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Managern Haft erspart

Inhofer-Chefs verurteilt - Gericht sieht kein System hinter Sozialbetrug

Der Inhofer-Prozess ist beendet. Das Landgericht blieb mit seinen Urteilen unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Firmenchef Edgar Inhofer jedoch muss seine Geschäftsführer-Tätigkeit ruhen lassen.

15.10.2015
  • CARSTEN MUTH

Augsburg Was für ein Prozess. Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben sich attackiert, gezofft, kritisiert. Elf Verhandlungstage lang. Gestern nun wurden die Urteile am Landgericht Augsburg verkündet. Die dortige Wirtschaftskammer verurteilte die angeklagten Manager des Sendener Möbelhauses zu Bewährungs- und Geldstrafen - wegen Sozialbetrugs und Steuerhinterziehung. Der Gang ins Gefängnis bleibt den Chefs des Familienunternehmens erspart.

Geschäftsführer Edgar Inhofer erhielt ein Jahr und zehn Monate Haft. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der 50-Jährige eine 500 000 EUR Strafe bezahlen. Firmengründer August Inhofer verurteilte das Landgericht Augsburg zu elf Monaten auf Bewährung. Der 79-Jährige bekam überdies eine Geldstrafe in Höhe von 1 Mio. EUR. Verurteilt wurden zudem die früheren und derzeitigen Personalchefs Karl Inhofer (81) und Peter Schorr (42). Karl Inhofer muss 60 000 EUR zahlen, Schorr 45 000 EUR.

Das Gericht bliebt mit seinen Urteilssprüchen deutlich unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für Geschäftsführer Edgar Inhofer dreieinhalb Jahre Haft beantragt. Für Firmengründer August Inhofer forderten die Ankläger eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren und 5 Mio. EUR Geldstrafe. Die Verteidigung forderte maximal Bewährungsstrafen.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Natale sah es als erwiesen an, dass die Inhofer-Chefs zwischen 1999 und 2012 Mitarbeiter als freie Vertreter oder Subunternehmer beschäftigt haben - obwohl in etlichen Fällen eine abhängige Beschäftigung vorlag. Sozialversicherungsbeiträge sowie Umsatz- und Lohnsteuer wurden demnach nicht beglichen. Das Gericht sprach gestern von einem Gesamtschaden von 920 000 EUR. Die Hauptverhandlung habe viele Milderungsgründe erbracht, wie der Richter sagte. Viele gravierende Vorwürfe hätten sich im Lauf des Verfahrens abgeschwächt. Bei vielen mutmaßlichen Scheinselbstständigen habe es sich um freie Mitarbeiter gehandelt, die Natale "vagabundierende Möbelverkäufer" nannte, die sich nicht an einen Arbeitgeber binden wollten.

"Wir wollen den Schaden nicht bagatellisieren", sagte der Richter. Er betonte: "Der Schaden ist hoch." Gleichwohl sei die "strafrechtliche Entgleisung" bei Inhofer keineswegs Teil eines durchgehenden, illegalen, auf Gewinnmaximierung ausgelegten Systems gewesen. Vielmehr sei "das Problem in dem Unternehmen frühzeitig erkannt, aber eben "nicht kritisch hinterfragt" worden.

Die Angeklagten nahmen die Urteile gefasst auf. Alfred Sauter, Familienanwalt der Inhofers, bezog hinterher Stellung. Er sprach von einem harten Urteil, das dem Unternehmen jedoch alle Möglichkeiten lasse, in "verantwortlicher Weise weitergeführt zu werden". Edgar Inhofers Anwalt Walter Rubach wirkte erleichtert. Das Gericht habe das Urteil gut begründet, mit der Vermeidung einer Haftstrafe für seinen Mandanten sei das Ziel der Vereidigung erreicht. "Der Prozess war von persönlichen Animositäten bestimmt", sagte Rubach. In Richtung Staatsanwaltschaft fügte er hinzu: "Einige Leute haben sich hier mächtig verrannt."

Laut Gericht beträgt die Bewährungszeit bei Edgar Inhofer drei Jahre. So lange ruht seine Geschäftsführer-Tätigkeit.

Inhofer-Chefs verurteilt - Gericht sieht kein System hinter Sozialbetrug
Auf der Anklagebank: August Inhofer (links) und Edgar Inhofer (Mitte, neben seinem Anwalt Walter Rubach) wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Karl Inhofer (hinten) erhielt eine Geldstrafe. Die Aufnahme entstand während des Prozessauftakts im vergangenen Juli. Foto: Matthias Stelzer

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15.10.2015, 12:00 Uhr
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