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Schwarze Tauben wieder da

In der Platanenallee lebt die letzte Dohlenkolonie der Stadt

Vor 100 Jahren galten Dohlen am mittleren Neckar als Plage. Seitdem ist der Bestand der Rabenvögel um etwa 80 Prozent zurückgegangen. Die letzte vorhandene Kolonie in Tübingen siedelt in der Platanenallee.

06.01.2010
  • Michael Sturm

Tübingen. Was haben städtische Baumpflegemaßnahmen mit vergitterten Kaminen in der Tübinger Südstadt und modernen Schallschutzfenstern in Kirchen zu tun? Alles dies sind Gründe, dass dort keine Dohlen (mehr) siedeln – vor allem in den 80er Jahren ging ihr Bestand in den Gemeinden zwischen Horb und Tübingen zurück.

Aus den Chroniken der Gemeinden in diesem Bereich geht anderes hervor: Dohlen galten im mittleren Neckarraum lange Zeit als Plage. Noch heute nisten die grau-schwarzen Rabenvögel zwar in Wäldern (dort bevorzugt in verlassenen Schwarzspechthöhlen), aber – damals wie heute – eben auch in unmittelbarer Nähe des Menschen: In alten Gebäuden (Kirchen, Türmen, generell Ruinen) und vor allem in Kaminen.

Das wiederum birgt ein Problem: Die klugen Dohlen lassen kleine Stöckchen in die Kaminöffnungen fallen. Verhaken sie sich, kann der Vogel dort ein Nest bauen. Fallen sie durch, fliegen die Vögel weiter. Manch ein Schornsteinfeger verdiente sich sein Geld damit, die Hinterlassenschaft der „schwarzen Tauben“ zu entfernen.

Dabei gelten Dohlen als Steppenvögel: „Sie mögen offene, weite Flächen“, erklärt Andreas Lämmert bei einem Vortrag Ende November im geowissenschaftlichen Institut. Das merkt man am Futterverhalten der Tiere. Das Lieblingsgebiet der Tübinger Dohlen sei der Saiben, das unbebaute Gebiet hinter dem Regierungspräsidium – dem Brutplatz Platanenallee nahe genug, um beim Futtersammeln Energie zu sparen.

Dass die Platanenallee nach wie vor als zentrale Sammelstelle der Tübinger Dohlen gilt, ist dem Verein für Erhaltung bedrohter Tierarten und ihrer Lebensräume (kurz: VEbTiL) zu verdanken, dem Andreas Lämmert angehört. Als die Bäume in den 90er Jahren saniert wurden, fielen gleichzeitig viele Brutplätze weg. Lämmert und seine Mitarbeiter brachten 1998 jedoch Nistkästen an, die nach etwa einem Jahr angenommen wurden. Eine auf der Neckarinsel später angebrachte zweite Kastengruppe sei sofort bezogen worden. Darüber hinaus gibt es dort noch immer ein paar Baumhöhlen, in denen die Vögel leben können. Da die VEbTiL-Mitarbeiter auch in anderen Bereichen der Stadt Nistkästen angebracht haben, brüten wieder über 100 Dohlenpaare in Tübingen.

Im Gegensatz zum Rest des Jahres fliegen die Dohlen im Winter bereits deutlich vor Sonnenuntergang zu ihren Schlafplätzen in der Tübinger Innenstadt. Zu dieser Jahreszeit sind sie meist in größeren Schwärmen unterwegs. Diese verringern sich deutlich, sobald die Balzzeit beginnt, denn Dohlen gelten als treue Tiere – wenn sich ein Paar gefunden hat, bleibt es zusammen.

Dohlen sind intelligente Tiere, das beweist nicht nur ihr Nestbau, man hört es auch an ihrem Gesang: Neben den Lauten, die ihnen angeboren sind, verfügen Dohlen über die Fähigkeit, sich Töne aus ihrer Lebensumgebung anzueignen. Es konnte nachgewiesen werden, dass einzelne Tiere, die in Städten leben, ihr Gesangsrepertoire um Signaltöne von Handys erweitert haben.

Wer kümmert sich um die Dohlen?

Der Tübinger VEbTiL (Verein für Erhaltung bedrohter Tierarten und ihrer Lebensräume) hat sich unter anderem dem Dohlenschutz verschrieben. Er betreibt Biotop-Pflege, führt faunistische und floristische Kartierungen durch und ist, im Sinne der zu schützenden Tier- und Pflanzenarten, lokalpolitisch aktiv. Straßenneubauten und Neubaugebiete werden besonders kritisch beäugt. So stritt VEbTiL zuletzt vehement gegen die Umwandlung des Holderfelds vom Biotop zum geplanten zweiten Sportplatz für den SSC Tübingen.

In der Platanenallee lebt die letzte Dohlenkolonie der Stadt
Beste Aussichten haben Dohlen in der Platanenallee: Der Tübinger Verein VEbTiL brachte dort Nistkästen an.

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06.01.2010, 12:00 Uhr
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