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Der Sprache auf der Spur

In einem speziellen Theatercamp lernen Kinder spielerisch Deutsch

Die Aischbachschule ist in den Ferien belebt. 65 Grundschulkinder studieren ein Theaterstück ein und verbessern nebenbei ihre Deutschkenntnisse. Die Stadt erweitert jetzt das Projekt. Künftig wird es an drei Tübinger Schulen Theater-AGs geben.

05.06.2015

Von Leoni Schmidt-Enke & Julia Faulhaber

Tübingen. „Deutsch!“ ist die spontane Antwort des elfjährigen Jovans auf die Frage: „Was macht dich glücklich?“ Er stammt aus Serbien und ist eins von 65 Grundschulkindern, die beim städtischen Pfingstferienprogramm spielerisch ihr Deutsch verbessern. Die meisten von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Betreut werden die Kinder von 20 freiwilligen Studierenden des Fachs „Deutsch als Zweitsprache“. „Ich finde die Verbindung zwischen Sprachförderung und Theater spannend“, sagt Sarah Unger. Die Studentin musste nicht lange überlegen, um ihre Pfingstferien für dieses Projekt zu opfern. Entwickelt und beaufsichtigt wird das Camp außerdem von Sozial- und Theaterpädagogen, einer Choreografin und Erziehern.

„Rumpeldipumpel – Auf heißer Spur“ heißt das Theaterstück, das die Kinder einüben. Eine Detektivgeschichte, die in der Schule spielt. Gerade für viele Schüler mit Sprachschwierigkeiten ist das ein unbeliebter Ort. „Wir haben hier Kinder, die keinen Bock mehr aufs Schreiben haben, weil sie in der Schule immer ein rotes Blatt zurückbekommen“, sagt Doreen Bryant, Professorin für den Studiengang „Deutsch als Zweitsprache“.

Die Kinder schlüpfen für zwei Wochen in ihre Rollen als Lehrer, Reporter, Maler, Hausmeister oder Detektiv und verbessern nebenher ihre Deutschkenntnisse. Vormittags lernen sie – aber nicht mit Tafel und Schreibheft, sondern immer bei Aufgaben, die einen Bezug zur Rolle im Stück haben. Das motiviert die Schüler, kreativ mit der deutschen Sprache umzugehen. Etwa wenn sie sich gegenseitig Briefe schreiben.

In den Pausen lernen Studenten von Kindern

„Es macht total glücklich zu sehen, wie ein ehemaliger Schreibverweigerer am Ende des Camps zur Tafel rennt“, beschreibt Uta Schwarz-Österreicher, die städtische Fachbereichsleiterin für Schule und Soziales, die Erfolgserlebnisse der Kinder. Sie freut sich besonders, dass das Projekt dieses Jahr nach den Pfingstferien noch nicht abgeschlossen ist: In drei Tübinger Schulen wird es bis 2017 eine regelmäßige Theater-AG mit der gleichen „dramagrammatischen Methode“, wie es in der Fachsprache heißt, geben.

In den Pausen drehen die Kinder oft den Spieß um und bringen „ihren“ Studenten einige Sätze auf Griechisch oder Türkisch bei. Bryant und die Studenten haben die Kinder in verschiedene Gruppen eingeteilt – je nach ihren Sprachfähigkeiten. In den Gruppen, vom Maler bis zum Reporter, lernen die Zweit- bis Viertklässler gezielt das, was ihnen noch schwer fällt. „Schwierig sind für viele zum Beispiel Relativsätze“, sagt Bryant.

Im großen Garten der Aischbachschule stehen liebevoll selbstgebaute Holzhütten, Dosentelefone und eine „magischen Zaubermaschine“, deren Geheimnis erst am Ende der Aufführung gelüftet wird. Dazwischen üben die Kinder ihre Rollen.

Einige der Mädchen und Jungen sind bereits zum zweiten Mal dabei. Die Kinder hatten offensichtlich Spaß an ihren Rollen und Requisiten. Die Maler rannten stolz in ihren blauen Kitteln herum. Die Reporter knipsten eifrig mit ihren Kameras. Zu ihnen gehörte auch Tamara, die vor wenigen Jahren mit ihrer Familie aus Mazedonien kam. Die Achtjährige freut sich schon auf die Aufführung, ist aber auch ein wenig aufgeregt.

Das Projekt sei „unerhört aufwendig“, sagt Bryant. Aber es lohne sich allemal, weil die Kinder viele Fortschritte machen. Das Ferienangebot kommt auch bei Eltern und Schulen gut an. Das sieht Bryant an den Rückmeldungen.

Einen Robotertanz führte der Detektivclub des städtischen Theatercamps auf. Zuvor hatten sie sich überlegt, was ein Roboter alles können muss – und dabei nebenbei die deutsche Sprache ein bisschen besser gelernt. Bild: Faden

Die Kinder führen die Detektivgeschichte „Rumpeldipumpel – auf heißer Spur“ einmalig am heutigen Freitag, 5. Juni, um 16 Uhr für ihre Familien auf dem Gelände der Aischbachschule (Sindelfinger Straße 1)auf. Die Kulisse für ihr Theaterstück haben die Zweit- bis Viertklässler selbst gebaut. Das Kooperationsprojekt des Deutschen Seminars der Universität Tübingen, des Landestheaters Tübingen und des städtischen Fachbereichs Familie, Schule, Sport und Soziales gibt es zum dritten Mal. Die 65 Kinder, deren Muttersprache nicht deutsch ist, sollen spielerisch an die deutsche Grammatik herangeführt werden. Finanziell unterstützt wird das Projekt durch die Tübinger Firma Erbe Elektromedizin, die Stadtwerke und die Firma Gerhard Rösch.

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Erstellt:
5. Juni 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Juni 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Juni 2015, 12:00 Uhr

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