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In einer Woche kommt das Mössinger Handelszentrum unter den Hammer
Immobilie mit großstädtischer Dimension am Mössinger Stadtrand: Für das Delicasa wird ein neuer Eigentümer gesucht.Bild: Franke
Delicasa wird zwangsversteigert

In einer Woche kommt das Mössinger Handelszentrum unter den Hammer

Nachdem kein Käufer für das Mössinger Handels- und Dienstleistungszentrum Delicasa gefunden wurde, wird die Immobilie am Montag, 22. Februar, durch das Amtsgericht Tübingen zwangsversteigert.

13.02.2016
  • Susanne Wiedmann

Mössingen. Nicht, dass es keine Interessenten gegeben hätte. Letztlich scheiterte der Verkauf des Delicasa jedoch an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Mehrere Banken sind Gläubiger des Nachlasses des verstorbenen Unternehmers Wilhelm Neth. „Eine Bank ist nicht bereit gewesen, zu einem bestimmten Kaufpreis zu veräußern“, erklärt Gerhard Walter, Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter auf TAGBLATT-Nachfrage.

Ohnehin ist das Delicasa im Gewerbegebiet Schlattwiesen ein schwieriges Objekt. Einerseits durch seine Lage an der Peripherie Mössingens und seine überdimensionierte Größe. Insbesondere jedoch durch die heterogene Nutzung. Walter sagt: „Wir haben über längere Zeit versucht, die Immobilie freiverkäuflich zu veräußern.“

Mit einem Verkehrswert von 4,9Millionen Euro ist das Handels- und Gewerbezentrum angesetzt. Es bietet Platz für 15 Gewerbeeinheiten und eine Wohnung – unter anderem sind derzeit Hofmarkt samt Metzgerei, China-Restaurant, Sportstudio, Friseursalon und Gärtnerei darin untergebracht. Die Gesamtmietfläche beträgt fast 5000 Quadratmeter. Das Gebäude sei „in gutem bis mittlerem Unterhaltungszustand“, heißt es in der Beschreibung des Vollstreckungsgerichts Tübingen.

Was bedeutet der Verkauf für die Geschäfte? „Die Mietverträge laufen ganz normal. Kauf bricht Miete nicht“, erklärt Walter. Der Insolvenzverwalter geht sogar davon aus, dass ein neuer Eigentümer „hoffentlich eine gewisse Sicherheit“ für die Beschäftigten bringe.

Der im Juli 2012 verstorbene Mössinger Unternehmer Wilhelm Neth hatte das Delicasa gemeinsam mit seiner Tochter Alexandra gebaut, die nur wenige Monate vor ihrem Vater starb.

Ein gewaltiges Gebäude aus zwei dreigeschossigen Baukörpern, die durch einen glasüberdachten Innenhof verbunden sind. Wilhelm Neth bezeichnete das Delicasa einmal als seinen „Jugendtraum“. Seine Vorbilder lagen in Paris, London und in Mailand. Als das Delicasa 2004 eröffnet wurde, sagte Altbürgermeister Hans Auer: „Sie haben hier ein Zentrum geschaffen mit einem Mut, der unser aller Bewunderung verdient.“ Doch die großstädtische Dimension war eine wesentliche Ursache dafür, dass Neths ganzes Firmenimperium in eine finanzielle Schieflage geriet. Die Schulden hatten mit den meisten Betrieben im Inneren nichts zu tun. Aber die Auslastung des Delicasa war über die Jahre nie so, dass sie die Kosten deckte. Die im Gesamten unrentable Immobilie musste durch weitere Neth-Firmen mitgetragen werden – unter anderem mit dem Geld seiner Maschinenfabrik. Nach dem Tod des Unternehmers schlugen die Erben den Nachlass aus, da sich das Firmen-Konglomerat als völlig überschuldet erwiesen hatte. Da Neth seine Betriebe allesamt als Ein-Personen-Unternehmen geführt hatte und selbst, wie die Angehörigen versicherten, die Geschäfte vor Vertrauten geheim gehalten habe, seien auch sie von dem hochverschuldeten Erbe überrascht gewesen und beantragten Nachlass-Insolvenz.

Noch sei das Mindestgebot durch den Rechtspfleger nicht erstellt, sagt Rainer Ziegler, Direktor des Amtsgerichts Tübingen, unserer Zeitung. Zu Beginn der Versteigerung werde es bekanntgegeben. „Wenn das Objekt nicht beliebt ist, kann es durchaus sein, dass es noch weitere Termine geben wird.“ Denn auf Antrag der Gläubiger könne beim ersten Termin der Zuschlag verweigert werden, wenn das höchste Gebot bei weniger als 70 Prozent des Verkehrswertes liege. Entspricht das Höchstgebot nicht einmal der Hälfte des Verkehrswertes, muss das Gericht den Zuschlag von Amts wegen versagen. Es wird einen neuen Termin bestimmen, bei dem diese Grenzen nicht mehr gelten. Wenn gar kein Gebot abgegeben würde, wird das Verfahren eingestellt. Dann müssten es die Gläuber erneut beantragen.

„Schade, dass es so gelaufen ist“, sagt Birgit Neth-Bettù, Tochter des Delicasa-Gründers. „Aber es belastet mich nicht so, dass ich emotional darunter leide. Ich habe zu wenig mitbekommen.“ Die Agraringenieurin lebte 25 Jahre in Südamerika. Nach dem Tod des Vaters übernahm sie als Geschäftsführerin die beiden Betriebe Hofmarkt und Hofgut Jungviehweide aus dem Nachlass. „Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist ganz normal, weil es die Mieter ja nicht betrifft“, sagt Neth-Bettù. „Die Immoblilie wechselt den Besitzer, sie verschwindet ja nicht. Gründer werden mein Vater und meine Schwester bleiben.“ Sie sehe die Versteigerung nüchtern und realistisch. „Ich bin Optimistin.“

Was vom Neth-Nachlass blieb

Neben dem Delicasa war die Maschinenfabrik Kernstück des Neth-Nachlasses. Nur knapp zwei Jahre nachdem Klaus Heim, dessen Maschinenbaufirma damals noch ihren Hauptsitz in Kirchentellinsfurt hatte, die Mössinger Maschinenfabrik aus der Insolvenzmasse gekauft hatte, wurde sie Ende 2014 geschlossen. Zwei Dutzend Mitarbeiter wurden entlassen. Wenn das Delicasa einen neuen Eigentümer findet, seien „im Wesentlichen“ die Immobilien aus dem Nachlass veräußert, betont der Insolvenzverwalter. Es könne jedoch sein, dass es noch unbebaute Grundstücke in der„Peripherie“ gebe, die separat zwangsversteigert werden müssten.

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13.02.2016, 01:00 Uhr
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