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In einer Residenz bei Los Angeles verbringen viele frühere Filmschaffende ihren Lebensabend
„Ich bin der Kerl, der ein Rendezvous mit Marilyn Monroe abgesagt hat“: Bob Mirisch, ehemaliger Filmanwalt. Foto: afp
Hollywoods Goldenes Zeitalter lebt fort – im Seniorenheim

In einer Residenz bei Los Angeles verbringen viele frühere Filmschaffende ihren Lebensabend

Die einen arbeiteten als Schauspieler, die anderen als Schneider oder an der Maske. Und sie blieben vereint – in einem Seniorenheim bei Los Angeles.

12.07.2016
  • JOCELYNE ZABLIT, AFP

Los Angeles. Ein Bewohner erinnert sich wehmütig daran, dass er einst ein Rendezvous mit Marilyn Monroe sausen ließ. Ein anderer schwärmt davon, was für ein liebenswerter Mann Marlon Brando gewesen sei. Und eine 103-jährige Schauspielerin erzählt Geschichten von Frank Sinatra, mit dem sie einst zusammengearbeitet hat. An diesem Ort, das wird schnell klar, lebt das Goldene Zeitalter Hollywoods fort. Es ist eine Residenz nördlich von Los Angeles, in der frühere Größen der Filmbranche ihren Lebensabend verbringen.

Die weitläufige Anlage in Woodland Hills wird von der gemeinnützigen Stiftung Motion Picture and Television Fund (MPTF) betrieben. Die spendenfinanzierte Organisation wurde 1921 von Hollywoodpionieren wie Charlie Chaplin und Douglas Fairbanks gegründet und kümmert sich bis heute um Filmschaffende mit Geldproblemen.

Etwa die Hälfte der 165 Bewohner zahlt selber für ihre Unterbringung, für die andere Hälfte übernimmt die Stiftung die Kosten. Einige der Bewohner sind in der Filmbranche bis heute bekannt, andere wirkten zu ihrer Zeit hinter den Kulissen.

Die Seniorenresidenz, in der der pensionierte Johnny Weissmüller einst während seiner Spaziergänge seinen berühmten Tarzan-Schrei ausgestoßen haben soll, ist ein faszinierender Ort für Hollywood-Nostalgiker. „Die Leute hier haben jeden denkbaren Job für Film und Fernsehen ausgeübt“, sagt MPTF-Chef Bob Beitcher. In der Anlage wohnten Regisseure, Schauspieler, Drehbuchschreiber, Trickfilmzeichner, Kostümausstatter, Haarstylisten und Make-Up-Artisten.

Zu den Bewohnern gehört Steven Kohler, der als Dekorateur mit vielen Weltstars zu tun hatte. „Oh ja, die Crew saß manchmal während der Drehs zum Mittagessen zusammen“, erinnert sich der 87-Jährige. Das war während seiner Arbeit für „Doktor Schiwago“ (1965) mit den Hauptdarstellern Omar Sharif und Julie Christie. Marlon Brando, dessen Bekanntschaft er während der Arbeit an „Meuterei auf der Bounty“ (1962) machte, war nach seiner Schilderung ein Mann mit großem Herz – womit er dem Rüpel-Image der Filmlegende widerspricht: „Brando war sehr großzügig. Er half Menschen, ohne dass jemand davon erfuhr.“

Robert Mirisch (77), dessen Familie einst eine der größten unabhängigen Filmproduktionsfirmen betrieb, erzählt besonders gern von Marilyn Monroe. Er hatte die Schauspielerin während der Dreharbeiten zu „Manche mögen’s heiß“ (1959) kennengelernt und sie lud ihn ein, sie zu einer Filmpremiere in New York zu begleiten. Doch Mirisch sagte höflich ab, denn er wollte seinen kranken Vater besuchen. „Ich bin also der Kerl, der ein Rendezvous mit Marilyn Monroe abgesagt hat – und mein Vater war so frech, danach noch viele Jahre weiterzuleben.“

Doch das Leben in der Residenz besteht nicht nur darin, von den alten Zeiten zu erzählen, Poker zu spielen oder Runden in dem – von Jodie Foster gestifteten – Pool zu schwimmen. Einige Pensionäre seitzen ihre kreativen Energien ein, um für einen hausinternen Fernsehkanal eigene Sendungen produzieren. Darunter sind eine Comedy-Serie, Dokumentationen und Spielshows. Aber auch Hollywoodfilme werden natürlich in dem Kanal gezeigt.

Und einige der Bewohner sind sogar noch beruflich aktiv – etwa die 103-jährige Connie Sawyer. Sie spielte in dutzenden Filmen und Fernsehserien mit, darunter an der Seite von Frank Sinatra in der Komödie „Eine Nummer zu groß“ (1959).

Im vergangenen Jahr trat Sawyer in einem Werbespot auf, der während des Football-Finales „Super Bowl“ ausgestrahlt wurde. Und vor kurzem spielte sie für einen Rolle in einem Horrorfilm vor. Allerdings sei es inzwischen schwierig, Arbeit zu finden, gibt sie zu, „da nicht viele Rollen für ältere Frauen geschrieben werden“.

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12.07.2016, 06:00 Uhr
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