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Infantin Cristinas Welt
Infantin Cristina sagte aus - aber nur ihrem Anwalt gegenüber. Foto: dpa
Die Schwester des spanischen Königs sagt erstmals vor Gericht aus

Infantin Cristinas Welt

Im Korruptionsverfahren um das Instituto Nóos wurden alle 17 Angeklagten vernommen. Zuletzt Infantin Cristina. Sie wusste von nichts, sagt sie.

05.03.2016
  • MARTIN DAHMS

Palma. Das Verfahren hatte eben begonnen, da verplapperte sich Manuel González, Anwalt eines der Angeklagten: "In meiner Eigenschaft als sexuell Heterodoxer . . .", setzte er an - eigentlich hatte er "prozessual Heterodoxer" sagen wollen. Gelächter im Gerichtssaal. In einer hinteren Ecke des Saals in Palma de Mallorca saß Cristina de Borbón y Grecia und verzog keine Miene. Als hätte sie den Versprecher nicht gehört, eingesponnen in ihrer eigenen Welt, anwesend, aber nicht dabei.

Fast acht Wochen lang saß Cristina (50), Schwester des spanischen Königs Felipe, unbewegt auf dem Stuhl, den Blick ins Leere gerichtet, während ein Angeklagter nach dem anderen vernommen wurde. Jetzt war sie dran, als Letzte der Beschuldigten im Fall Nóos, einem der aufsehenerregendsten Korruptionsverfahren in Spaniens Geschichte.

In die Infantin kam ein wenig Leben. Sie antwortete auf Fragen ihres Anwalts. Die Spanier konnten sie sprechen hören wie irgendeine beliebige Person, wo doch Mitglieder des Königshauses sonst nur Reden verlesen. Die Monarchie war im richtigen Leben angekommen.

Die Spanier sind keine glühenden Monarchisten wie die Briten oder die Niederländer, aber sie waren es lange gewohnt - seit der Thronbesteigung von Felipes Vater Juan Carlos 1975 -, die Königsfamilie für etwas Besonderes zu halten. Von dieser Aura ist in den letzten Jahren viel verloren gegangen, was wesentlich an diesem Verfahren liegt. Der Schwiegersohn von Juan Carlos und Schwager von Felipe, I·aki Urdangarin, soll sich jahrelang illegal auf Kosten der Regionalregierungen von Valencia und der Balearen bereichert haben, indem er mit seinem vorgeblich gemeinnützigen "Instituto Nóos" Kongresse von zweifelhaftem Nutzen organisierte und dafür überhöhte Honorare kassierte. Ein klassischer Fall von Korruption. Von königlicher Korruption.

Von den Geschäften ihres Mannes profitierte auch Cristina. Deswegen sitzt sie mit ihm auf der Anklagebank. Knapp eine Million Euro Nóos-Honorare gingen auf das Konto einer Gesellschaft mit Namen Aizóon, die zu 50 Prozent der Infantin gehörte und zu 50 Prozent Urdangarin. Die Einkünfte versteuerten die beiden aber nicht. Stattdessen deklarierten sie private Ausgaben - eine Afrika-Safari mit der ganzen Familie, Harry-Potter-Bücher, Frisörbesuche, Blumen, Wein - als Geschäftsausgaben. So steht es in der Anklageschrift.

"Ich habe meinem Mann vertraut", sagte Cristina in der Vernehmung durch ihren Anwalt, den einzigen, auf dessen Fragen sie antwortete. Natürlich habe sie sich vom Königshaus beraten lassen. Von dort seien keine Einwände gekommen.

Ähnlich hatten vor ihr Urdangarin und dessen Geschäftspartner argumentiert: Das Königshaus war auf dem Laufenden, also sei alles legal gewesen. Wie während der ersten Prozesswochen im Gerichtssaal war Cristina offenbar jahrelang in einer eigenen Welt gefangen, in der sie nichts von dem berühren konnte, was um sie herum geschah.

Das Verfahren wird noch mindestens drei Monate dauern.

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05.03.2016, 08:30 Uhr
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