind analog kannte. „Er oder sie kann das Kind über das Smartphone jederzeit an jedem Ort erreichen.“ Digitale Medien, soziale Netzwerke und Onlinespiele seien längst Teil der Täter-Strategie.

Den Eltern rät die Psychologin: „Sie müssen wissen, was da draußen los ist und sich damit auseinandersetzen.“ Dann könnten Eltern hinsehen und eingreifen.

Booster für Mädchenarbeit (Tima) oder Gärtnerei

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Erstellt:
17.12.2021, 01:00 Uhr
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zuletzt aktualisiert: 17.12.2021, 01:00 Uhr

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