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Leitartikel Berlinale

In der Zwickmühle

Wenn ein Film erfolgreich ist, fällt den Machern meist nur eins ein: mehr davon. Die Berlinale, deren 68. Jahrgang nun zu Ende geht, ist freilich derzeit nicht so ein umjubelter Hit, dass sie einfach so fortgesetzt werden wird.

24.02.2018
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Berlin. Im Herbst hatten 79 Filmemacher von Fatih Akin über Maren Ade bis Volker Schlöndorff, viele davon auf Berlinalen gekürt und gefeiert, einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie eine Erneuerung des Festivals forderten. 2019 endet der Vertrag von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick, die Chance der Neubesetzung müsste für eine Auffrischung und Entschlackung genutzt werden.

Wer die letzten Berlinalen Revue passieren lässt, wird dem wohl zustimmen: Das Festival hat sich programmatisch verzettelt, scheint teils seiner Relevanz beraubt. Andererseits hat Kosslick die Berlinale als größtes Publikumsfestival der Welt mit mehr als 330 000 verkauften Karten weiter ausgebaut. Ja, er steht für das „kulinarische Kino“, aber ebenso für eine politische Agenda.

Wenn es nun um Kosslicks Nachfolge geht, sollte man sich nicht nur mit Namen beschäftigen, sondern mit der Struktur. Ist ein alleiniger Direktor noch in der Lage, alle Aufgaben wahrzunehmen? Doch egal, wer Kosslicks Hut aufsetzt und wie die Spitze aufgestellt wird, der oder die neuen Macher stecken in einer Zwickmühle. Oder in mehreren Zwickmühlen.

Denn der Spagat zwischen Ambition und Glamour, zwischen Hollywood und Weltkino wird immer schwieriger. Das beginnt mit der Termin-Situation. Die gewichtigen amerikanischen Produktionen, die Oscar-Kandidaten, gehen bereits im Herbst, auf den Festspielen von Venedig und Toronto, an den Start. Im Februar sind sie längst vom Markt. Für den nächsten US-Filmjahrgang, besonders aus der Indie-Sparte, hingegen ist das wenige Wochen vor der Berlinale stattfindende Sundance-Festival wichtiger. Und viele Filmemacher des Weltkinos von Südamerika über Europa bis Asien hoffen darauf, im Mai in Cannes unter Palmen zu landen.

Und dann ist da noch die Haltung der Filmstudios zur Berlinale. Die ganz Großen, die sogenannten Majors, interessieren sich fast nur noch für Blockbuster. Mit dem Independent-Kino allein lässt sich aber auch kein A-Festival bestücken. Und was ist mit den finanziell und auch kreativ potenten, immer wichtigeren neueren Playern wie Amazon oder Netflix? Die haben sich noch gar nicht entschieden, ob sie auf dem internationalen Festival-Zirkus überhaupt in einer tragenden Rollen mitspielen wollen.

Die künftige Leitung hat es also mit einer komplexen Gemengelage zu tun. Für Dieter Kosslick, den zuletzt so gescholtenen, wird es aber ein Happy End geben. Denn egal, was nun an Kritik geäußert wird – eines ist gewiss: 2019 werden Elogen auf ihn geschrieben, werden seine Verdienste gewürdigt, werden viele schreiben und sagen, wie schade es doch ist, dass er geht. Und das ist es ja durchaus! Genauso wie es gut ist, dass danach etwas Neues folgt. Denn eigentlich sind Fortsetzungen langweilig.

leitartikel@swp.de

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24.02.2018, 06:00 Uhr
In der Zwickmühle





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