Tübingen · Coronavirus

Infiziert beim Aprés-Ski in Ischgl

Als eine junge Tübingerin vor einigen Tagen im Tiroler Skiort war, habe sie nichts vom dortigen Virus-Brandherd geahnt.

18.03.2020

Von itz

So traumhaft war es für eine junge Frau und ihre Skigruppe in Ischgl. Die Hiobsbotschaft kam hinterher: Die Tübingerin hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Privatbild

An diesem Mittwoch haben die Gemeinde Ischgl und der Tourismusverband Paznaun-Ischgl eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht: „Kann man in einer solchen Situation alles richtig machen?“, fragen sie darin. Ischgl ist zur Brutstätte für das Virus geworden, fast zwei Wochen vergingen von Symptomen bei Island-Rückkehrern (29. Februar) bis zur Ernennung der Gegend zum Risikogebiet durch die Tiroler Behörden und das deutsche Robert-Koch-Institut (13. März).

Am 7. März meldete Ischgl seinen ersten offiziellen Corona-Fall: Ein 36-jähriger Barkeeper der Aprés-Ski-Hütte „Kitzloch“ wurde positiv getestet. Eine Mittzwanzigerin aus Tübingen hielt sich an jenem Abend mit drei Bekannten in der „Trofana Alm“ auf. Gemeinsam mit einer Stuttgarter Gruppe wurde dort gefeiert. Im „Kitzloch“ sei man jedoch nicht gewesen.

„Man weiß ja, wie es beim Aprés-Ski zugeht“, sagt sie am Mittwoch dem TAGBLATT. Die „Trofana Alm“ sei „genagelt voll“ gewesen, die Menschen tanzten dicht an dicht. Und mittendrin: das Coronavirus. „Mir wurde das erst klar, als ich die vielen Berichte hinterher gelesen habe“, erzählt die Tübingerin. „Vor Ort haben wir nichts mitbekommen“ – keine Hinweise, keine Warnungen. Weil noch nichts über die konkrete Ischgl-Gefahr bekannt war, habe man die Reise auch nicht abgesagt.

„Viele Skifahrer“ infiziert

Beim Gesundheitsamt hatte sich die Tübingerin vor einer Woche gemeldet, nachdem andere Feiernde von jenem Abend aus der „Trofana Alm“ positiv getestet worden waren. Wie Amtssprecherin Martina Guizetti bestätigt, gibt es inzwischen mehrere infizierte Ischgl-Rückkehrer im Kreis. Ohnehin seien „viele Skifahrer“ unter den hiesigen Corona-Fällen.

Nach ihrer Ischgl-Rückkehr hatte die Tübingerin Husten bekommen, sich schlapp gefühlt – Symptome, die bis heute anhalten. Ansonsten empfinde sie die Krankheit, die ihr am Sonntag bestätigt wurde, als „nicht so schlimm“. In Quarantäne könne sie leichte Tätigkeiten im Haushalt erledigen, zwischendurch schlafe sie viel.

Und muss sich gedulden: Weitere sieben Tage werden vergehen, wenn sie dann 48 Stunden symptomfrei ist, gilt sie als geheilt. „Ich würde mich sicherer fühlen, wenn ich einen Nachtest hätte“, sagt sie. Den gibt es inzwischen nur noch nach schwerem Verlauf und einem Klinik-Aufenthalt.

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Erstellt:
18. März 2020, 19:14 Uhr
Aktualisiert:
18. März 2020, 19:14 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. März 2020, 19:14 Uhr

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