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Prozess auf Mallorca: Königsschwester Cristina von heute an wieder vor Gericht

Infantin will Rede und Antwort stehen

Infantin Cristina ist in der Geschichte der spanischen Monarchie die erste nahe Verwandte eines Königs, die in einem Finanzverfahren auf der Anklagebank sitzt. Heute wird es ernst für Felipes Schwester.

09.02.2016

Von DPA

Infantin Cristina mit ihrem Ehemann I·aki Urdangarín. Die Schwester von König Felipe VI. will in Palma de Mallorca aussagen. Foto: dpa

Palma de Mallorca. Für Königsschwester Cristina rückt in Spanien die Stunde der Wahrheit näher. Der historische Prozess gegen die Infantin, ihren Ehemann I·aki Urdangarín sowie 16 weitere Angeklagte um einen millionenschweren Finanz- und Steuerskandal wird nach der formellen Eröffnung am 11. Januar heute in Palma de Mallorca wiederaufgenommen. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen will das Gericht auf der Urlaubsinsel mit der Vernehmung von Angeklagten und Zeugen beginnen.

Cristina, die Nummer sechs in der Thronfolge, ist in der Geschichte der spanischen Monarchie die erste nahe Verwandte eines Königs, die in einem Finanzverfahren angeklagt ist. Der 50 Jahre alten Schwester von König Felipe VI. (48) wird zur Last gelegt, ihrem Mann Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet zu haben. Der frühere Handballstar Urdangarín (48) ist einer der Hauptangeklagten in dem Verfahren.

Cristinas Anwalt Miquel Roca sagte diese Woche im spanischen Fernsehen, seine Mandantin werde vom Recht der Aussageverweigerung nicht Gebrauch machen und auf Mallorca Rede und Antwort stehen. "Sie wird in der Lage sein, Antworten auf die Fragen zu geben", so Roca.

Die Infantin soll bei der bis zum 26. Februar angesetzten Vernehmung der Angeklagten allerdings erst als Letzte drankommen. Alle Angeklagten, also auch Cristina, müssen jedoch durchgehend im Gerichtssaal anwesend sein.

Cristinas Ehemann soll als Präsident der gemeinnützigen Stiftung Nóos mit einem Geschäftspartner rund sechs Millionen Euro Steuergeld unterschlagen haben. Die Infantin beteuerte in den Vernehmungen durch den Ermittlungsrichter, von den Geschäften ihres Mannes nichts gewusst zu haben. Sie habe ihrem Ehemann vertraut und alle Papiere, die dieser ihr vorgelegt habe, bedenkenlos unterschrieben, erklärte die in Genf für eine Bank arbeitende Infantin.

Für Urdangarín fordern die Ankläger knapp 20 Jahre Haft. Im Falle Cristinas hatten sich der zuständige Sonderstaatsanwalt und auch die Steuerbehörde zwar gegen eine Anklageerhebung ausgesprochen. Die Gewerkschaft Manos Limpias (Saubere Hände) forderte aber als Nebenkläger für Cristina acht Jahre Haft und eine Geldstrafe von zwei Millionen Euro. Ein Freiheitsentzug gilt zwar als möglich, aber eher unwahrscheinlich.

Laut Prozessprogramm sollen die knapp 400 Zeugen, darunter der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Ex-Wirtschaftsminister Rodrigo Rato, vor den drei Richterinnen zwischen dem 8. März und dem 17. Mai angehört werden. Das Ende des Verfahrens und der Beginn der Beratungen über die Urteilsfindungen wurden für den 30. Juni anberaumt.

Der Skandal hatte dem Ansehen der Monarchie in Spanien schweren Schaden zugefügt. Sowohl das Königshaus als auch die konservative Regierung von Ministerpräsident Rajoy betonten unterdessen mehrfach, jede Entscheidung der Justiz müsse respektiert werden.

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Erstellt:
9. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
9. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Februar 2016, 08:30 Uhr

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